15. April 2008 Angesichts eines rezessiven Szenarios in den Vereinigten Staaten richtet sich noch mehr Hoffnung als zu vor auf die Schwellenländer und ihre Unternehmen. Man hofft, dass diese sich von den Entwicklungen in Amerika unabhängig machen können und die Weltwirtschaft anschieben können.
Indes deutet die Kursentwicklung einiger Aktien nicht immer darauf hin, dass diese These uneingeschränktes Vertrauen besitze. So ist der Kurs der Zertifikate auf die Aktie der indischen Softwareschmiede Infosys Technologies seit dem Jahresbeginn 2007, als sie ein Fünf-Jahres-Hoch erreicht hatte, gewaltig unter die Räder gekommen. Von 46,80 Euro ging es bis auf 21,10 Euro abwärts und seitdem hat sich die Notierung nur schwach erholen können. Und in Bombay wies die Aktie im vergangenen Jahr die schlechteste Entwicklung im Leitindex Sensex auf.
Guter Geschäftsgang im abgelaufenen Jahr
Das könnte sich nach Vorlage der Zahlen für das im März abgelaufene Geschäftsjahr 2007/2008 ändern. Zumindest legte der Aktienkurs an der Börse in Bombay am Dienstag daraufhin um mehr als vier Prozent zu.
Bei einem Umsatzwachstum von 20,1 Prozent auf 167 Milliarden Rupien (rund 2,63 Milliarden Euro) stieg der operative Gewinn um 19,3 Prozent auf 52,4 Milliarden Rupien (rund 830 Millionen Euro). Der Anstieg des Nettogewinns betrug 20,8 Prozent auf 47 Milliarden Rupien (rund 740 Millionen Euro) bzw. 81,26 Rupien je Aktie (1,28 Euro).
Im vierten Quartal verdiente das Unternehmen fast zehn Prozent mehr wie in der Vorjahresperiode. Wie Indiens zweitgrößter Exporteur von Software-Dienstleistungen am Dienstag mitteilte, stieg der Nettogewinn auf umgerechnet 313 Millionen Dollar und traf damit in etwa die Markterwartungen.
Wachstum durch umstrukturierte Budgets
Auch die Aussichten scheinen günstig.Im kommenden Jahr soll das Wachstum 21 Prozent betragen und der Umsatz eine Rekordhöhe von 202 Milliarden Rupien erreichen. Neue Aufträge für Netzwerke und Call-Center-Software sowie ein Rückgang des Wechselkurses der Rupie gegenüber dem Dollar haben die Sorgen hinsichtlich der Entwicklung von Infosys geringer werden klassen.
Immerhin machte das Unternehmen auch im vergangenen Geschäftsjahr rund 60 Prozent des Umsatzes in den Vereinigten Staaten und 29 Prozent in Europa, lediglich zehn Prozent entfielen auf den Rest der Welt, davon 1,3 Prozent auf den indischen Heimatmarkt.
Der Gewinn je Aktie soll auf 92,312 bis 93,92 Rupien steigen. S.D. Shibulal, Vorstand für das operative Geschäft, setzt dabei nicht zuletzt auf Europa, Diviya Nagarajan, Analyst bei JM Financial Securities, darüber hinaus auch auf die höheren Budgets von Kunden wie Goldman Sachs und American Express. Auch sehe man eine Tendenz trotz insgesamt geringerer IT-Budgets die Ausgaben für ausgelagerte Dienstleistungen zu erhöhen. Zudem will Vorstandschef Amitabh Chaudhry Zukäufe tätigen.
Das Unternehmen kündigte zugleich an, künftig 30 Prozent des Nettogewinns als Dividende auszuschütten. Bislang waren es 20 Prozent. Die Zertifikate legen am Dienstagmorgen um 2,7 Prozent auf 23 Euro zu.
Aktie mit wenig Bewertungsspielraum
Auf Basis der Analystenschätzungen ist die Aktie des Unternehmens mit Kurs-Gewinn-Verhältnissen von knapp 16 für das angebrochenen neue Geschäftsjahr und 14,3 für das kommende Geschäftsjahr zwar nicht überteuert, aber auch nicht eben unterbewertet. Auch die prognostizierte Dividendenrendite liegt mit weniger als zwei Prozent nicht auf üppigem Niveau.
Entscheidend ist, ob sich Infosys einer Rezession in Amerika wirklich so deutlich entziehen kann, wie es derzeit prognostiziert wird und ob der Outsourcing-Trend anhält. Selbst dann aber ist das Wachstum nicht so stark, dass dies neuerliche Höhenflüge in den Bereich von 40 Euro und mehr rechtfertigen würde.
Zunächst einmal müssen die Widerstände im Bereich von 25 Euro überwunden werden. Das allein dürfte schon schwer genug werden, scheint jedoch bei positivem Geschäftsverlauf möglich. Indes dürfte eine Aufwärtsbewegung im Bereich von 30 Euro, der eine starke Widerstandszone darstellt, eine Aufwärtsbewegung angesichts verbleibender konjunktureller Unsicherheiten und einer dann wieder recht anspruchsvollen Bewertung, ein vorläufiges Ende finden.
Auch wenn das Unternehmen die Vorteile der Schwellenländer nutzen kann - aufgrund seiner Größe sind seine Wachstumsmöglichkeiten schon durch Basiseffekte begrenzt. Zwar wären die Raten für ein europäisches oder amerikanisches Unternehmen traumhaft - doch ist eben bereits vieles im Kurs schon enthalten und ein Großteil des vorangegangenen Kurssturzes als Abbau überzogener Erwartungen zu werten.
Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.
Text: mho
Bildmaterial: AFP, F.A.Z.
| Tops & Flops | +/- | Prozent |
|---|---|---|
| VOLKSWAGEN AG STAMMA | +45,13 | +15,20 |
| K+S AKTIENGESELLSCHA | -0,15 | -0,39 |
| MAN AG STAMMAKTIEN O | -0,40 | -1,01 |
| DEUTSCHE BANK AG NAM | -5,99 | -16,08 |
| DEUTSCHE POSTBANK AG | -3,87 | -14,61 |
| INFINEON TECHNOLOGIE | -0,44 | -13,68 |
| Name | Punkte | Prozent |
|---|---|---|
| Dax | 4.544,31 | -7,01 |
| TecDax | 516,75 | -4,81 |
| DowJones | 8.451,19 | -1,49 |
| Nasdaq | 1.649,51 | +0,27 |
| STOXX 50 | 2.421,87 | -7,86 |
| Nikkei 225 | 8.276,43 | -9,62 |
| S&P 500 Zert. | 8,83 | -10,45 |
| Euro/Dollar | 1,37 | +0,49 |
| Bund Future | 114,45 | -0,19 |
| Gold | 861,15 | +1,62 |
| Öl | 76,65 | -7,49 |