23. April 2004 Für eine faustdicke Überraschung hat DaimlerChrysler in der Nacht zum Freitag mit der Entscheidung gesorgt, nicht an der von Mitsubishi Motors (MMC) geplanten Kapitalerhöhung teilzunehmen sowie die weitere finanzielle Unterstützung für MMC einzustellen.
Für alle Kritiker der sogenannten Welt AG, die nach dem Wunschdenken von DaimlerChrysler-Chef Jürgen Schrempp einen weltumspannenden Automobilkonzern mit verschiedenen Marken beinhaltet, dürfte das eine große Genugtuung sein. Und da die meisten Börsianer zu diesen Kritikern zählen, nachdem die Beteiligungen an Mitsubishi und Chrysler bisher vor allem Probleme bereitet haben, dürfte der Aktienkurs von DaimlerChrysler mit Kursgewinnen reagieren. Der Ausstieg bei Mitsubishi ist definitiv positiv zu werten", sagte ein Händler. Bei einer Teilnahme an der Kapitalerhöhung hätte DaimlerChrysler enorm viel Geld bei Mitsubishi nachschießen müssen.
Aktie von Mitsubishi Motors im freien Fall
Ein Kursdesaster erlebt dagegen die Aktie von Mitsubishi Motors. Nach der Wiederaufnahme des Handels des zuvor ausgesetzten Titels kam es bei sehr hohen Umsätzen zu Kurseinbußen von rund 25 Prozent auf 241 Yen. Der Handel mußte daraufhin wieder gestoppt werden, weil es bei Abschlägen in dieser Größenornung in Japan zu automatischen Handelsbeschränkungen kommt.
Selbst Verluste in dieser Größenordnung überraschen nicht, steht die Zukunft von Mitsubishi Motors nun doch auf des Messers Schneide, auch wenn die Mitsubishi-Gruppe dem Teilbereich weiter seine finanzielle Unterstützung zugesagt hat. Wie ernst die Lage trotzdem ist, zeigt sich an der Entscheidung der Ratingagentur S&P, die Kreditwürdigkeitsnote auf CCC- von BB-, und damit auf Junk-Status zu senken.
Viele Anschlußfragen warten auf ihre Beantwortung
Nachdem die Kernbotschaft bekannt ist, warten die Anleger auf weitere Details. So muß DaimlerChrysler Klarheit darüber schaffen, was mit den an Mitsubishi Motors gehaltenen Anteilen von 37 Prozent passieren und wie es mit der Beteiligung am südkoreanischen Autokonzern Hyundai weitergehen soll. Auch hier mehrten sich zuletzt die Anzeichen für einen Abschied und nach der Entscheidung gegen Mitsubishi macht eine Fortsetzung dieser Beteiligung noch weniger Sinn als vorher.
Zwangsläufig wird sich DaimlerChrysler auch wieder Fragen über die Zukunft der amerikanischen Tochter Chrysler gefallen lassen müssen. Zudem dürften auch die Debatten über die Zukunft von Konzernlenker Schrempp wieder hoch kochen. Der steht wie erwähnt mit seinem Namen für das Konzept der Welt AG, das sich bisher als Milliardengrab erwiesen hat. Obwohl der Vertrag mit den Vorstandsvorsitzenden erst kürzlich verlängert wurde, spricht Heino Ruland, Head of Research beim Finanzdienstleister Steubing AG, das aus, was viele Aktionäre denken: Schrempp ist verantwortlich für die nicht aufgegangene Strategie, die von vorneherein Humbug war, und er hat viel Shareholder Value vernichtet.
Bewertungsüberlegungen dürften Aktienkurs nicht überschäumen lassen
Neben dieser Kritik zeigt sich aber auch Ruland zufrieden mit der jetzt getroffenen Entscheidung. Für den Gesamtkonzern ist das sehr positiv zu werten, lautet sein Fazit. Den Aktienkurs sieht Ruland dabei kurzfristig positiv reagieren. Dafür spreche neben der Tatsache, daß sich das Ziehen der Reißleine selbst kurzfristig kaum negativ auf das Ergebnis auswirken werde, das jetzt geringere Risiko und der klarere Blick in die weitere Zukunft.
Allerdings weist er darauf hin, daß die Bäume nicht in den Himmel wachsen dürften. Schließlich habe die Notiz bereits in den vergangenen Tagen deutlich zugelegt, was mit Blick auf die jetzt bekanntgewordenen Nachrichten Fragen aufwerfe. Außerdem werde ein zu starkes Vorpreschen der Notiz durch Bewertungsüberlegungen behindert, da DaimlerChrysler im Branchenvergleich relativ hoch bewertet sei. Mit Blick auf das Engagement bei Chrysler bezweifelt Ruland im übrigen, daß es auch hier zu einer Trennung kommen könnte. Chrysler wird nicht rückabgewickelt, so sein Fazit.
Der Chart zeigt den Kursverlauf der Aktie von DaimlerChrysler.
Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.
Text: @JüB
Bildmaterial: dpa/dpaweb
| Tops & Flops | Kurs | in % |
| Infineon | 3,39 € | +6,95% |
| Dt. Boerse | 57,85 € | +2,94% |
| Adidas | 35,88 € | +2,34% |
| ThyssenKrupp | 23,70 € | +2,02% |
| SAP | 32,01 € | +1,89% |
| Allianz | 82,85 € | −0,16% |
| Henkel Vz | 32,25 € | −0,46% |
| FMC | 35,36 € | −0,87% |
| Lufthansa | 11,02 € | −0,99% |
| K+S | 37,85 € | −1,94% |
| Name | Kurs | in % |
| DAX | 5.668,35 | +0,98% |
| TecDAX | 760,46 | +1,02% |
| MDAX | 7.282,47 | +1,34% |
| SDAX | 3.484,15 | −0,02% |
| REX | 373,56 | −0,02% |
| Eurostoxx 50 | 2.881,01 | +0,86% |
| Dow Jones | 10.291,30 | +0,43% |
| Nasdaq 100 | 1.782,95 | +0,55% |
| S&P500 | 1.098,51 | +0,50% |
| Nikkei225 | 9.851,30 | −0,21% |
| EUR/USD | 1,5008 | +0,17% |
| Rohöl Brent Crude | 78,11 $ | +0,27% |
| Gold | 1.115,25 $ | +1,25% |
| Bund Future | 121,57 € | +0,06% |
| Gesamt- Index |
Durchschnitt 90 Tage |
Durchschnitt 200 Tage |
|
|---|---|---|---|
Aktien-Index11.11.2009 13:00 |
1361,31 | 1326,77 | 1262,56 |
Performance-Index11.11.2009 17:35 |
299,29 | 293,27 | 274,66 |
Euro-Aktien-Index11.11.2009 17:35 |
143,13 | 137,00 | 125,21 |