Von Steffen Uttich
17. Dezember 2007 Niemals zuvor sammelten Unternehmen so viel Geld mit Börsengängen ein wie im laufenden Jahr. Das geht aus einer Übersicht der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young hervor, die am Montag veröffentlicht wurde. Danach lag das Emissionsvolumen schon Anfang Dezember mit 255 Milliarden Dollar höher als das bisherige Rekordvolumen von 246 Milliarden Dollar aus dem Vorjahr. Was die Anzahl der Börsengänge betrifft, bleibt das Jahr 2000 mit 1883 Neuemissionen allerdings weiterhin unübertroffen. In diesem Jahr wurden bis Anfang Dezember 1739 gezählt – immerhin schon zehn mehr als im gesamten Vorjahr.
Getrieben wird die Entwicklung vor allem von dem Börsengeschehen in der asiatisch-pazifischen Region. Dort fand mit 46 Prozent fast die Hälfte der verzeichneten Neuemissionen statt. Ganz vorne liegt der chinesische Aktienmarkt, der mit 227 die meisten Neuzugänge aufweist. Der Markt für Börsengänge ist damit ein Spiegelbild der Kurssprünge an den chinesischen Inlandsbörsen – auch wenn zuletzt die sommerlichen Rekordhöhen etwas außer Reichweite gerieten.
Größter Börsengang des Jahres in Russland
China-Spezialist Arne Tölsner von der Fondsgesellschaft Allianz Global Investors zeigt sich von der Größenordnung wenig überrascht, weil sie auch Teil der Privatisierung von Staatsunternehmen sei. Er geht jedoch auf spürbare Distanz zu den Börsenneulingen: Wir schauen uns vor allem Unternehmen an, die eine Parallelnotierung an den Inlandsmärkten und in Hongkong anstreben.“ Diese Unternehmen würden sich internationalen Standards der Rechnungslegung unterwerfen, was bei Neuemissionen an den Inlandsbörsen nicht immer der Fall sei.
Der größte Börsengang des Jahres stammt allerdings aus Russland. Mit dem Emissionsvolumen von 8 Milliarden Dollar der VTB Bank konnte in diesem Jahr kein anderes Unternehmen mithalten. Die auffallend dynamische Entwicklung der Börsengänge in den Schwellenmärkten zeigt, dass die amerikanische Immobilienkrise in den dortigen Märkten kaum Wirkung gezeigt hat – im Gegensatz zu den Vereinigten Staaten und Westeuropa“, sagt Julie Teigland, Partnerin von Ernst & Young.
Wenig Dynamik in Deutschland
Tatsächlich ist von einer dynamischen Entwicklung auf dem Markt für Neuemissionen hierzulande wenig zu spüren. Vielmehr ging die Anzahl gegenüber dem Vorjahr sogar von 69 auf 44 zurück und enttäuschte damit die zu Jahresbeginn geäußerten Erwartungen. 23 Unternehmen kamen in den stark regulierten Börsensegmenten (Prime und General Standard) auf den Markt, 21 im Entry Standard. Lediglich der Wert der plazierten Aktien blieb mit 7,5 Milliarden Euro auf dem Vorjahresniveau. An diesen Größenordnungen dürfte sich in den letzten Tagen des Jahres nicht viel ändern.
Größter deutscher Börsengang war der Motorenhersteller Tognum im Frühsommer mit einem Volumen von zwei Milliarden Euro. Weltweit kommt er mit umgerechnet 2,7 Milliarden Dollar auf den elften Rang. Auch die Neuemissionen von Hamburger Hafen und Logistik (HHLA) und Gerresheimer lagen über der Milliarden-Euro-Schwelle. Damit vereinen allein diese drei Börsenneulinge mehr als die Hälfte des Emissionsvolumens hierzulande auf sich.
Kursentwicklung der Neulinge enttäuschte
Enttäuschend ist die Kursentwicklung der deutschen Börsenneulinge in diesem Jahr verlaufen. Nur elf von ihnen bescherten ihren Anlegern der ersten Stunde einen Gewinn. Mobotix, ein Hersteller von Videoüberwachungssystemen, verzeichnete dabei mit knapp 80 Prozent den größten Kurssprung. Am anderen Ende findet sich mit dem Computerzulieferer Anycom Technologies ebenfalls ein Wert aus dem Entry Standard, der gegenüber dem Emissionspreis einen Abschlag von 87 Prozent aufweist.
Für das kommende Jahr geht Ernst & Young von einem andauernden Aufschwung bei Börsengängen aus. Die Privatisierungen in Russland und China seien noch nicht abgeschlossen, heißt es zur Begründung. Die interessantesten Neuemissionen seien aus der Rohstoffbranche und dem Infrastrukturgeschäft zu erwarten. Für Deutschland wird eine leichte Zunahme prognostiziert, wobei die erwartete Anzahl mit insgesamt 50 unter dem Wert aus dem Jahr 2006 liegt.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: F.A.Z.
| Tops & Flops | +/- | Prozent |
|---|---|---|
| DEUTSCHE LUFTHANSA A | +0,40 | +2,91 |
| DEUTSCHE TELEKOM AG | +0,15 | +1,36 |
| BAYERISCHE MOTOREN W | +0,26 | +0,87 |
| DEUTSCHE BÖRSE AG NA | -5,49 | -7,74 |
| ADIDAS AG INHABER - | -1,84 | -4,73 |
| INFINEON TECHNOLOGIE | -0,23 | -4,70 |
| Name | Punkte | Prozent |
|---|---|---|
| Dax | 6.304,41 | -1,43 |
| TecDax | 734,85 | -2,73 |
| DowJones | 11.384,21 | +1,36 |
| Nasdaq | 2.294,44 | +2,28 |
| STOXX 50 | 3.287,60 | -1,35 |
| Nikkei 225 | 13.033,10 | -2,45 |
| S&P 500 Zert. | 12,41 | -1,74 |
| Euro/Dollar | 1,57 | +0,30 |
| Bund Future | 112,15 | +0,09 |
| Gold | 922,70 | +0,62 |
| Öl | 142,31 | -0,93 |
Union nimmt Aktienoptionen in den Blick
21:57Im Jahr 2004 habe ich mich dazu herabgelassen
21:56Und ganz wesentlich: Es sollten Lehren aus diesem Fall gezogen
