Banken

HBOS-Aktie mit höchstem Kurs seit der Fusion

07. Dezember 2005 Mit einem Kurssprung von 4,5 Prozent beendete die Aktie von HBOS den Dienstag als bester Wert im Londoner FTSE 100-Index. Der Grund: Die schottische Großbank hat die Anleger am Mittwoch mit einem angenehmen „Trading Update“ überrascht.

Der schöne Tagesgewinn darf indes nicht darüber hinwegtäuschen, daß HBOS in den vergangenen zwölf Monaten dem „Footsie“ fast durchweg hinterher gelaufen ist. Dies erklärt sich mit dem Geschäftsmodell: Die im Herbst 2001 aus der Fusion der Bankhäuser Halifax und Bank of Scotland hervorgegangene Institut bezeichnet sich als größter Immobilienkredit-Geber im Vereinigten Königreich, das seit Monaten einen schwächelnden Häuser- und Grundstücksmarkt verkraften muß. Aus Mangel an großen Wachstumsperspektiven streicht die Konzernleitung vor allem die Kostenkontrolle heraus.

Gleichwohl hat der Zwischenbericht, wie sich Mitttwoch vormittag schon gezeigt hat, der Notiz genügend Kraft geben, in einem vorteilhaften Börsenumfeld das bisherige Jahreshoch bei knapp 914 Pence zu übertreffen und gleichsam den höchsten Kurs seit der Fusion zu markieren; gegen Mittag notiert der Titel bei 927 Pence nach einem Schlußkurs von 908 Pence am Dienstag. Analysten beurteilen HBOS indes ziemlich unterschiedlich.

Bank kauft eigene Aktien zurück

Die viertgrößte britische Bank rechnet in diesem Jahr mit mehr Gewinn als von Analysten erwartet. Der Gewinn je Aktie wird die Prognose von 84,4 Pence, das sind rund 1,24 Euro, voraussichtlich übertreffen, wie das Unternehmen mitteilte. Die Steigerung sei vor allem Kostensenkungen und dem Wachstum in den Sparten Versicherungen und Investitionen zu verdanken.

HBOS kündigte gleichzeitig Aktienrückkäufe im Volumen von bis zu 750 Millionen Pfund im nächsten Jahr an. Im laufenden Geschäftsjahr seien bislang Aktien im Wert von 910 Millionen Pfund zurückgekauft worden, das Ziel für das Gesamtjahr liege bei einer Milliarde Pfund. „Dies ist das Ergebnis unserer Strategie eines angemessenen Wachstums in allen Sparten sowie stärkerem Wachstum im Versicherungs- und Investitionsgeschäft“, sagte Unternehmenschef James Crosby in einem Interview der Nachrichtenagentur Reuters.

Aktie ist unterbewertet, meint Morgan Stanley...

Die Investmentbank Morgan Stanley hat infolge des sogenannten Trading Updates das Kursziel für HBOS und die Gewinnschätzungen erhöht; gleiches gilt für Dresdner Kleinwort Wasserstein und Goldman Sachs. Aus Sicht der Amerikaner ist die Aktie ein Kauf und nun 1.000 Pence wert nach zuvor 980 Pence. Die Botschaft der HBOS sei weiterhin, daß das Unternehmen sich auf Wertsteigerung konzentriere und die schlimmsten Befürchtungen des Marktes hinsichtlich Margen, Umsätzen und der Kreditqualität völlig unbegründet seien.

In einer Mitte Oktober erschienenen Kurzstudie hat Morgan Stanley der schottischen Großbank schon das Durchschnittsalter zugute gehalten: Die HBOS-Kunden seien jünger als jene der Konkurrenten wie Nationwide, Royal Bank of Scotland und vor allem Lloyds TSB, also jenes Instituts, das nicht nur wie HBOS seine Wurzeln im Norden der „Insel“ hat, sondern auch stark im Hypothekengeschäft engagiert ist.

