07. November 2005 Wenn eine unerwartet hohe Risikovorsorge bei Anlegern für Übelkeit sorgt, müßte den Aktionären der Aareal Bank gleich zu Wochenbeginn eigentich mächtig der Magen schmerzen. Denn das Wiesbadener Kreditinstitut ist in dieser Hinsicht ein Wiederholungstäter, hat sie doch nicht zum ersten Mal Geld für notleidende Kredite zurückgelegen müssen. Zu allem Überfluß kündigt der Vorstand auch noch eine Kapitalerhöhung an, die durch die Großaktionäre abgedeckt sein soll.
Dergleichen mag die Börse gemeinhin nicht. Mit diesen Nachrichten im Rücken dürfte die Aktie von Montag deutlich unter Druck geraten. Denn das Institut erwischt eben abermals Anleger kalt und dürfte wieder Vertrauen unter Investoren verspielt haben, hieß es folglich vor Beginn des regulären Handels. Und vorbörslich ist der Kurs des Papiers beim Wertpapierhandelshaus Lang & Schwarz um fast vier Prozent tiefer gestellt worden als am Freitag, an dem die Aktie mit einem Plus von gut einem Prozent bei 26,73 Euro aus dem Handel gegangen war.
Doch es ist ganz anders gekommen: Die Aktie hat im frühen Handel um mehr als 5,50 Prozent zugelegt, wobei die Umsätze auffallend hoch sind. Die Gründe mögen eine nachgeschobene Nachricht sein, derzufolge die Bank jeden fünften Arbeitsplatz abbaut, und die Hoffnung, daß der neue Konzernchef Wolf Schumacher nun alle faulen Kredit-Eier im Nest entdeckt und aus demselben geworfen hat.
Risikovorsorge steigt um 159 Millionen Euro
Aufgrund der unerwartet hohen Risikovorsorge für faule Kredite ist das Geldinstitut in den ersten neun Monaten des zu Ende gehenden Jahres tief in die roten Zahlen gerutscht, so daß nun die Börse angezapft werden und frisches Geld aufgenommen werden soll, um die angespannte Kapitalausstattung aufzubessern.
In den ersten neun Monaten ist nach Steuern und Anteilen Dritter ein Verlust von 84 Millionen Euro angefallen, teilte das im Nebenwerte-Index MDax gelistete Unternehmen am Sonntagabend mit. Da der neue Bankchef Wolf Schumacher den Kreditbestand durchforstet habe, sei die Risikovorsorge auf 249 Millionen Euro angehoben worden. Eigentlich hatte das Institut bis September 90 Millionen Euro veranschlagt.
Damit hat die Aareal Bank mit ihren vorläufigen Zahlen die Analystenerwartungen massiv verfehlt. Die Experten hatten der Bank für den Zeitraum Januar bis September einen Gewinn von 42 Millionen Euro zugetraut.
Geschichte wiederholt sich - zum Teil
Bereits 2004 war die Bank nach immer neuen Wertberichtigungen tief in die Verlustzone gerutscht, weshalb der damalige Bankchef Karl-Heinz Glauner seinen Posten räumen mußte. Zur Erinnerung: Im August vergangenen Jahres war die Aareal Bank von der Aussage abgerückt, die Risikovorsorge nicht nochmals erhöhen zu müssen. Daraufhin gab der Kurs der im MDax notierenden Aktie deutlich nach, fing sich aber wieder. Doch wenige Wochen später kam die kalte Dusche für Aareal-Aktionäre: Die Bank mußte auf Druck der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht ihre Risikovorsorge massiv erhöhen. Und auch seinerzeit teilte das Institut gleichzeitig mit, das Grundkapital zu erhöhen. Die Folge: Der Kurs stürzte um rund 25 Prozent ab.
Klar ist: Das auf Basis der bisherigen Analystenschätzungen errechte neutrale Kurs-Gewinn-Verhältnis von 15,1 ist hinfällig. Ob es bei den Prognosen für 2006 bleibt, aus denen ein KGV von knapp zwölf folgt, wird sich weisen. Die Dividende von 32 Cent je Aktie, mit denen Analysten bisher durchschnittlich für dieses Jahr gerechnet hatten, dürfte kaum fließen. Schließlich schreibt die Bank Verluste. Zudem muß die Frage erlaubt sein, ob mit der nun erhöhten Risikovorsorge die Altlasten der Bank wirklich erfaßt sind.
Zinsüberschuß rückläufig
Doch die Aktie wird an diesem Montag nicht abermals so stark verprügelt. Vielmehr ist das Gegenteil der Fall. Marktteilnehmer setzten wohl auf einen Erfolg der Restrukturierung und darauf, daß der neue Chef nun aufgeräumt habe, sagte Jochen Schmitt, Analyst der Landesbank Rheinland-Pfalz, zu FAZ.NET angesichts der merkwürdig anmutenden Kursreaktion. Die Frage ist allerdings, was sich an der operativen Entwicklung ändert.
Auf längere Sicht muß das Haus wieder Gewinne erwirtschaften, denn die wesentliche Grundlage für Kursgewinne sind positive Ergebnisse und ebensolche Überraschungen. Und der Blick auf die operativen Zahlen stellt zumindest Schmitt nicht zufrieden. Die Zahlen vom zweiten Quartal seien schon nicht gut gewesen, und der nun ausgewiesene Zinsüberschuß von 307 Millionen Euro für neun Monate nach 340 Millionen Euro vor einem Jahr stelle ihn auch nicht zufrieden.
Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.
Text: @thwi mit Reuters
Bildmaterial: Aareal Bank, FAZ.NET
| Tops & Flops | +/- | Prozent |
|---|---|---|
| DEUTSCHE POSTBANK AG | +0,89 | +2,10 |
| CONTINENTAL AG INHAB | -0,11 | -0,15 |
| MERCK KGAA INHABER - | -0,78 | -1,03 |
| MAN AG STAMMAKTIEN O | -3,17 | -5,14 |
| THYSSENKRUPP AG INHA | -1,52 | -5,01 |
| DAIMLER AG NAMENS - | -1,76 | -4,24 |
| Name | Punkte | Prozent |
|---|---|---|
| Dax | 6.127,44 | -2,42 |
| TecDax | 761,19 | -4,17 |
| DowJones | 11.220,96 | +0,29 |
| Nasdaq | 2.255,88 | -0,14 |
| STOXX 50 | 3.185,83 | -2,72 |
| Nikkei 225 | 12.212,23 | -2,75 |
| S&P 500 Zert. | 12,28 | -3,08 |
| Euro/Dollar | 1,44 | +0,28 |
| Bund Future | 115,28 | +0,12 |
| Gold | 813,55 | +1,34 |
| Öl | 104,17 | -3,09 |