Wall Street

Barometer für einen stürmischen Markt

Von Sam Stovall

07. Februar 2008 Der S&P-500 verlor im Januar 6,1 Prozent an Wert und markierte damit den fünftschlechtesten Jahresauftakt seit 1928. Der stärkste Rückgang wurde mit 7,6 Prozent im Januar 1970 erzielt, und bis kurz vor den letzten zwei Handelstagen des diesjährigen Januars sah es so aus, als würden die zunehmenden Sorgen um eine beschleunigte Abschwächung des amerikanischen Wirtschaftswachstums und die in weiten Kreisen vorherrschende Wahrnehmung einer verspäteten Reaktion der Fed zu einem ähnlich dramatischen Kursrückgang führen.

Doch nach der Notzinssenkung um 75 Basispunkte eine Woche vor der regulären Januarsitzung des Offenmarktausschusses der Fed bei gleichzeitiger Ankündigung einer weiteren Senkung um 50 Basispunkte sowie nach besser als erwartet ausgefallenen Zahlen der amerikanischen Auftragseingänge für langlebige Wirtschaftsgüter und dem überraschenden Anstieg des ISM-Index' für das verarbeitende Gewerbe schöpften die Anleger die Hoffnung, dass es mit Zinssenkungen und einem Konjunkturprogramm gelingen könnte, eine Rezession in den Vereinigten Staaten erfolgreich abzuwenden oder zumindest deren Auswirkungen auf ein Minimum zu beschränken.

Ein Blick auf die historische Entwicklung

Glaubt man jedoch dem Wall-Street-Sprichwort „Wie im Januar, so im ganzen Jahr“, dann dürfte der kräftige Aktienkursrückgang im diesjährigen Januar allerdings nach wie vor Anlass zur Sorge geben. Ich erfuhr von dieser Börsenweisheit einst durch den „Wall Street Börsen-Almanach“, der nach Beobachtungen feststellte, dass eine positive Kursentwicklung der Aktienmärkte im Januar üblicherweise mit einer positiven Jahresentwicklung einhergeht, während eine negative Performance im ersten Monat des Jahres für gewöhnlich einen Rückgang für das Gesamtjahr signalisiert.

Seit 1945 beendete der S&P-500 das Jahr nach einem Minus im Januar mit einem Abschlag von durchschnittlich 4,3 Prozent und verzeichnete in 60 Prozent der Fälle einen Rückgang.
Wenn der S&P-500 im Januar jedoch anstieg, dann hielt die Aufwärtsbewegung des Marktes in den darauf folgenden elf Monaten in 85 Prozent der Fälle an und endete mit einem durchschnittlichen Kursplus von 11,6 Prozent - und damit merklich über der vom S&P-500 seit dem Zweiten Weltkrieg in einem Zwölfmonatszeitraum erzielten durchschnittlichen Kurssteigerung von neun Prozent.

Diät-Syndrom

Nach meiner Ansicht geht das „Januar-Barometer“ kausal auf das Anlegerverhalten zurück. Ich denke, dass Anleger in gewisser Weise Menschen ähneln, die sich mit Diäten herumschlagen und den Januar als Neuanfang betrachten. Mit Geldern aus Aktienverkäufen am Ende des alten Jahres und dem Wunsch, von den Steuervorteilen langfristiger Kapitalzuwächse zu profitieren, investieren Anleger vermutlich in Papiere, von denen sie annehmen, dass sie in den kommenden zwölf Monaten Früchte tragen werden. Diese Logik hat sich zwar bewährt, doch wie immer sind Wertentwicklungen in der Vergangenheit keine Garantie für zukünftige Ergebnisse.

Starke Sektor- und Branchenergebnisse

Anleger werden vielleicht überrascht sein, wenn sie erfahren, dass sie noch weitaus mehr Kapital hätten herausschlagen können, wenn sie sich an die drei Sektoren oder die zehn Branchen des S&P-500 gehalten hätten, die im Januar die besten Ergebnisse verbuchten.

Seit 1990 verzeichneten die drei S&P-500-Sektoren mit der besten Wertenwicklung im Januar eine durchschnittliche jährliche Wachstumsrate von 12,4 Prozent in den darauf folgenden zwölf Monaten (Februar bis Januar), während der S&P-500 im gleichen Zeitraum 8,3 Prozent zulegte. Diese drei Sektoren übertrafen den Markt in drei von vier Jahren.

Auf Branchenebene waren die Ergebnisse sogar noch besser. Seit 1970 stiegen die zehn S&P-500-Branchen mit der besten Wertentwicklung im Januar im anschließenden Zwölfmonatszeitraum mit einer durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate von 15,4 Prozent gegenüber 7,6 Prozent des S&P-500 (ohne Dividenden). Darüber hinaus schlug dieses „Januar-Barometer-Portfolio“ der Branchen den Markt in 71 Prozent der Fälle.

Lichtblicke in einem schwierigen Jahr

Im vergangenen Jahr lieferten diese beiden Januar-Barometer-Portfolios gemischte Ergebnisse. Während der S&P-500 vom 31. Januar 2007 bis zum 31. Januar 2008 ohne Berücksichtigung von Dividenden um 4,2 Prozent zurückging, übertraf das Drei-Sektor-Portfolio den S&P-500 mit einem Zuwachs von 0,8 Prozent. Das Januar-Portfolio der zehn besten Branchen sank im gleichen Zeitraum jedoch um 5,9 Prozent.

Im Januar 2008 waren dauerhafte Konsumgüter, Finanzdienstleistungen und Grundstoffe die drei S&P-500-Sektoren mit der besten Wertentwicklung (siehe Infografik). Die zehn besten Branchen des S&P-500 im Januar waren Bildungsdienstleistungen, Kauf- und Warenhäuser, Gold, Innenausstattung, Baumärkte, Wohnungsbau, Inneneinrichtungshäuser, Freizeitartikel, Regionalbanken und Güterkraftverkehr.

Diese Aufzählung zeigt nach meiner Ansicht sehr deutlich, dass die Anleger bei vielen der unlängst stark gebeutelten Branchen des Sektors dauerhafte Konsumgüter von einer starken Erholung im vor uns liegenden Jahr ausgehen.

Fazit: Eine negative Wertentwicklung des S&P-500 im Januar könnte ein schwieriges Jahr signalisieren, während sich bei den Sektoren und Branchen jedoch auch optimistische Tendenzen ausmachen lassen.

Sam Stovall ist Chefstratege von S&P Equity Research Services.



Text: Business Week Online
Bildmaterial: FAZ.NET

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