Dividenden

Anleger können mit Rekordausschüttungen rechnen

15. Januar 2008 Am Freitag lädt mit Thyssen-Krupp der erste Dax-Konzern zur Hauptversammlung. Falls nichts Außergewöhnliches passiert, werden die Aktionäre dem Vorschlag von Aufsichtsrat und Vorstand folgen und für das Geschäftsjahr 2006/2007 eine Dividendenausschüttung von 1,30 Euro je Aktie beschließen - 30 Cent mehr als im Vorjahr.

Solche oder ähnliche Erhöhungen wird es auf den meisten Hauptversammlungen dieses Jahres geben. Für 23 Dax-Unternehmen rechnen die Analysten mit einer Dividendenerhöhung. Continental, Postbank, Merck und Metro dürften die Gewinnausschüttung an die Aktionäre auf Vorjahresniveau halten, für RWE wird eine leichte Dividendenkürzung erwartet und Infineon wird wie gewohnt seinen Aktionären nichts ausschütten.

Dividendenrendite im langjährigen Mittel

Am Dienstag gab zudem die Hypo Real Estate bekannt, künftig nur noch 50 Cent je Aktie zahlen zu wollen, nach 1,50 Euro ein Jahr zuvor. Grund dafür sind nun bekannt gewordene erhebliche Belastungen durch die Kreditkrise. Diese hatten am Dienstag den Kurs der Aktie um 35 Prozent einbrechen lassen. Für die anderen Finanzwerte gehen die Analystenschätzungen aber weiterhin von Dividendenerhöhungen aus.

Innerhalb des Dax werden wohl knapp 26 Milliarden Euro an die Aktionäre ausgeschüttet. Dies entspricht einem Anstieg um 14 Prozent gegenüber dem Vorjahr, wenn der Austausch von Altana durch Merck berücksichtigt wird. Die Dividendenrendite - also das Verhältnis aus Dividende zum aktuellen Aktienkurs - liegt mit gut 3 Prozent höher als im langjährigen Mittel. Im Eurostoxx 50 liegt der vergleichbare Wert bei 4 Prozent und damit nahe dem Niveau der Rendite zehn Jahre laufender Bundesanleihen.

„Zeichen für die hohe Unsicherheit im Markt“

„Das ist ein Zeichen für die hohe Unsicherheit im Markt“, sagt Andreas Hürkamp, Aktienstratege der Commerzbank. „Aber es ist auch ein Kaufsignal für Aktien, denn die hohen Dividenden spiegeln die Ertragsstärke der Unternehmen wider.“ In der jüngsten Hausse sind die Aktienkurse im Gleichklang mit den Unternehmensgewinnen und den Dividenden gestiegen.

Allein von der Dividendenhöhe die Kaufentscheidung für eine Aktie abhängig zu machen, hält Hürkamp hingegen nicht mehr für ratsam. „In den Jahren von 2003 bis 2006 war die Strategie sehr erfolgreich, vor allem Aktien mit hohen Dividendenrenditen zu kaufen“, sagt Hürkamp. „In der Endphase einer Hausse sind aber meist die stärker auf Wachstum fixierten Unternehmen am Aktienmarkt gesucht“, sagt Hürkamp. Dass das eine das andere jedoch nicht ausschließt, zeigten hingegen BASF, Daimler, RWE und Allianz, die sowohl eine hohe Dividendenrendite hätten als auch zuletzt die Gewinnerwartungen erhöhen konnten.

Letztmalig ohne Abgeltungssteuer

Besonders großzügig zeigt sich in diesem Jahr die Deutsche Telekom. Sie hat bereits angekündigt, 78 Cent je Aktie zahlen zu wollen. Dies ist mit mehr als 5 Prozent nicht nur eine der höchsten Dividendenrenditen im Dax, es ist mit 3,4 Milliarden Euro auch mehr, als das Unternehmen voraussichtlich nach Steuern verdient hat. Durchschnittlich schütten die Unternehmen 40 Prozent ihres versteuerten Gewinns aus.

Der Anleger muss die Ausschüttung des versteuerten Gewinns zum Ärger vieler selbst nochmals versteuern. Zum letzten Mal geschieht dies dieses Jahr nach dem Halbeinkünfteverfahren. Von 1000 Euro Dividendeneinkünften oberhalb des Sparerfreibetrags werden 500 Euro mit dem persönlichen Einkommensteuersatz von zum Beispiel 30 Prozent versteuert, was eine Steuerlast von 150 Euro ergäbe.

Von 2009 an werden 25 Prozent Abgeltungssteuer auf die volle Dividende fällig, im Beispiel 250 Euro, jeweils plus Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer. Für Anleger mit einem persönlichen Einkommensteuersatz von 25 Prozent oder darunter bedeutet das eine glatte Verdopplung der Steuerlast, für Personen mit höheren persönlichen Steuersätzen ist die Gesetzesänderung nicht ganz so schlimm, aber auch sie zahlen künftig mehr. Steuerbefreit bleiben aufgrund von Sonderregelungen weiterhin die Dividenden der Deutschen Post, wie auch jene einiger Nebenwerte wie Wincor Nixdorf oder Deutsche Wohnen.



Text: dmoh. / F.A.Z.
Bildmaterial: F.A.Z.

 
NamePunkteProzent
Dax 6.304,41 -1,43
TecDax 734,85 -2,73
DowJones 11.384,21 +1,36
Nasdaq 2.294,44 +2,28
STOXX 50 3.287,60 -1,35
Nikkei 225 13.052,13 +0,15
S&P 500 Zert. 12,41 -1,74
Euro/Dollar 1,57 +0,34
Bund Future 111,94 -0,19
Gold 922,57 +0,61
Öl 142,31 -0,93
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