Gastkommentar

Zehn Aktien-Favoriten für das Neue Jahr

Von John Dorfman, Bloomberg News

05. Januar 2004 Meiner Tradition zum Jahresanfang folgend, möchte ich Ihnen meine zehn Aktienfavoriten für das Jahr 2004 vorstellen. Die Auswahl ist alphabetisch geordnet. Alle genannten Titel halte ich entweder im Auftrag meiner Klienten oder in den meisten Fällen auch für mich selbst. Daher ist auch mein persönliches Interesse entsprechend groß.

Allied Domecq. Zur Unternehmensgruppe zählen große Spirituosenmarken wie Beefeater, Ballantine's, Courvoisier und Canadian Club. Außerdem betreibt das Unternehmen die Dunkin' Donuts- und die Baskin-Robbins-Doughnut- und Eiscremeketten. Die Allied Domecq-Aktie halte ich in erster Linie wegen ihrer ansprechenden Dividendenrendite in Höhe von 4,5 Prozent. Außerdem gefällt mir die Zusammenstellung der soliden Markennamen sowie das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 13.

Devon Energy. Erdgastitel gebe ich derzeit den Vorzug, denn meiner Ansicht nach dürfte Amerika in den kommenden Jahren Engpässe im Erdgasangebot erfahren. Bereits in den vergangenen drei Jahren haben verstärkte Bohrungen zu weniger Gas geführt als in den Vorjahren. Im letzten April hat das Unternehmen Ocean Energy übernommen. Diese Akquisition bewerte ich als positiv.

Electronic Data Systems ist für wertorientierte Anleger der richtige Titel in Sachen Technologie. Das Unternehmen ist weltweit der zweitgrößte Anbieter von Computerdienstleistungen. Die Aktie wird mit einem KGV von 22 gehandelt - das damit höher ausfällt, als was ich üblicherweise ausgebe, aber im Vergleich zu anderen Technologiewerten ist die Bewertung niedrig. Die Dividendenrendite beträgt 2,5 Prozent, das Kurs-Umsatzverhältnis (KUV) liegt bei 0,55.

General Dynamics ist ein diversifizierter Konzern im Verteidigungssektor und stellt angefangen bei Panzern bis hin zu U-Booten so gut wie alles her. Das ist auch der Hauptgrund, warum ich diese Aktie mag. Ich denke, es besteht in den Vereinigten Staaten zwischen beiden Parteien der Konsens, daß die Verteidigungsmittel des Landes erhöht werden müssen. Mit einem KGV von 18 ist die Aktie nicht wirklich preiswert, aber auch nicht ausgesprochen teuer. In den vergangenen fünf Jahren hat das Unternehmen eine durchschnittliche jährliche Gewinnwachstumsrate von 23 Prozent erreicht. General Dynamics stand auch auf meiner Favoritenliste des Jahres 2003 und hat sich mittelmäßig entwickelt. Der Zuwachs betrug bis zum 26. Dezember 2003 rund 15 Prozent, der Standard & Poor's Aktienindex hat im Vergleich 26 Prozent zugelegt, einschließlich Dividenden.

InVision Technologies stellt Geräte zum Aufspüren von explosiven Stoffen oder Drogen -
meist in Gepäckstücken am Flughafen - her. Die Aktie des Unternehmens ist im Allgemeinen eher unbeliebt. Im Jahr 2002 hat das Unternehmen einen Gewinn von 78 Millionen Dollar und damit etwa das Zehnfache des Vorjahresgewinns erzielt, nachdem die amerikanische Regierung nach den Terroranschlägen des elften Septembers 2001 allen Flughäfen des Landes vorgeschrieben hatte, solche Geräte anzuschaffen. Zum Nachteil von InVision sind nun viele Airports für die nächste Zeit bestens ausgerüstet. Daher sind auch viele Analysten der Überzeugung, daß InVision frühestens 2005 noch einmal solch ein Jahr wie 2002 erleben wird. Ich empfehle diese Aktie dennoch, denn mit einem KGV von sechs und einem KUV von eins sind diese schlechten Nachrichten bereits eingepreist. Jede positive Überraschung würde den Kurs also unterstützen.

Auch Merck & Co. ist bereits auf meiner Empfehlungsliste 2003 aufgetaucht und hat sich leider schlecht entwickelt. Bis zum 26. Dezember 2003 hat die Aktie eine Einbuße von 13 Prozent verkraften müssen. Das Pharmaunternehmen verfügt derzeit nur über fünf Präparate, die sich in Phase-III-Untersuchungen befinden. Trotz der spärlicher als gewöhnlich ausfallenden Pipeline bin ich jedoch der Überzeugung, daß Merck seinen Ruf als erfolgreiche Forschungsschmiede wirklich verdient hat. Mit einem KGV von 14 ist der Titel ein Schnäppchen. Die Dividendenrendite beträgt 3,3 Prozent.

Nacco Industries stellt Gabelstapler und Mischkohle her und verkauft unter den Markennamen Hamilton Beach und Proctor-Silex Kleingeräte. Alle drei Geschäftsfelder sollten von dem für 2004 erwarteten Wirtschaftsaufschwung profitieren können. Die Nacco-Aktien erscheint in Anbetracht ihres KGV von zwölf und dem KUV von 0,28 günstig. Obwohl das Unternehmen einen Umsatz von 2,5 Milliarden Dollar vorzuweisen hat, wird sie von keinem Analysten beobachtet - wahrscheinlich da das Unternehmen weder Fisch noch Fleisch zu sein scheint.

Oshkosh Truck stellt Feuerlöschfahrzeuge, