Technologie

Cisco-Aktie erst bei anständiger Ausschüttungspolitik interessant

Datenspeicher bei Cisco

Datenspeicher bei Cisco

08. Februar 2006 Mit deutlichen Kursgewinnen von bis zu 4,5 Prozent reagierte am Montag die Aktie des amerikanischen Netzwerkausrüster Cisco Systems auf die Umsatz- und Ertragszahlen des zweiten Quartals des laufenden Geschäftsjahres.

Das Unternehmen konnte nach eigenen Angaben den Umsatz im Vergleich zur Vorjahresperiode um 9,3 Prozent auf 6,6 Milliarden Dollar steigern, der Pro-Forma-Gewinn habe bei 1,6 nach 1,5 Milliarden Dollar oder 26 Cent je Aktie gelegen. Und damit - eine eher zweifelhafte Tradition - genau einen Cent über den Erwartungen des Marktes, wie es sich so schön in den Agenturmeldungen liest.

Kosten sind Kosten - was sollen also die Pro-Forma-Zahlen?

Berücksichtigt man allerdings die Kosten für Mitarbeiterbeteiligungsprogramme in Höhe von 188 Millionen Dollar, so ist der Gewinn im Jahresvergleich um 1,8 Prozent gefallen auf 1,38 Milliarden Dollar oder auf 22 Cents je Aktie. Und genau das sollte die Anleger interessieren, nicht die von vielen angeblichen Analysten und auch vom Unternehmen vorsätzlich propagierten und scheinheiligen Pro-Forma-Zahlen. Denn Kosten sind Kosten, ob sie nun über „innovative Optionsprogramme“ entstehen oder durch den Kauf von Büromaterialien.

Der Konzern profitierte nach eigenen Angaben von Investitionen seiner Geschäftskunden, die ihre Netzwerke und Sicherheitsvorkehrungen auf den neuesten Stand brachten. Als Umsatztreiber erwies sich dabei erneut das Geschäft mit Routern. Gleichzeitig habe sich auch die Umsatzrendite von 66,9 auf 67,1 Prozent verbessern lassen. Für das laufende dritte Quartal rechnet das Unternehmen sogar mit einem Umsatzanstieg um zehn bis zwölf Prozent gegenüber dem Vorjahr. Dieser optimistische Ausblick entspricht den Analystenprognosen.

Ob das kommt dürfte eine andere Frage sein. Denn in den vergangenen Quartalen hatte das Unternehmen mit den vorgelegten Wachstumszahlen enttäuscht und auch der Blick auf Konkurrenten wie Juniper Networks, dort wurden die Erwartungen ebenfalls enttäuscht und gleichzeitig ist mit einem eher schwachen Ausblick zu rechnen, stimmt nicht unbedingt optimistisch. Gleichzeitig dürften die anhaltend hohen Margen die Konkurrenz anziehen und sie unter Druck setzen.

Wann schüttet Cisco endlich eine anständige Dividende aus?

Die Aktie von Cisco gehörte während der Interneteuphorie zu den Höhenfliegern. Denn die vom Unternehmen gelieferten Hardware und Dienstleistungen schienen unverzichtbar zu sein für den rasanten Ausbau des unendlich wachsenden Internets zu sein. Aber mit der Baisse kam die Ernüchterung und führte zu entsprechenden Kurskorrekturen. Die Aktie fiel von 82 Dollar im März des Jahres 2000 bis au 8,12 Dollar im Oktober des Jahres 2002. Von diesem Tief konnte sich das Papier wieder erholen auf bis zu 29,39 Dollar im Januar des Jahres 2004. Seitdem befindet es sich aber wieder in einem Abwärtstrend, der in jüngster Zeit immerhin etwas zur Bodenbildung neigt.

Mit Kurs-Gewinnverhältnissen von 17,5 und 15,3 auf Basis der Gewinnschätzungen für das laufende und das kommende Geschäftsjahr und unter Berücksichtigung der hohen Liquiditätsbestände scheint die Aktie zunächst vernünftig bewertet zu sein. Berücksichtigt man allerdings die dabei die offensichtlich auch von vielen Fondsmanagern notorisch ignorierten Kosten und mögliche heiße Luft in der Bilanz aufgrund der vielen Übernahmen in der Vergangenheit, dürfte sich das Bild ändern. Sehr wahrscheinlich muß das Unternehmen zuerst zu mehr Transparenz und vor allem auch zur Ausschüttung einer anständigen Dividende übergehen, statt die Gewinne für fragwürdige Aktienrückkäufe zu verheizen, bevor die Aktie wieder interessanter wird.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.



Text: @cri
Bildmaterial: AP, FAZ.NET

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