20. März 2006 Schafft es die Aktie des Immobilienfinanzierer Aareal Bank am Montag noch auf ein neues Rekordhoch? Im frühen Handel sah es gut aus, das im Nebenwerte-Index MDax gelistete Papier legte um gut 1,5 Prozent zu. Doch danach ging es wieder abwärts: Am späten Vormittag notierte die Aktie bei 38,61 Euro, das sind 1,15 Prozent weniger als am Freitag (Isin: DE0005408116).
Das Hin und Her hat seinen Grund: Die jüngsten Zahlen der Bank sind nicht einfach zu interpretieren. Die Ergebnisse für 2005 waren besser als erwartet. Doch das liegt Analysten zufolge vor allem an der niedrigen Steuerquote. Der Ausblick liest sich nicht schlecht, sorgt aber nicht für Euphorie.
Schlußquartal mit Gewinn
Auf Sicht von drei bis fünf Jahren werde eine Eigenkapitalrendite von elf bis 15 Prozent angestrebt, bekräftigte Bankchef Wolf Schumacher am Montag in Frankfurt. 2005 schrieb das Wiesbadener Kreditinstitut noch rote Zahlen, will aber schon 2006 auf eine Rendite von knapp acht Prozent kommen. Außerdem stellt die Bank eine Dividende von 25 Prozent des Gewinns in Aussicht.
Im vergangenen Jahr sei ein Verlust nach Anteilen Dritter von 55 (Vorjahr: 129) Millionen Euro angefallen, teilte die Wiesbadener Bank am Montag mit. Im Schlußquartal sei aber bereits ein Gewinn von 20 nach einem Verlust im Vorjahresvergleichzeitraum von 15 Millionen Euro erzielt worden. Von Reuters befragte Analysten hatten mit einem Gewinn von 14 Millionen Euro im vierten Quartal und einem Verlust von 71 Millionen im Gesamtjahr gerechnet.
Der Chef baut den Konzern um
Die Verbesserungen gehen vor allem auf eine reduzierte Risikovorsorge für faule Kredite zurück. Sie fiel auf 273 (410) Millionen Euro, liegt damit aber immer noch auf sehr hohem Niveau. Ab diesem Jahr soll sich der Vorsorgebedarf für faule Kredite normalisieren. Früheren Angaben zufolge soll sie maximal 90 Millionen Euro pro Jahr betragen.
Schumacher plant weiterhin, bei der Muttergesellschaft 253 von 1.249 Mitarbeiterstellen zu streichen. Der Vorstandschef hat zuletzt das Kreditbuch der Bank unter die Lupe genommen und eine hohe Sonderwertberichtigung vorgenommen, um künftig vor bösen Überraschungen gefeit zu sein. Zudem wurden Beteiligungen und Problemkredite verkauft, der Vorstand umgebaut und die Refinanzierungstochter Aareal Hyp enger an den Konzern gebunden.
Bank setzt auf Neugeschäft im Ausland
Die Bank, deren Aktienkurs sich seit dem Amtsantritt Schumachers im April 2005 um die Hälfte verteuert hat, setzt verstärkt auf Neugeschäft im Ausland, wo meist mehr zu verdienen ist. 2005 wurde das Neugeschäftsvolumen um ein Viertel auf 7,1 Milliarden Euro ausgeweitet - mit 85 Prozent zum Großteil außerhalb des Heimatmarktes. Für dieses Jahr peilt die Aareal Bank beim Neugeschäft ein Volumen auf dem Niveau des Vorjahres an. Schumacher nannte eine Zielspanne von 6,5 bis 7,5 Milliarden Euro.
Im operativen Geschäft fiel der Zinsüberschuß als wichtigster Ertragsposten 2005 auf 419 von 441 Millionen Euro. Die Kosten erhöhten sich dagegen auf 402 von 363 Millionen Euro. Neben der Risikovorsorge gab es beim Provisionsüberschuß Fortschritte, er stieg auf 169 (157) Millionen Euro.
Analysten sind sich uneinig
Die Analystenschar weiß nicht so recht, wie sie die Aareal Bank bewerten soll: Merck Finck & Co. empfiehlt sell, auch die Landesbank Rheinland-Pfalz sieht die Aktie als Underperformer. Die Hypo-Vereinsbank stuft das Papier mit neutral ein, Kepler Equities dagegen vergibt ein buy.
Einige Analysten verweisen darauf, daß der Aktienkurs der Aareal Bank in den vergangenen Monaten immer wieder durch Übernahmespekulationen beflügelt wurde. Solchen Spekulationen verpaßte Schumacher jetzt einen Dämpfer: Es habe keine Kontaktaufnahme gegeben, die auf einen Kauf des Immobilienfinanzierers abgezielt habe, sagte der Vorstandsvorsitzende auf der Bilanzpressekonferenz. Das gelte für in- oder ausländische Banken genauso wie für Finanzinvestoren.
Aktie nicht mehr günstig, aber mit Potential
Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von knapp 20 auf Basis der Gewinnschätzung für dieses und 14,5 für das kommende Jahr ist die Aktie recht ambitioniert bewertet. Doch darf nicht vergessen werden, daß das Unternehmen noch vor kurzem rote Zahlen geschrieben hat. Erreicht das Institut sein Margenziel in einigen Jahren, wäre die Aktie heute relativ günstig - doch garantieren kann das Management die Erreichung dieser Ziele natürlich nicht.
Der Chart jedenfalls spricht für die Aktie: Nach einem schwachen Börsenstart 2002 zeigt der Chart nach oben, wenn auch unterbrochen von einigen deutlichen Korrekturen. Am Freitag erreichte das Papier ein neues Rekordhoch von 39,40 Euro. Bestätigen konnte die Aktie dieses Hoch am Montag vormittag allerdings nicht.
Alles in allem scheint die Aareal Bank auf einem guten Weg zu sein. Vorstandschef Schumacher krempelt den Konzern durchaus erfolgreich um. Das Problem fauler Kredite bekommt das Management langsam in den Griff, und der Markt für Immobilienfinanzierung hat Zukunft. Darum sollten die Chancen nicht schlecht stehen, daß die Aktie der Aareal Bank in einem weiterhin freundlichen Marktumfeld auch in Zukunft zu den Gewinnern zählt.
Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.
Text: @bemi
Bildmaterial: Aareal Bank, FAZ.NET
| Tops & Flops | +/- | Prozent |
|---|---|---|
| MERCK KGAA INHABER - | +1,63 | +2,18 |
| DAIMLER AG NAMENS - | +0,32 | +0,80 |
| CONTINENTAL AG INHAB | +0,38 | +0,52 |
| HENKEL AG & CO. KGAA | -0,74 | -2,74 |
| COMMERZBANK AG INHAB | -0,48 | -2,36 |
| BAYERISCHE MOTOREN W | -0,64 | -2,23 |
| Name | Punkte | Prozent |
|---|---|---|
| Dax | 6.256,20 | -0,98 |
| TecDax | 802,53 | +0,73 |
| DowJones | 11.417,43 | +0,61 |
| Nasdaq | 2.389,08 | +0,20 |
| STOXX 50 | 3.259,83 | -1,08 |
| Nikkei 225 | 12.752,21 | -0,77 |
| S&P 500 Zert. | 12,65 | -0,55 |
| Euro/Dollar | 1,48 | +0,54 |
| Bund Future | 114,28 | -0,42 |
| Gold | 826,52 | +1,75 |
| Öl | 114,78 | +3,31 |
