20. Dezember 2007 Es war befürchtet worden und es traf ein. Es traf sogar noch härter ein als befürchtet. Aber Aktienanleger wären nicht Aktienanleger, wenn sie an den Dingen nicht immer wieder einen positiven Aspekt fänden. Und so schloss die Aktie der amerikanischen Investmentbank an der New Yorker Börse 4,2 Prozent fester bei 50,08 Dollar.
Und das, obwohl die Bank infolge der Krise an den Finanzmärkten im vierten Quartal hohe Verluste schrieb. Die Hypothekenkrise habe der Bank im vierten Quartal Abschreibungen von 9,4 Milliarden Dollar beschert, teilte das New Yorker Institut am Mittwoch mit. Damit lagen die Wertberichtigungen um satte 5,7 Milliarden Dollar oder 154 Prozent höher als vergangenen Monat angekündigt.
Macks Risikostrategie schlägt fehl
Als Folge der Abschreibungen wies Morgan Stanley für das Quartal per Ende November einen Nettoverlust von 3,59 Milliarden Dollar aus, während das Institut im Vorjahreszeitraum im fortgeführten Geschäft noch einen Gewinn von 1,98 Milliarden Dollar erzielt hatte. Auf die Aktie entfiel damit ein Verlust von 3,61 Dollar. Analysten hatten im Vorfeld mit einem deutlich geringeren Verlust von lediglich minus 0,39 Dollar gerechnet.
Die Abschreibungen waren vorrangig das Ergebnis spekulativer Handelspositionen, deren Wert sich nicht wie erwartet entwickelt hatte. Der nun ausgewiesene Verlust ist ein Schlag für den Vorstandschef von Morgan Stanley, John Mack, der der Investmentbank das Eingehen höherer Risiken verordnet hatte, nachdem dieser im Sommer 2005 Philip Purcell als Vorstandschef abgelöst hatte, dem die Risikoaversion zur Last gelegt worden war.
Zwischen dem zweiten Quartal 2005 und dem Berichtsquartal stiegen die Risikoaktiva um rund die Hälfte auf knapp 100 Millionen Dollar; der Beitrag der Handels- und Investment-Banking-Sparte zu den Konzerneinnahmen stieg bis zum dritten Geschäftsquartal, dem bisher letzten mit positiven Erträgen, um 8 Punkte auf knapp 63 Prozent, das Kreditkartengeschäft wurde verkauft.
Schuld sind vornehmlich die anderen
Das bestätigt die alte These von Strategie-Experten, dass man für einen grundsätzlichen Wandel der Unternehmenskultur auch anderes Personal mit anderen Erfahrungen und Denkweisen braucht. Die Probleme deutscher Landesbanken und der IKB sind nur ein weitere Beleg dafür.
Isolierte Verluste, verursacht durch ein kleines Händler-Team in einem Teil des Unternehmens sollten die positive Entwicklung in fast allen anderen Geschäftsbereichen nicht überschatten, kommentierte Mack die Quartalszahlen und fand damit gleich einen Schuldigen für das Desaster und gab ihm zudem noch einen positiven Anstrich. Immerhin erklärte er in letzter Konsequenz doch dafür verantwortlich zu sein und verzichtet auf seinen Jahresbonus.
Sprinten, Joggen oder Trotten?
Mack will an seiner Strategie jedoch festhalten und weiterhin Risiken eingehen. Der Manager sagte auf einer Telefonkonferenz, die Risiken würden zwar etwas zurückgefahren, fundamental werde das Geschäft jedoch nicht verändert. Wir sind eine Zeitlang gespurtet, jetzt joggen wir eine Weile, aber wir werden weiterhin Risiken eingehen, sagte Mack.
Mack hat insofern Recht, als etwa die Erträge im Investmentbanking um 31 Prozent und im Aktienhandel um 38 Prozent stiegen. Indes kann das zum einen kaum über die im Gesamtjahr um sechs Prozent auf 28 Milliarden Dollar gefallenen Erträge und die riesigen Verluste der Rentensparte hinwegtäuschen und zum zweiten wird sich die Bank auch kaum der schwächeren Tendenz im Investmentbanking entziehen können.
Nach Finanzvorstand Colm Kelleher wird das Kreditgeschäft die Erfolgsrechnung der Bank auch in den kommenden Quartalen belasten. Der Auftragsbestand im Geschäft mit Fusionen und Übernahmen sei unverändert, die Kunden der Investmentbanking-Sparte würden vorsichtiger. Das ist ein etwas konkreterer Ausblick als Sprinten und Joggen und klingt eher nach einem etwas schwerfälligen Trott.
