Konsum & Mode

Inditex: Abnehmendes Wachstum - vernünftige Bewertung

Inditex-Marke “Zara“ in Afrika

Inditex-Marke "Zara" in Afrika

11. Juni 2008 Am Beispiel des spanischen Modeunternehmens Inditex sieht man, zu welchem Kursaufschwung überzogene Erwartungen in einem optimistischen Umfeld in Verbindung mit einem Umfeld, dass sich durch eine Fülle von renditehungriger Liquidität auszeichnet, führen können.

Die Kombination dieser Faktoren ließ die Aktien von 15 Euro zu Beginn des Jahres 2004 auf bis zu 53,25 Euro noch im November des vergangenen Jahres steigen. Danach kam aufgrund der Kreditkrise und vor allem auch aufgrund der immer verhaltener werdenden wirtschaftlichen Entwicklung in Spanien zum Rückschlag. Inzwischen liegen die Inditex-Papiere 40 Prozent unter dem Kurshoch.

Vernünftige Bewertung - gebremstes Wachstum

Rein optisch sind sie inzwischen mit Kurs-Gewinnverhältnissen von 13,8 und 12,1 auf Basis der Gewinnschätzungen für das laufende und das kommende Geschäftsjahr und einer Dividendenrendite von 3,4 Prozent auf Basis der vergangenen Ausschüttung zwar vernünftig bewertet. Allerdings hat sich in den vergangenen Monaten die operative Entwicklung deutlich verlangsamt.

Das zeigt sich an den am Mittwoch vorgelegten Zahlen für das erste Quartal des laufenden Geschäftsjahres, das von März zu März läuft. Danach konnte das Unternehmen, das über seine Marke Zara bekannt wurde, den Umsatz im Vergleich mit der Vorjahresperiode um 8,8 Prozent auf 2,218 Milliarden Euro steigern. In lokalen Währungen und auf vergleichbarer Basis lag der Umsatzzuwachs zwar bei zwölf Prozent. Selbst das jedoch ist das geringste Wachstum, das das Unternehmen seit dem Börsengang verzeichnen kann.

Der operative Gewinn vor Steuern legte um knapp fünf Prozent zu auf 295 Millionen Euro, der Nettogewinn um 9,5 Prozent auf 219 Millionen Euro und der Gewinn je Aktie um 9,4 Prozent auf 35 Cent. Die Bruttomarge konnte von 56,4 auf 57,8 Prozent verbessert werden. Das ist positiv. Auf der anderen Seite reduzierte das Unternehmen seine Wachstumserwartungen. Es geht in den kommenden Jahren auf bestehenden Flächen nur noch von einem Umsatzwachstum von vier Prozent aus, nach vier bis fünf Prozent bisher.

Konjunktureller Gegenwind bremst den Konsum - Ausbau des Filialnetzes

Das zeigt, dass sich das Umfeld verschlechtert. Das dürfte vor allem für Spanien und die Vereinigten Staaten gelten, wo Inditex im vergangenen Geschäftsjahr knapp 42 und 11,5 Prozent seiner Umsätze erzielen konnte. Konnte das Unternehmen in den vergangenen Jahren zunächst vom Boom in diesen Regionen profitieren, so hat sich das inzwischen gerade ins Gegenteil verkehrt, da das Platzen der Immobilienblase in Verbindung mit hohen Energie- und Nahrungsmittelpreisen die Kaufkraft der Konsumenten beschneidet.

Sollte die konjunkturelle Entwicklung auch in Europa deutlicher nachlassen, so würde sich auch das bremsend bemerkbar machen. Immerhin stammten im vergangenen Jahr knapp 41 Prozent der Erlöse aus dieser Region. Dagegen kamen die restlichen Regionen der Welt gerade einmal auf einen Anteil von kapp sechs Prozent am Gesamtumsatz.

Allerdings expandiert das Unternehmen weiter. Im ersten Quartal wurden 145 neue Geschäfte eröffnet, nach 114 neuen Geschäften im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Inzwischen betreibt es nach eigenen Angaben 3.890 Läden in 70 Staaten. Im Gesamtjahr ist die Eröffnung von 560 bis 640 neuer Geschäfte bei einem Investitionsvolumen von einer Milliarde Euro geplant. Insgesamt ist die Bilanz des Unternehmens sehr solide. Abgesehen von allgemeinen Wachstumsrisiken ist die Aktie wieder deutlich interessanter geworden als noch vor wenigen Monaten. In diesem Sinne mag sie in einem positiveren Umfeld wieder auf den Radarschirm des einen oder anderen Anlegers geraten.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.



Text: @cri
Bildmaterial: FAZ.NET, Inditex

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