29. Juni 2005 Fast um 20 Prozent stieg die Aktie von Artnet.com am Dienstag. Über 27.000 Aktien wurden gehandelt - einer der umsatzstärksten Tage der vergangenen zwölf Monate. Offenbar ist der ausgebombte Internet-Wert wieder en vogue. Seit August vergangenen Jahres hat sich der Kurs damit um 335 Prozent auf zuletzt 2,35 Euro nach oben geschraubt.
Neuigkeiten vom Unternehmen gab es keine. Der jüngste Quartalsbericht ist seit vier Wochen Geschichte, und auch auf der Hauptversammlung sind keine spektakulären Neuigkeiten zu erwarten. Zwar soll ein Aktienrückkaufprogramm beschlossen werden, doch der Preis soll nicht mehr als zehn Prozent von dem der vorausgehenden fünf Handelstage abweichen.
Ereignisgetriebener Kurs
Das könnte zwar eine kursstützende Wirkung haben. Zumal sie für zehn Prozent der ausgegebenen Aktien, also rund 560.000 Stück im kommenden Halbjahr gilt. Wird die Option vollständig ausgeübt, würde Artnet börsentäglich rund 4.000 Aktien zurückkaufen - was etwa auf dem Niveau des bisherigen durchschnittlichen Handelsvolumens liegt. Deswegen ist kaum davon auszugehen, daß das Unternehmen in diesem Umfang tatsächlich Aktien ankaufen wird.
Was die Artnet-Aktie triebt, sind weniger fundamentale Neuerungen und Daten, sondern vielmehr Ereignisse. Für den Kursanstieg am Dienstag dürfte die Kaufempfehlung eines umstrittenen deutschen Anlegermagazins verantwortlich sein. Der zuvor letzte Kursschub kam am 16. Juni zustande. Das Plus betrug über 15 Prozent und der Umsatz lag bei über 30.000 Aktien. Tags zuvor hatte im Internet-Diskussions-Forum wallstreet-online ein User namens Keehl eine Kaufempfehlung für Artnet abgegeben.
Mißverhältnis zwischen Umsatz und Bewertung
Begründet wird der Enthusiasmus für Artnet damit, daß die Aktie unterbewertet sei und sich das Umsatzwachstumk beschleunigen könnte. 2004 machte Artnet einen Umsatz von 5,06 Millionen Euro. Das waren zwar 2,1 Prozent mehr als im Jahr 2003, aber immer noch 4,4 Prozent weniger als 2002 und elf Prozent weniger als im Jahr 2001.
Vor allem aber besteht ein gewisses Mißverhältnis zwischen Umsatz und Bewertung. Bei einem Kurs von 2,35 Euro ist Artnet mit 13,3 Millionen Euro und damit mit 261 Prozent des Jahresumsatzes bewertet. Angesichts der Umsatzentwicklung der letzten vier Jahre ist das eine reichlich optimistische Bewertung. Selbst wenn die Wachstumsprognose von 7,2 Millionen Euro für das Jahr 2006 zutreffen sollte, betrüge die Bewertung immer noch 183 Prozent.
Deutscher Kunstmarkt eher trübe
Von einem starken Wachstum des internationalen Kunstmarkts, das in Bezug auf Artnet kolportiert wird, ist nicht nur in den Bilanzen nichts zu sehen. So gilt der Kunstmarkt nicht nur als volatil. Auch die Kunsthändler gaben sich in den letzten Umfragen eher pessimistischer als in den Jahren davor, was das zukünftige Wachstum betrifft. Gerade den deutschen Kunstmarkt, den Artnet, wie Vorstandschef Hans Neuendorf dem betreffenden Anlegermagazin sagte, verstärkt angehen will, bezeichnete der französische Konkurrent Artprice zuletzt als langweilig und trübe. Artnet gibt sich in seinen Geschäftsberichten hinsichtlich der Wachstumsaussichten eher vage. Man strebe nach einer Verbesserung der finanziellen Ergebnisse im Jahr 2005.
Bisher scheint das auch zu gelingen. Gewinne hat Artnet in den vergangenen Jahren zwar keine gemacht. Doch haben sich die Zeiten seit dem Jahr 200 gebessert, als noch ein Verlust von 19 Millionen Euro unter dem Strich stand. Mit einem Minus von rund 560.000 Euro war 2004 auch das bisher beste Jahr. Im ersten Quartal 2005 stand bei einem Umsatzplus von 19 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf 1,4 Millionen Euro immerhin ein Gewinn von 240.637 Euro zu Buche. Dies bedeutet eine Steigerung um zunächst beeindruckenden 285 Prozent. Indes lassen sich von niedrigem Niveau gut hohe Wachstumsraten erzielen.
Optimistisches KGV
Pro Aktie bedeutet dies einen Gewinn von vier Cents. Rechnet man diese auf das Gesamtjahr hoch, wäre Artnet mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 15 bewertet. Angesichts volatiler Märkte, geringer Wachstumsraten der Vergangenheit und der geringen Unternehmensgröße ist diese Bewertung eher optimistisch. Abgesehen davon, stand im ersten Quartal 2004 ebenfalls bereits ein Gewinn in den Büchern - am Ende des Jahres jedoch wieder ein Verlust. Insofern wäre angesichts der fehlenden Historie eher ein Bewertungsabschlag angebracht.