Chinesische R(i)etter
Auch nach den Wertbereinigungen stehen in den Büchern von Morgan Stanley noch immer schwach besicherte Kreditpapiere (Subprime) von 1,8 Milliarden Dollar. Die Bank hält daher noch höhere Abschreibungen bei weiterer Verschlechterung der Märkte für möglich. Morgan Stanley habe zudem Wertpapiere in anderen Anlageklassen nicht so deutlich abgeschrieben. Die Bank kratzt nur an der Oberfläche, sagte Michael Hecht, Analyst der Bank of
America unter Bezug auf die Kredite im Bereich kommerzieller Immobilien (CMBS) und anderer Anlagen, die nur mit 1,2 Milliarden Dollar abgeschrieben worden seien.
Das Positive an der Misere in den Augen der Aktienanleger war, dass die Bank eine Kapitalspritze von fünf Milliarden Dollar vom chinesischen Staatsfonds CIC erhält. Der Fonds wird dafür Anteile am Stammkapital bekommen, die derzeit 9,9 Prozent der gehandelten Aktien der Bank entsprechen. Bis zum 17. August 2010 wird Morgan Stanley das Kapital fix mit neun Prozent verzinsen, dann wird es in gewöhnliche Aktien umgewandelt werden.
Der chinesische Fonds soll den Angaben zufolge keinen Einfluss auf das Management der Bank bekommen. Zumindest ist es dass, was die amerikanischen Anleger im nationaltypischen übersteigerten Selbstbewusstsein gern glauben möchten und was auch vorläufig so ist.
(Noch) Keine Einflussnahme
Indes ist Morgan Stanley damit nach der UBS, der Citigroup und Bear Stearns die vierte internationale Investmentbank, in der Staatsfonds aus Schwellenländern einen Fuß in der Tür haben. und den werden sie kaum höflich zurückziehen, damit diese wieder zugeschlagen werden kann, wenn in der Bank etwas nicht nach ihren Wünschen läuft. Wer das glaubt, gibt sich Illusionen hin.
Kapital ist sehr viel mobiler geworden, der Know-How-Vorsprung im Westen ist auch in der Finanzwelt geschwunden - warum sollen also langfristig die Arbeitsplätze nicht dorthin verlegt werden, wo dieses günstiger zu haben ist - und wo vor allem in den kommenden Jahren die Musik noch viel lauter spielen soll als je zuvor? (vgl. Private-Equity wandert in Schwellenländer ab).
Die Hoffnung spricht für die Aktie
Überdies sieht die Ratingagentur Standard & Poor's die Entwicklungen bei Morgan Stanley dennoch kritisch. Die Abschreibungen bei der Investmentbank seien massiv und in dieser Höhe unerwartet, teilte S&P mit. Das Rating der Bank werde mit 50prozentiger Wahrscheinlichkeit heruntergestuft werden. Nach dem Quartalsergebnis stelle sich S&P die Frage, in welche Richtung Morgan Stanley sich strategisch bewege und welche Risiken die Bank bereit sei zu tragen.
Und günstig bewertet ist die Bank mit prognostizierten Kurs-Gewinn-Verhältnissen von rund sieben für das kommende Jahr auch nur auf dem Papier. Immerhin überschätzten die Analysten den Gewinn je Aktie für das laufende Jahr um mehr als 100 Prozent. Zudem bedeutet die Finanzspritze auch eine Verwässerung der Kapitalbasis.
Wer indes der Überzeugung ist, dass sich die Lage nicht mehr verschlechtern kann, für den bietet sich ja möglicherweise ein Einstieg an - wer in der Bank letztlich das Sagen hat, kann ihm ja gleich sein, solange es gut läuft. Indes spricht die charttechnische Lage nicht unbedingt dafür, die sich auch durch die Erholung vom Mittwoch nicht verbessert hat. Bei 55 Dollar lauern schon die ersten Widerstände und auch RSI und MACD geben nicht unbedingt starke Kaufsignale von sich.
Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.
Text: @mho
Bildmaterial: dpa, FAZ.NET
| Tops & Flops | Kurs | in % |
| Infineon | 3,67 € | +2,51% |
| ThyssenKrupp | 26,00 € | +2,36% |
| Siemens | 62,85 € | +1,83% |
| Salzgitter | 68,46 € | +1,60% |
| SAP | 32,72 € | +1,60% |
| Dt. Boerse | 55,71 € | −0,32% |
| FMC | 37,49 € | −0,58% |
| Daimler | 36,39 € | −0,98% |
| BMW | 31,53 € | −1,31% |
| Volkswagen | 73,79 € | −3,23% |
| Name | Kurs | in % |
| DAX | 5.880,78 | +0,85% |
| TecDAX | 816,72 | +0,17% |
| MDAX | 7.395,68 | +0,03% |
| SDAX | 3.550,59 | −0,13% |
| REX | 378,50 | −0,06% |
| Eurostoxx 50 | 2.900,08 | +1,01% |
| Dow Jones | 10.328,90 | +0,20% |
| Nasdaq 100 | 1.807,36 | +1,64% |
| S&P500 | 1.102,47 | +0,58% |
| Nikkei225 | 10.183,50 | +0,41% |
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