Stahlindustrie

Arcelor-Mittal und Salzgitter zeigen sich operativ robust

14. November 2007 Das globale Wirtschaftswachstum sorgte in den vergangenen Jahren in der Stahlbranche zu einem wahren Boom. Er wurde in den vergangenen Monaten zwar immer wieder einmal in Frage gestellt. Bei den Stahlunternehmen jedoch brummt das Geschäft weiterhin.

Das zeigte sich am Mittwoch sowohl an den Umsatz- und Ertragszahlen von Salzgitter, als auch beim Branchenriesen Arcelor-Mittal. Der Salzgitter-Konzern ist nach neun Monaten auf bestem Weg zu einem weiteren Rekordergebnis. Der Stahl- und Röhrenproduzent konnte den Umsatz in der Periode im Vergleich mit dem Vorjahr um 20,8 Prozent auf 7,5 Milliarden Euro steigern, den Gewinn vor Steuern sogar um 48,3 Prozent auf 980 Millionen Euro. Netto ging der Gewinn zwar um knapp 56 Prozent auf 595 Millionen Euro zurück. Allerdings war die Vorjahresperiode von positiven Sondererlösen aus dem Verkauf der Anteile am französischen Röhrenhersteller Vallourec verzerrt worden.

Salzgitter ist vorerst gut ausgelastet

Im Gesamtjahr sei nun ein Zuwachs von 26,6 Prozent beim operativen Gewinn auf 1,2 Milliarden Euro angepeilt, teilte das Unternehmen mit. Im Röhrengeschäft stieg der Außenumsatz in den ersten neun Monaten um 16 Prozent auf 1,3 Milliarden Euro. Die Sparte ist bis weit ins kommende Jahr hinein ausgelastet. Dank des Großauftrages für die Ostsee-Pipeline, den das Gemeinschaftsunternehmen Europipe der Salzgitter AG und der Dillinger Hütte erhalten hat, reiche die Auslastung über 2008 hinaus, teilte Salzgitter mit.

In der Stahlsparte legten die Erlöse dank Preiserhöhungen und einem starken Absatz um 21 Prozent auf knapp 2,2 Milliarden Euro zu. Salzgitter rechnet damit, dass die Hersteller sich in den kommenden Monaten mit der Produktion zurückhalten und sich die hohen Lagerbestände der Kunden normalisieren.

Im Stahlhandel kletterten die Erlöse insbesondere dank des robusten Inlandsgeschäftes um 14 Prozent auf fast 3,3 Milliarden Euro. Die hohe Stahlnachfrage in Deutschland und Europa dürfte Salzgitter zufolge anhalten.

Salzgitter-Aktie im Konsolidierungstrend

So dürfte es kaum verwundern, dass die Aktie am Mittwoch mit Kursgewinnen von bis zu 5,4 Prozent auf knapp 125 Euro auf die Zahlen reagiert. Mit Kurs-Gewinn-Verhältnissen von knapp neun auf Basis der Gewinnschätzungen für das laufende und das kommende Geschäftsjahr ist die Aktie zumindest optisch sehr günstig. Allerdings zeigen diese Zahlen auch, dass der Markt mittelfristig von einer stagnierenden Entwicklung ausgeht. Darauf deutet auf der Chart hin, der nach Kursgewinnen von bis zu 2.600 Prozent vom November des Jahres 2002 bis in den Juli des laufenden Jahres inzwischen deutliche Konsolidierungszeichen ausstrahlt. Der Aufwärtstrend scheint gebrochen zu sein.

Etwas anders scheint des dagegen beim Branchenriesen Arcelor-Mittal auszusehen. Die Aktie legt am Mittwoch 3,7 Prozent auf 50,85 Euro zu und setzt damit ihren mittelfristigen Aufwärtstrend fort. Der weltgrößte Stahlkonzern hat die Gewinnerwartungen im dritten Quartal übertroffen. Der Gewinn vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) stieg pro forma um 4,04 Prozent auf 3,553 Milliarden Euro, wie das Unternehmen am Mittwoch mitteilte. Das Nettoergebnis lag mit 2,155 Milliarden Euro um 25,9 Prozent über dem Vorjahreswert, der Umsatz legte um 7,4 Prozent zu auf 18,58 Milliarden Euro zu. Der Gewinn je Aktie kletterte um 23,4 Prozent auf 1,53 Euro. In der Dollarbilanz sahen die Zahlen aufgrund der Dollarschwäche allerdings eindrucksvoller aus.

Arcelor-Mittal setzt auf seine Größenvorteile

Das in Luxemburg ansässige, jedoch global tätige Unternehmen geht davon aus, auch in den kommenden Jahren weiter wachsen zu können, vor allem in den Schwellenländern. Selbst eine mögliche Fusion zwischen den Minenunternehmen und dominierenden Rohstoffanbietern BHP Billiton und Rio Tinto werde sich verkraften lassen, da Arcelor-Mittal über eigene Ressourcen verfüge. Gegenwärtig könnten 47 Prozent des Erzbedarfs aus eigenen Vorkommen gedeckt werden. Dieser Anteil sollte in den kommenden Jahren sogar auf 75 Prozent steigen, hieß es weiter.

Arcelor-Mittal nutzt seine Größe - es stellt rund zehn Prozent der Weltstahlproduktion her -, um einerseits Skaleneffekte zu erzielen und um andererseits Einkaufsmacht auszuspielen. Die geographische Diversifikation versetzt das Unternehmen in die Lage, eine nachlassende Nachfrage in den Vereinigten Staaten zu kompensieren, wo sich die schwache Baukonjunktur entsprechend bemerkbar macht, und gegen die Konkurrenz aus China mitzuhalten. Das Unternehmen geht davon aus, dass die Stahlnachfrage im kommenden Jahr um knapp sieben Prozent wachsen wird.

Mit Kurs-Gewinn-Verhältnissen von 10,8 und 10,2 auf Basis der Gewinnschätzungen für das laufende und das kommende Geschäftsjahr ist die Aktie noch vernünftig bewertet. Das dürfte der Aktie in einem anhaltend freundlichen weltwirtschaftlichen Umfeld noch eine gewisse Kursphantasie geben. Absicherungsstrategien gegen überraschende Turbulenzen können jedoch nie schaden.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.



Text: @cri
Bildmaterial: FAZ.NET

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