...während Helaba Trust zum Verkaufen rät

Sebastian Reuter von Helaba Trust in Frankfurt steht HBOS dagegen zurückhaltend gegenüber: Er empfiehlt, die Aktie zu verkaufen. Zwar hebt er die „strikte Kostenkontrolle“, ein anhaltend stabiles Ertragswachstum im Kreditgeschäft und ein gleichbleibendes Margenniveau hervor. Ferner wirkten sich - wie bei Lloyds TSB - Vertriebserfolge bei Versicherungs- und Fondsprodukten günstig aus.

Doch geht Reuter von einem sich deutlich abschwächenden Ergebniswachstum aus. „Insbesondere das Privatkundengeschäft dürfte sich angesichts der in Großbritannien nachlassenden Kreditqualität sowie der schwächeren Kreditnachfrage negativ auf die Dynamik auswirken.“ Der Analyst glaubt nicht an einen Ausgleich durch das Firmengeschäft und Zuwächse im Versicherungs- und Fondsgeschäft. Zu Lasten von HBOS geht zudem die Konzentration auf Großbritannien, während HSBC ein Weltkonzern ist und auch Barclays klar international ausgerichtet ist.

Im „Footsie“ bisher ein „Underperformer“

Unter dem Strich ergibt sich ein gemischtes Bild. Die charttechnische Lage spricht für HBOS. Ein Sprung über die Marke von 914 Pence, für den ein Kursplus von nur 0,7 Prozent notwendig ist, wäre als Investmentsignal zu interpretieren. Auch die Bewertung kann sich mit Kurs-Gewinn-Verhältnissen von 10,9 für dieses Jahr und 9,6 für 2006 im Branchenvergleich sehen lassen; zum Vergleich: Lloyds TSB ist mit 11,2 und 10,5 bewertet, Alliance & Leicester mit 11,4 und 11,5. Mit einer erwarteten Dividendenrendite von knapp vier Prozent bleibt HBOS aber hinter A&L mit 5,5 Prozent und vor allem Lloyds TSB mit 7,25 Prozent klar zurück.

Binnen Jahresfrist hat sich die HBOS-Aktie mit einem Plus von knapp 15 Prozent etwas schwächer entwickelt als der Londoner „Footsie“, der um 16,6 Prozent hochgelaufen ist. Da die Konjunktur im Vereinigten Königreich stolpert - so ist die Industrieproduktion im Oktober unerwartet eingebrochen -, dürfte sich die Geschäftsbasis für HBOS fundamental nicht alsbald verbessern. Der Preisauftrieb im Immobiliensektor dürfte dieses Jahr vier Prozent betragen und 2006 rund zwei Prozent, wie der Rat der Immobilienkredit-Geber gerade vorhergesagt hat. HBOS macht indes selbst in Optimismus und erwartet eine sich wieder „verstärkende Wirtschaft“ und Zinssenkungen durch die Bank of England, die wiederum die Kreditnachfrage anstoßen könnten. Der Markt geht allerdings derzeit nicht von weiteren Leitzinssenkungen aus.

Vor diesem Hintergrund drängt sich die HBOS-Aktie nicht zum Kaufen auf. Technisch orientierte Anleger dürften allerdings auf das Investmentsignal und auf weitere (kurzfristige) Kursgewinne setzen.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.



Text: @thwi mit Reuters
Bildmaterial: FAZ.NET

 
Tops & Flops+/-Prozent
VOLKSWAGEN AG STAMMA +45,13 +15,20
K+S AKTIENGESELLSCHA -0,15 -0,39
MAN AG STAMMAKTIEN O -0,40 -1,01
DEUTSCHE BANK AG NAM -5,99 -16,08
DEUTSCHE POSTBANK AG -3,87 -14,61
INFINEON TECHNOLOGIE -0,44 -13,68
NamePunkteProzent
Dax 4.544,31 -7,01
TecDax 516,75 -4,81
DowJones 8.451,19 -1,49
Nasdaq 1.649,51 +0,27
STOXX 50 2.421,87 -7,86
Nikkei 225 8.276,43 -9,62
S&P 500 Zert. 8,83 -10,45
Euro/Dollar 1,34 +0,00
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