17. Oktober 2007 Die Börsen in den Schwellenländern boomen. Auch die indische. Konnte der Sensex seit Jahresbeginn bis zu 36 Prozent zulegen, so kommt es am Mittwoch zu einem Rückschlag. Denn mit Kursverlusten von bis zu 9,15 Prozent reagierten die Anleger so deutlich auf geplante Bestimmungen der Börsenaufsicht, die den Aktienkauf ausländischer Fonds einschränken, dass der Handel vorübergehend sogar ausgesetzt werden musste.
Gleichzeitig fiel auch die indische Rupie vorübergehend deutlich zurück, nachdem sie in den vergangenen Monaten sowohl gegen den Euro als auch den Dollar deutlich und im Trend aufgewertet hatte. Das Securities & Exchange Board of India hatte am Dienstag mitgeteilt es habe die Absicht, den anonymen Handel mit Wertpapieren in Form von so genannten Participatory Notes einzuschränken.
Kapitalzufluss nach Indien soll gebremst werden
Auf diese Weise solle der Kapitalzufluss nach Indien gebremst werden, erklärte Finanzminister Palaniappan Chidambara. Dieser hatte nicht nur die Börsen des Landes ungeachtet der fundamentalen Entwicklung und Bewertung auf immer neue Hochs getrieben, sondern auch die Notenbank zu Interventionen gegen die Aufwertung der Rupie gezwungen. Das hat die Währungsreserven des Indiens in den vergangenen Jahren auf zuletzt 243,5 Milliarden Dollar Anfang Oktober des Jahres 2007 ansteigen lassen, sondern die Folge waren und sind auch inflationäre Impulse.
Solche Maßnahmen sind nicht neu. Vor wenigen Wochen kündigte Thailand ähnliches an, musste allerdings aufgrund der deutlich negativen Reaktion der Finanzmärkte zumindest zu Teilen wieder einen Rückzieher machen. Darauf scheinen die Anleger nun auch in Indien zu spekulieren. Denn die der Sensex erholt sich nach Wiederaufnahme des Handels wieder von seinen Tagestiefs und liegt im späten Handel nur noch mit einem Minus von 1,11 Prozent bei 18.841 Zählern und damit nur entsprechend knapp unter dem noch am Dienstag erreichten Allzeithoch.
Auf diese Weise zeigt sich einmal mehr die robuste Tendenz der Marktteilnehmer, Risiken zu ignorieren. Sie liegen nicht nur der inzwischen hohen Bewertung vieler Aktien in den Schwellenländern, sondern noch deutlicher in den immer ausgeprägter werdenden makroökonomischen Ungleichgewichten, die aufgrund administrierter und damit nicht marktbestimmter Wechselkurse und Produktionsbedingen entstehen. Sie drücken sich in immer größer werdenden Handelssalden und vor allem auch in Form der massiven Währungsreserven aus. Die Ungleichgewichte mögen kurz- und mittelfristig noch größer werden können. Umso deutlicher dürften jedoch schließlich die Reaktionen werden, wenn sie letztlich auf protektionistische Maßnahmen treffen.
Grundsätzlich mögen Bestrebungen, die Kapitalzuströme zu bremsen, logisch erscheinen. Allerdings sind sie das falsche Mittel im Sinne der Marktwirtschaft. Denn wer am internationalen Handel teilnehmen möchte, muss sich letztlich auf dessen Regeln stellen. Und die sehen eben nicht nur Exporte vor, sondern offenen Güter-, Waren- und Kapitalverkehr sowie flexible Wechselkurse. Wer diese ablehnt, wie viele asiatische Staaten das gegenwärtig tun, der braucht sich über die negativen Folgen in Form von spekulativem Druck auf die Währungen und inflationäre Tendenzen nicht zu wundern.
Sensex erholt sich im Tagesverlauf deutlich
Schienen Marktteilnehmer aufgrund ihrer negativen Anfangsreaktion am Mittwoch administrative Eingriffe zu fürchten, so haben im Handelsverlauf rasch wieder Erwartung überhand genommen, es werde schon nicht so dramatisch werden. Nicht anders lässt sich die deutliche Erholung des Sensex im Tagesverlauf erklären. Einzelne Werte die die der Tata Consultancy, Satyam Computer oder auch Infosys Technologies liegen sogar im Plus. Kein Wunder, denn sie sind stark vom Geschäft im Ausland abhängig und würden damit von der gebremsten Aufwertung der indischen Währung in dem Sinne profitieren, dass die Umrechnungsverluste in den Bilanzen nicht mehr so stark zunehmen würden, wie in den vergangenen Monaten.
Der Grund für die Rally an den Schwellenländerbörsen liegt nicht nur in den dort erzielbaren Wachstumsraten, sondern auch in der inflationären Geldpolitik der Vereinigten Staaten. Zinssenkungen und anhaltende Zinssenkungsphantasien treiben die Anleger auf der Suche nach attraktiven Renditen in andere Märkte. Gleichzeitig ist die amerikanische Geldpolitik völlig ungeeignet für Wachstumsregionen, obwohl sie über die vielfach direkt oder indirekt gebundenen Währungen auch dort wirkt.
Fakt ist, dass die Anleger kurzfristig mit hoher Wahrscheinlich weiterhin auf die anhaltenden Aufwärtstrends setzen werden. Die Risiken nehmen mit steigenden Kursen und aufgrund der wachsenden Ungleichgewichte und ihren Folgen immer mehr zu. Das sollten sich Anleger bewusst machen und sich entsprechend positionieren.
Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.
Text: @cri
Bildmaterial: AP, Bloomberg, FAZ.NET, IMF