Dax schließt mit 7 Prozent im Minus

Schwarzes Ende einer schwarzen Woche

10. Oktober 2008 Das Schmelzen der Aktienmärkte in der Finanzkrise nimmt ein dramatisches Ausmaß an. Binnen einer Woche brach der japanische Nikkei-Index um 24 Prozent ein, der Dax verlor mehr als ein Fünftel. Allein am Freitag fiel der deutsche Leitindex um 7,01 Prozent auf 4544,31 Punkte und schloss damit auf dem tiefsten Stand seit Sommer 2005. Vor allem Finanzwerte setzten ihre Kurseinbrüche ungebremst fort. Allianz-Aktien verloren 9,2 Prozent, Commerzbank-Aktien 9,8 Prozent und die Aktien der Deutsche Bank brachen sogar um 16,1Prozent ein.

Händler verwiesen auf die Insolvenz des japanischen Versicherers Yamato auf Grund von Verlusten im Wertpapiergeschäft. „Die Befürchtung ist, dass der Deckungs-Stock einiger Versicherungen auch notleidende Papiere enthält“, sagte ein Händler.

Allein die Volkswagen Aktie steigt

Entsetzen an der Frankfurter Börse

Entsetzen an der Frankfurter Börse

Wie angeschlagen der Markt war, zeigten die Verluste der defensiven Branchen. Selbst die dividendenstarken Versorger brachen ein: Eon-Aktien fielen um 10,4 Prozent und RWE um 10,9 Prozent. Alein die Volkswagen-Aktie zeigte dagegen weiter Stärke, die Aktie stieg gegen den Trend um 15,2 Prozent.

In mehreren Ländern musste der Aktienhandel nach massiven Verlusten ausgesetzt werden. Weitere Regierungen nahmen Milliarden in die Hand, um wankende Unternehmen der Finanzbranche zu stützen. Auch Deutschland schließt inzwischen einen Einstieg des Staates bei angeschlagenen Banken nicht mehr aus. Die USA erwägen angeblich eine weitreichende Garantie für Bankschulden und Bankeinlagen.

Plus an der Wall Street war nur von kurzer Dauer

Inmitten des weltweiten Ausverkaufs an den Börsen hatte die Wall Street am Nachmittag noch kurz für einen Hoffnungsschimmer gesorgt. Während europäische Aktienmärkte um acht oder neun Prozent im Minus lagen, drehten die US-Börsen zeitweise sogar in die Gewinnzone. Händler hatten sich schon Chancen auf ein Ende der Abwärtsspirale ausgerechnet: Es waren gerade die zuletzt arg gebeutelten Banken- Aktien, die die Aufwärtsbewegung anführten.

Doch das Plus an der Wall Street war minimal und nur von kurzer Dauer - zum Börsenschluss in Deutschland stand der Dow Jones um vier Prozent im Minus bei 8233 Punkten, der Sammelindex der Technologiebörse Nasdaq sackte um 3,2 Prozent auf 1592 Punkte ab.

Der Tag hatte mit einem massiven Ausverkauf in Tokio begonnen, wo der Nikkei mit einem Minus von 9,6 Prozent den drittschlimmsten Verlust seiner Geschichte verbuchte. Die Madrider Börse erlebte zeitweise den tiefsten Kurssturz seit 16 Jahren. Panikverkäufe ließen die Kurse in Wien so dramatisch einbrechen, dass die Börse den Handel am Morgen stoppte. Auch in Russland, Rumänien, Thailand und Brasilien wurden die Geschäfte zumindest vorübergehend ausgesetzt.

Steinbrück schließt Einstig des Staates bei den Banken nicht mehr aus

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Deutschland steuert angesichts der dramatischen Zuspitzung der Finanzkrise auf ein umfassenderes Hilfspaket für Banken und ein stärkeres staatliches Engagement zu. Selbst ein vorübergehender Einstieg des Staates bei Instituten wird nicht mehr ausgeschlossen. „Ich bin überzeugt, dass wir mit Von-Fall-zu-Fall-Lösungen nicht mehr weiterkommen. Das ist ausgereizt“, räumte Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) ein. Er ist in Washington zu einem Treffen der G7-Finanzminister und -Notenbankchefs.

Das Wort „Verstaatlichung“ von Banken vermieden sowohl Bundesbank- Präsident Axel Weber als auch Steinbrück ausdrücklich. Weber zufolge ginge es bei einer „Re-Kapitalisierung“ nicht darum, Kontrollmehrheiten für den Staat zu erreichen. Aber die Institute müssten letztlich Kapital erhalten, um stabilisiert zu werden. Bei einem besseren Marktumfeld könnten die Anteile dann wieder durch den Staat abgegeben werden, sagte Weber.
Als Teil eines „umfassenden Ansatzes“ könnten Weber zufolge auch in Deutschland entsprechende staatliche Garantiemaßnahmen geleistet werden. Als weiteres sei ein mögliches Maßnahmepaket denkbar, um Abschreibungen und Wertverluste „über die Zeit zu strecken“.

Garantie für Bankschulden in Amerika?

In der Kursanzeige der Börse in Tokio spiegeln sich Passanten

In der Kursanzeige der Börse in Tokio spiegeln sich Passanten

Auch die amerikanische Regierung arbeitet laut Medienberichten an weitreichen Maßnahmen zur Stützung der Bankenbranche. Es handele sich unter anderem um eine „Garantie für Milliarden an Bankschulden“ sowie eine „zeitweise Versicherung aller Bankeinlagen“, berichtete die Zeitung „Wall Street Journal“ am Freitag. Falls die Vorschläge verwirklicht würden, wäre es der bisher umfassendste staatliche Eingriff in das amerikanische Finanzsystem. Bereits am Donnerstag hatten amerikanische Medien berichtet, die Regierung erwäge auch Beteiligungen an in Not geratenen amerikanischen Banken.

Die britische Regierung hatte diese Woche den Einstieg des Staats bei acht großen Banken als Teil eines großen Rettungspakets angekündigt. Am weitesten ging Island, das mehrere Banken übernehmen musste. Am Freitag leiteten auch die Niederlande und Russland staatliche Stützungsmaßnahmen ein.

„Bloß nicht alles verkloppen“

Das spanische Kabinett nickte am Freitag ein Hilfspaket für Spaniens Finanzbranche ab. Die Regierung will den Banken der iberischen Halbinsel für bis zu 50 Milliarden Euro Anleihen mit einem besseren Rating abkaufen. Russland will den heimischen Börsen in diesem Jahr mit dem Kauf von Aktien im Volumen von umgerechnet knapp fünf Milliarden Euro unter die Arme greifen. Irland, das als erstes Land mit einer Bankgarantie vorgeprescht war, weitete diese am Donnerstag auch auf einige ausländische Institute aus.

Text: FAZ.NET
Bildmaterial: AP, dpa, Natascha Vlahovic; FAZ.NET, REUTERS

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