Rohstoffe

Öl und Ölwerte zeigen frische Dynamik

03. Juni 2005 Der Rohstoffboom sorgte im vergangenen Jahren für Furore in den Medien und für steigende Kurse bei den entsprechenden Aktien. Vor allem im Ölbereich. Denn der Ölpreis zog deutlich an und erreichte immer neue Höhen, bevor er zwischenzeitlich zum Teil deutlich korrigierte.

Hintergrund solcher Korrekturbewegungen sind immer wieder einmal Gewinnmitnahmen spekulativer Anleger einerseits. Andererseits kommen zwischendurch auch regelmäßig Überlegungen auf, das Weltwirtschaftswachstum könne schwächer tendieren und indirekt zu einer nachlassenden Nachfrage nach Rohstoffen führen.

Ölpreis hält sich im mittelfristigen Aufwärtstrend

Trotz solcher „Interferenzen“ hat sich der Ölpreis jedoch in seinem mittelfristigen Aufwärtstrend gehalten und zeigt seit Mitte Mai wieder eine gewisse Dynamik nach oben. Alleine am Freitag legt der Endloskontrakt des Brent-Futures etwas mehr als ein Prozent zu auf 52,94 Dollar je Barrel Nordseeöl und liegt damit noch acht Prozent unter seinem im April erreichten Rekordhoch.

Hintergrund sind Befürchtungen, die Nachfrage nach Öl könnte in der zweiten Hälfte des Jahres schneller anziehen als das Angebot, da Raffinerien versuchen werden, genügend Heizöl für den kommenden Winter herzustellen. Dabei spielen auch Wetterprognosen eine Rolle. Manche Meteorologen vermuten, im laufenden Jahr könnten mehr Hurrikane als im vergangenen Jahr auftreten und die Energieversorgung öfter unterbrechen.

Abgesehen von den kurzfristigen Spekulationen spielen die Überlegungen eine Rolle, daß die Nachfrage nach dem begehrten Rohstoff mittel- und langfristig im Trend zunehmen wird, während das Angebot relativ unelastisch bleibt. Es gibt sogar Vermutungen, die großen Felder, die vor allem in Arabien und in Rußland zu finden sind, könnten schon weiter erschöpft sein, als das lange Zeit vermutet wurde. Die Informationslage ist vergleichsweise diffus. Eine gewisse Skepsis kann unter anderem deswegen aufkommen, wenn man die Korrektur Ölreserven von Shell nach unten berücksichtigt.

Gleichzeitig sind in den vergangenen Jahren so gut wie keine neuen größeren Vorkommen entdeckt worden. Denn die Suche wurde lange Zeit auf Grund der lange Zeit tiefen Preise vernachlässigt. Damit stellt sich die Frage, ob es überhaupt noch größere Vorkommen gibt, die entdeckt werden könnten. Dabei richten sich die Blicke unter anderem auch nach Afrika und Südamerika. Aber selbst wenn, so kostet das viel Zeit und auch Geld.

Ölaktien verbuchen selektiv neue Hochs

Das bedeutet: Sollte das Weltwirtschaftswachstum nicht deutlich abflauen, so dürfte die Nachfrage nach Öl im Verhältnis zum Angebot relativ hoch bleiben und damit den Ölpreis nicht nur auf einem relativ hohen Niveau halten, sondern bei „Marktnervositäten“ spekulativ nach oben treiben.

Mittel- und langfristig führt das dazu, daß auf Grund des hohen Preisniveaus nun Vorkommen erschlossen werden können, die sich bisher auf Grund hoher Erschließungs- und auch Verarbeitungskosten nicht rechneten. Dabei handelt sich beispielsweise um riesige Ölsandvorkommen in Kanada.

Der Markt scheint „diese Story“ längst „zu spielen“. Denn mit Husky Energy hat eines jener Unternehmen in den vergangenen Monaten einen Aufwärtstrend etabliert und in den vergangenen Tagen neue Allzeithochs markiert, das genau in diesem Bereich tätig ist. Nicht nur der Trend der Aktie zeigt weiterhin nach oben, sondern mit Kurs-Gewinn-Verhältnissen von 13,2 und 11,4 auf Basis der Gewinnschätzungen für das laufende und das kommende Jahr ist die noch relativ günstig bewertet.

Auch andere Ölwerte wie OMV, Mol, Occidential Petroleum, Sasol, Suncor Energy, ConocoPhillips, Marathon Oil, Petrobras oder auch Imperial Oil verbuchten in den vergangenen zwölf Monaten deutliche Kursgewinne und zeigten in den vergangenen Tagen selektiv wieder frische Dynamik nach oben und zum Teil Rekordkurse. Die Ölrally scheint damit wieder aufzuleben, wenn auch nicht unbedingt bei den bekannten Unternehmensriesen. Anleger scheinen die Aktien genau zu selektieren. Immerhin scheinen sie vereinzelt zumindest mit Blick auf das Ölpreisniveau noch günstig bewertet zu sein.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.



Text: @cri
Bildmaterial: Bloomberg, FAZ.NET

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