Finanzmarktkrise

Verluste der Banken verlieren ihren Schrecken

Von Hanno Mußler

06. Mai 2008 Für viele europäische Banken ist die Woche der Wahrheit angebrochen. Von der Schweizer Großbank UBS ist bekannt, dass sie an diesem Dienstag einen Quartalsverlust von 12 Milliarden Franken wegen Abschreibungen auf Wertpapiere von 19 Milliarden Franken bekanntgeben wird. Spannend wird aber am Donnerstag sein, ob die zur Nummer drei unter den größten europäischen Banken nach Börsenwert aufgerückte italienische Unicredit mit ihren Quartalszahlen die Erwartungen trifft.

Auch in Deutschland stehen die Banken in dieser Woche im Blickpunkt. Nach der Deutschen Bank, die in der Vorwoche erstmals seit 2003 wieder einen Quartalsverlust zugeben musste, folgen mit Hypo Real Estate an diesem Dienstag, der Commerzbank am Mittwoch und der Postbank mit der Hauptversammlung am Donnerstag die übrigen Bankwerte im Dax mit ihren Quartalsergebnissen.

„Das Schlimmste scheint vorüber“

Geprägt werden die Quartalsergebnisse von den Abschreibungserfordernissen auf Wertpapiere wegen der Finanzkrise. Viele Bankanalysten sind aber der Meinung, dass im ersten Quartal der Höhepunkt erreicht worden sein könnte. „Das Schlimmste scheint vorüber“, sagt zum Beispiel Kian Abuhosssain, Bankenanalyst von JP Morgan. Nachdem europäische Banken im Jahr 2007 insgesamt 27 Milliarden Euro auf ihr Ergebnis abgeschrieben haben, hätten sie im ersten Quartal ihren Wertpapierbestand ergebniswirksam um 17,5 Milliarden Euro korrigiert. JP Morgan erwartet nun im Jahr 2008 weitere Abschreibungen von 6,8 Milliarden Euro. Das klingt im Licht der bisher nötig gewordenen Korrekturen nach wenig.

Und tatsächlich scheinen die Anleger darauf zu setzen, dass die Bankaktien ihren Tiefstkurs erreicht haben. Der Aktienindex Stoxx Banks, in dem die 62 unter den größten 600 europäischen Unternehmen vertretenen Banken enthalten sind, ist seit Mitte März um fast 20 Prozent gestiegen - so stark wie fast keine andere Branche. Dass durch die Abschreibungen in vielen Banken das Eigenkapital gelitten hat und Kapitalerhöhungen anstehen dürften, scheint die Anleger nicht zu stören. Fünf europäische Banken, darunter die Royal Bank of Scotland mit der größten Kapitalerhöhung überhaupt, haben in den vergangenen Wochen schon Geld von den Anlegern eingesammelt und sind damit auf ein positives Echo getroffen.

Deutsche Banken spielen untergeordnete Rolle

Die deutschen Banken spielen im europäischen Bankindex eine untergeordnete Rolle. Deutsche Bank, Commerzbank und Postbank kommen nur auf einen Länderanteil von kaum mehr als 5 Prozent. Der geringe Anteil Deutschlands am europäischen Bankenbörsenkapital liegt darin begründet, dass hierzulande die nicht-börsennotierten Sparkassen und Genossenschaftsbanken in marktführender Stellung sind. Gleichwohl wird zum Beispiel von den Analysten der Dresdner Bank spekuliert, die Postbank könne unter den nächsten europäischen Banken sein, die eine Kapitalerhöhung ankündigen. Olaf Kayser, Analyst der Landesbank Baden-Württemberg, glaubt nicht daran, obwohl er im ersten Quartal mit Abschreibungen von 90 Millionen Euro und weiteren 400 bis 500 Millionen Euro in der Neubewertungsrücklage zu buchenden Wertkorrekturen rechnet. Die Kapitaldecke der Postbank sei dann zwar dünn, eine Erhöhung des Kapitals aber unwahrscheinlich.

Ein weiterer Kandidat unter den deutschen Banken für eine Kapitalerhöhung könnte Hypo Real Estate sein. Die Aktie des Immobilienfinanzierers schwankt derzeit besonders stark. Nach einem verspätet eingeräumten Abschreibungsbedarf im Januar rauschte der Kurs um 35 Prozent in die Tiefe. Seitdem im April der Finanzinvestor JC Flowers zu einem Preis von 22,50 Euro je Aktie 24,9 Prozent der Anteile erwarb, ist der Kurs auf dem Weg nach oben kaum zu bremsen. Seit dem Jahrestief im Dax, das der Aktienindex mit 6167 Punkten am 17. März erreicht hat, ist kein Dax-Wert stärker gestiegen als Hypo Real Estate mit einem Zuwachs von 80 Prozent. Immerhin vier Analysten, darunter die Citigroup, raten inzwischen zum Verkauf der Aktie. Vorstandsvorsitzender Georg Funke werde, ähnlich wie zuvor Deutsche-Bank-Vorstandsvorsitzender Josef Ackermann, sein Gewinnziel für dieses Jahr von 1 bis 1,2 Milliarden Euro nicht länger aufrechterhalten, meint Kiri Vijaiarajah von der Citigroup.

Text: F.A.Z.
Bildmaterial: F.A.Z.

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