Amerikanische Finanzwerte

Quartalsverlust von Wachovia lässt Anleger wieder zittern

14. April 2008 Die vom amerikanischen Immobilienmarkt ausgehende Kreditkrise ist noch lange nicht vorbei. Denn die Hauspreise sind noch lange nicht genug gefallen, als dass sie in einem angemessenen Verhältnis zu möglichen Mieteinnahmen oder zum verfügbaren Einkommen potentieller Käufer stehen würden.

Die zunehmende finanzielle Belastung der Konsumenten durch steigende Zinsen, restriktivere Kreditvergabe, hohe Energie- und Rohstoffpreise sowie einen schwachen Arbeitsmarkt führten in den vergangenen Wochen dazu, dass es immer mehr Insolvenzen gibt und ein immer größer werdender Teil der in den vergangenen Jahren gebauten und gegenwärtig unverkäuflichen Überbestände leer steht.

Der Markt lässt sich von einem Quartalsverlust überraschen ...

Das hält alle mit der Immobilienbranche in Zusammenhang stehenden Branchen und Unternehmen in der Defensive, allen voran die Finanzwerte. Das Geschäft ist längst ins Stocken geraten, da Kreditvergaben sowie Verbriefung und Vermarktung entsprechender Strukturen nicht mehr oder nur noch in kleinerem Rahmen laufen. Zudem werden sie durch die häppchenweise veröffentlichten Altlasten belastet.

Am Montag zeigt sich das am Beispiel der viertgrößten amerikanischen Bank Wachovia. Das Unternehmen musste im ersten Quartal einen Verlust verbuchen. Der Markt gibt sich davon überrascht, Skeptiker hatten nichts anderes erwartet. Das Minus habe netto 350 Millionen Dollar betragen, teilte das Kreditinstitut am Montag mit. Mit Sondereinflüssen summierte sich der Verlust auf 393 Millionen Dollar oder 20 Cent je Aktie. Vor einem Jahr hatte die Bank noch einen Gewinn von 2,3 Milliarden Dollar oder 1,20 Dollar je Anteilsschein verbucht.

Ohne Sonderposten habe der Verlust 270 Million Dollar oder 14 Cent je Aktie betragen. Die Einnahmen hätten in dem Vierteljahr bei 7,9 Milliarden Dollar gelegen. Für Kreditausfälle habe die Bank 2,8 Milliarden Dollar zurückgelegt. Die Kreditkrise in den Vereinigten Staaten hatte bereits im vorangegangenen Quartal die Bilanz der Bank verhagelt und zu einem deutlichen Gewinneinbruch auf gerade noch acht Cents je Aktie geführt.

Schon Anfang des laufenden Jahres hatte das Unternehmen eine Kapitalerhöhung in Höhe von 8,3 Milliarden Dollar durchführen müssen. Zur Überwindung der schwierigen finanziellen Lage reduziert Wachovia nun die Dividende um 41 Prozent auf 37,5 Cents je Aktie und plant eine Kapitalerhöhung durch die Ausgabe neuer Aktien und Vorzugswandelpapiere im Umfang von weiteren sieben Milliarden Dollar. Auf diese Weise werden die Rechte der bisherigen Anteilseigner massiv verwässert.

... obwohl sich das Unternehmen strategisch vertan hat

Wachovia hat sich - wie viele andere Unternehmen der Branche - in den vergangenen Jahren in der allgemeinen Euphorie völlig vertan. Das zeigt sich alleine schon daran, dass das Unternehmen noch auf dem Höhepunkt der amerikanischen Kreditwahns die kalifornische Golden West Financial für 24,2 Milliarden Dollar übernommen hatte. Dabei zeichnete sich gerade dieses Unternehmen durch eine Konzentration hoch riskanter Hypotheken in einer Region aus, in der die Immobilienpreise stark gestiegen waren und nun entsprechend korrekturbedürftig sind.

So dürfte es kaum verwundern, dass die Aktie des Unternehmens im europäischen Handel Kursverluste von bis zu zwölf Prozent verbuchen muss. Sie hat seit Februar des Jahres 2006 knapp 70 Prozent ihres ursprünglichen Wertes verloren, der Trend zeigt weiterhin nach unten. Auf der anderen Seite werden die CDS, also die Kosten für eine Absicherung der Kreditrisiken, teurer.

Rein optisch mögen die Aktien mit einer Dividendenrendite von 9,2 und Kurs-Gewinn-Verhältnissen von 9,8 und 7,4 auf Basis bisheriger Gewinnschätzungen interessant aussehen. Allerdings haben die vorgelegten Quartalszahlen und die anstehende Verwässerung gezeigt, wie kritisch man solche Schätzungen im gegenwärtigen Umfeld betrachten muss.

Das dürfte auch für die anstehenden Ergebnisse anderer Finanzunternehmen gelten. Banken wie Goldman Sachs und Morgan Stanley mögen in den vergangenen Monaten optisch geringe Erwartungen übertroffen haben. Allerdings nahmen die Gewinnanteile, die aus fiktiven Bewertungen stammten, deutlich zu, während sie gleichzeitig optisch von der rechnerischen Wertminderung auf der Passivseite profitieren konnten.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.



Text: @cri
Bildmaterial: Bloomberg, Department of Commerce, Goldman Sachs, FAZ.NET, Goldman Sachs, Mortgage Bankers Association, Goldman Sachs

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