Luxusgüterhersteller

Richemont-Aktie hat ihren Schick noch nicht verloren

21. Januar 2005 Wer in der Luxusgüter-Branche auf Aktien von Richemont setzt, hat die richtige Wahl getroffen. Das Papier hat sich binnen Jahresfrist um mehr als 21 Prozent verteuert und mithin nicht nur den Schweizer Heimatmarkt klar hinter sich gelassen, sondern auch Konkurrenztitel wie Burberry und LVMH abgehängt. Dieser Trend dürfte bis auf weiteres anhalten. Denn die neuesten Nachrichten aus dem Hause Richemont sind geeignet, der Aktie weiteren Rückenwind zu geben.

Der Konzern hat nicht nur seine Erlöse deutlich gesteigert, sondern gleichsam die Erwartungen von Analysten geschlagen. Die Aktie bewegt sich im Aufwärtstrend und ist nach einer leichten Korrektur auf zuletzt 36,85 Franken und 23,90 Euro nur unwesentlich von ihrem Zweieinhalbjahreshoch entfernt. Zudem ist das Papier günstiger bewertet als Konkurrenztitel und dürfte auch deshalb noch Potential haben.

Umsatz um drei Prozent höher als prognostiziert

Der Luxusgüterkonzern Richemont hat im wegen des Weihnachtsgeschäfts wichtigen dritten Geschäftsquartal 2004/05 ein Umsatzwachstum von neun Prozent verzeichnet. Zu konstanten Wechselkursen betrug das Umsatzplus 13 Prozent, wie Richemont am Freitag mitteilte. Richemont rechnet in Euro ab; absolute Umsatzzahlen nennt der Konzern für das Quartal nicht. Von Reuters und Bloomberg befragte Analysten hatten mit einem Umsatzanstieg von rund sechs Prozent und in konstanten Wechselkursen zwischen acht und elf Prozent gerechnet.

Richemont hat von einem starken Vorweihnachtsgeschäft profitiert, wie der Konzern mitteilte. Der Konzern hat unter seinen Marken Cartier und Jaeger-LeCoultre neue Uhrenmodelle auf den Markt gebracht und Geschäfte in China eröffnet, das als der kommende Markt für Luxusgüter angesehen wird: Die Investmentbank Goldman Sachs erwartet in diesem Jahr bei Luxusgütern ein Umsatzplus von zehn Prozent in dem Riesenreich. Richemont stellt zudem Montblanc-Schreibgeräte sowie Lederwaren der Marke Dunhill her.

Deutsche Bank favorisiert Richemont im Luxusgütersegment

Unter Analysten dürfte Richemont für die neuen Zahlen Beifall erhalten. Gut angeschrieben ist der Konzern ohnehin. Seine Aktie wird bei der Deutschen Bank in einem aktuellen Kommentar vor Swatch und Burberry als Favorit im Luxusgütersegment aufgeführt. Die Deutsche Bank erwartet ie Goldman Sachs allgemein ein weiteres gutes Jahr für die Branche. Richemont verbinde zudem ein gutes Ertragswachstum mit der Fähigkeit, die Kosten im Griff zu behalten. Auch traut die Deutsche Bank dem Konzern zu, aktionärsfreundlich mit dem „exzessiven“ Barmittel-Bestand zu haushalten, soll wohl heißen: die Dividende zu erhöhen oder Aktien zurückzukaufen.

Als Kauf sieht auch das Bankhaus Sarasin die Richemont-Aktie an. Sararin erwartet eine Fortsetzung des aus dem starken ersten Geschäftshalbjahr bekannten Trends mit einer besonders guten Entwicklung in Asien. Richemont dürfte zudem von der allgemein starken Nachfrage nach Schweizer Uhren profitieren, meint Analyst Patrick Hasenbühler. Er hat ein Kursziel von 39 Franken gesteckt, während die Deutsche Bank die Aktie mit 37 Franken als fair bezahlt ansieht.

Kurspotential von 17 Prozent gemessen an Konkurrenten-KGV

Ob die Analysten auf breiter Front die sehr guten Umsatzzahlen zum Anlaß nehmen, die Kursziele hochzusetzen, wird sich zeigen. Hasenbühler hat diesen Schritt angekündigt. So hat die Richemont-Aktie ihren Schick noch lange nicht verloren. Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 14,1 ist die günstiger als Burberry (16,1) und LVMH (17,7). Ähnlich bewertet wie diese beiden Titel wäre Richemont erst bei einem Kurs von etwa 44 Franken. Daraus folgt ein Kurspotential von gut 17 Prozent. Aus technischer Sicht eröffnete sich die Notiz bei einem Sprung über das Zweieinhalbjahreshoch neues Kurspotential. Anschließend wäre die aus Zwischenhochs aus dem Frühjahr 2002 resultierende Hürde bei 40,40 Franken die nächste Orientierungsmarke.

Der Chart zeigt den Kursverlauf der Aktie von Richemont.
Der Chart zeigt den Kursverlauf der Aktie von Richemont.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.



Text: @thwi

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