Was indes bei Artnet anstehen könnte, wäre möglicherweise eine Übernahme oder Fusion. Eine entsprechende Ermächtigung zur Verwendung eigener Aktien für diesen Zweck wird der Hauptversammlung vorgelegt werden. Überdies hat Neuendorf Andeutungen gemacht, die sich in dieser Richtung verstehen lassen. So plane man den Markteintritt in Frankreich und vielleicht England und das Wachstum könne sich verdoppeln.
Artprice: Jenseits von Gut und Böse
In Frankreich aber ist die Heimat des Konkurrenten Artprice. Dessen geschäftliche Entwicklung verlief in den vergangenen Jahren ähnlich - auf noch niedrigerem Niveau. Der Umsatz stagnierte bei rund zwei Millionen Euro, die Verluste sanken auf zuletzt ebenfalls zwei Millionen. Der Umsatz stieg im ersten Quartal allerdings um über fünf Prozent.
Dagegen kletterte der Kurs seit Anfang Mai um über das Dreifache von rund drei auf zuletzt 10,34 Euro. Das gibt Artprice eine Bewertung von mehr als dem Zwanzigfachen des Umsatzes.
Ist schon die Bewertung von Artnet zweifelhaft hoch, so bewegt sich die von Artprice jenseits von Gut und Böse. Vor allem aber müßte Neuendorf derzeit sehr tief in die Tasche greifen. Denn bei aller offenkundigen Überbewertung liegt die Marktkapitalisierung von Artnet mit rund 13 Millionen Euro auf einem Viertel des Niveaus von Artprice. Es sind also weder genug Aktien noch liquide Mittel für eine Übernahme vorhanden. Die rund 25 Millionen Euro, die beim Börsengang 1999 vereinnahmt wurden, sind offenbar verbrannt. Die Hälfte davon ging allein im Jahr 2000 drauf.
Vom Kunstmarkt abhängig
Strategisch macht ein Zusammengehen der beiden Firmen natürlich Sinn. Beide Unternehmen sind klein und was die Marktaussichten angeht, muß man die Kirche im Dorf lassen. In vier Jahren haben die Firmen gemeinsam ihren Umsatz nicht vergrößern können. Die Wachstumsraten von Artnet beliefen sich auf durchschnittlich 6,5 Prozent. Denn Internet hin oder her - beide Unternehmen sind Kunsthändler, gleich wie die Vertriebsschiene aussieht. Das bedeutet, daß sie vom Kunstmarkt abhängen - und der bleibt nunmal ein Nischenmarkt, auf dem die Preise stark schwanken und der eine schlechte Konjunkturlage immer spürt.
Charttechnisch haben beide Papiere extremes Rückschlagspotential aufgebaut. Artprice hat die nächste wirksame Untersztützung bei rund drei Euro, Artnet bei etwa 1,40 Euro.
Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.
Text: @mho
| Tops & Flops | Kurs | in % |
| FMC | 35,96 € | +2,10% |
| Infineon | 3,39 € | +1,35% |
| ThyssenKrupp | 23,84 € | +1,23% |
| Beiersdorf | 42,91 € | +1,08% |
| Dt. Post | 12,56 € | +0,97% |
| Salzgitter | 62,03 € | +0,03% |
| E.ON | 26,68 € | −0,41% |
| MAN | 59,18 € | −0,79% |
| Volkswagen | 96,40 € | −1,85% |
| Commerzbank | 6,99 € | −2,58% |
US-Anleihen schließen etwas fester - Hoffen auf niedrige Zinsen
22:21Wall Street schließt freundlich - Niedrigzinspolitik stützt
22:09EUREX/Bund-Futures schließt knapp behauptet
22:07EUREX/DAX-Futures schließen freundlich
22:05XETRA-NACHBÖRSE/XDAX (22 Uhr): 5.695 (XETRA-Schluss: 5.687) Pkt
| Name | Kurs | in % |
| DAX | 5.686,83 | +0,40% |
| TecDAX | 761,43 | −0,15% |
| MDAX | 7.311,23 | +0,19% |
| SDAX | 3.503,06 | +0,39% |
| REX | 373,92 | +0,06% |
| Eurostoxx 50 | 2.883,04 | +0,21% |
| Dow Jones | 10.270,50 | +0,72% |
| Nasdaq 100 | 1.788,61 | +0,44% |
| S&P500 | 1.093,48 | +0,57% |
| Nikkei225 | 9.770,31 | −0,35% |
| EUR/USD | 1,4902 | +0,37% |
| Rohöl Brent Crude | 76,46 $ | −0,40% |
| Gold | 1.107,50 $ | −0,65% |
| Bund Future | 121,42 € | −0,04% |
| Gesamt- Index |
Durchschnitt 90 Tage |
Durchschnitt 200 Tage |
|
|---|---|---|---|
Aktien-Index13.11.2009 13:00 |
1353,22 | 1330,44 | 1264,28 |
Performance-Index13.11.2009 17:35 |
299,37 | 294,10 | 275,13 |
Euro-Aktien-Index13.11.2009 17:35 |
143,15 | 137,56 | 125,49 |