Von Norbert Kuls, New York
09. Januar 2008 Trotz der Kursturbulenzen in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahres haben amerikanische Aktiengesellschaften 2007 Dividenden in Rekordhöhe gezahlt. Nach Einschätzung des Finanzinformationsdienstes Standard & Poor's (S&P) werden die Dividendenzahlungen auch in diesem Jahr weiter steigen. Allerdings stehen wegen der fortdauernden Hypothekenkrise die Ausschüttungen bei zahlreichen Finanzdienstleistern in Frage.
Eine kontinuierliche Erhöhung von Dividenden gilt als Stützungsfaktor für den Aktienmarkt, weil das Investoren eine robuste Gewinnentwicklung der Unternehmen signalisiert. Nach Angaben von S&P haben die im breitgefassten amerikanischen Aktienindex S&P-500 abgebildeten Unternehmen 2007 ihre Dividendenausschüttungen gegenüber dem Vorjahr um 11,5 Prozent auf rund 246 Milliarden Dollar angehoben. Auch für 2008 prognostiziert S&P einen Anstieg der Dividenden um 9,3 Prozent. Obwohl wir uns wegen der Verschlechterung im Finanzsektor Sorgen machen, glauben wir, dass die überwiegende Mehrheit der Unternehmen im S&P-500 ihre lange Tradition von Dividendenerhöhungen im Jahr 2008 fortsetzen wird, sagte Howard Silverblatt, Analyst bei S&P.
Bangen um die Citigroup
Finanzwerte stehen an der Wall Street wegen der Hypothekenkrise unter Druck. Gestiegene Zahlungsausfälle besonders im Bereich von Subprime-Hypotheken, also bei Darlehen für wenig kreditwürdige Hauskäufer, hatten zu hohen Wertberichtigungen bei zahlreichen Finanzinstituten geführt. Die Kreditinstitute müssen deswegen ihre Kapitalausstattung erhöhen. Die Kürzung der Dividende ist eine von mehreren Möglichkeiten, um dieses Ziel zu erreichen. Die großen Immobilienfinanzierer Freddie Mac und Fannie Mae hatten Ende des vergangenen Jahres bereits ihre Dividenden gekürzt. Auch die große Sparkasse Washington Mutual, die stark im Hypothekengeschäft engagiert ist, hatte sich Anfang Dezember für eine Reduzierung der Dividende entschieden, um Barmittel zu sparen.
Zahlreiche Fachleute befürchten auch eine Dividendenkürzung beim größten amerikanischen Finanzdienstleisters Citigroup. Die von der Hypothekenkrise stark betroffene Citigroup sagt bisher, dass es dafür keine Pläne gibt. Die Bank hatte jüngst eine Kapitalspritze in Höhe von 7,5 Milliarden Dollar von der Investmentbehörde des arabischen Emirats Abu Dhabi erhalten.
Banken sind eine beständige Quelle
Finanzaktien, die rund 20 Prozent des Marktwertes im S&P 500 repräsentieren, galten für Anleger bisher als beständige Quelle für Dividendenzahlungen. Nach Angaben von S&P entfallen rund 30 Prozent der gesamten Dividendenzahlungen im S&P 500 auf Banken. Zudem hatten die Finanzinstitute im Vergleich zu anderen Unternehmen bisher die stärkste Tendenz, Dividenden zu erhöhen, sagt Analyst Silverblatt.
Der starke Rückgang der Aktienkurse bei den Finanzwerten hat den Effekt, dass deren Dividendenrenditen stark gestiegen sind. Die Dividendenrendite errechnet sich, indem man die Dividende je Aktie durch den Aktienkurs dividiert. Nach Angaben der Analystin Diane Merdian vom Wertpapierhaus Keefe Bruyette & Woods befinden sich die Dividendenrenditen von Banken im Vergleich zur durchschnittlichen Dividendenrendite des S&P 500 nahezu auf Rekordniveau. Allein die Citigroup kommt auf eine Dividendenrendite von rund 8 Prozent - sofern sie die Ausschüttung nicht verringert. Das übertrifft auch die Rendite amerikanischer Staatsanleihen mit einer Laufzeit von zehn Jahren, die aktuell bei 3,8 Prozent liegt.
Fachleute warnen trotz dieser hohen Renditen zur Vorsicht, auch wenn es bekannte Anlagestrategien gibt, die auf Titel mit hohen Dividendenrenditen setzen. Eine dieser Strategien, die Dogs of the Dow, sieht vor, dass Anleger am Anfang eines Jahres die zehn Titel im Dow-Jones-Index mit den höchsten Dividendenrenditen kaufen. Das basiert auf der Überlegung, dass Unternehmen, die trotz starken Rückgangs des Aktienkurses eine hohe Dividende zahlen, gute Chancen auf eine Erholung haben. Die Gefahr von Dividendenkürzungen bei Banken macht die Entscheidung für Anleger allerdings schwierig. Ich würde die Citigroup-Aktie heute nicht kaufen und mich nicht auf die aktuelle Dividendenzahlung verlassen, sagte Josh Peters, Analyst beim Fondsinformationsdienst Morningstar.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: F.A.Z.
| Tops & Flops | +/- | Prozent |
|---|---|---|
| INFINEON TECHNOLOGIE | +0,20 | +4,04 |
| BAYER AG INHABER - A | +1,33 | +2,47 |
| THYSSENKRUPP AG INHA | +0,56 | +1,77 |
| MUENCHENER RUECKVERS | -14,20 | -12,20 |
| ALLIANZ SE VINK.NAME | -9,09 | -7,95 |
| COMMERZBANK AG INHAB | -1,67 | -7,54 |
| Name | Punkte | Prozent |
|---|---|---|
| Dax | 6.341,30 | -1,54 |
| TecDax | 713,89 | -1,07 |
| DowJones | 11.349,28 | -2,43 |
| Nasdaq | 2.280,11 | -1,97 |
| STOXX 50 | 3.303,44 | -1,52 |
| Nikkei 225 | 13.334,76 | -1,97 |
| Euro/Dollar | 1,57 | +0,26 |
| Bund Future | 111,45 | +0,46 |
| Gold | 932,02 | +0,47 |
| Öl | 124,98 | -1,22 |
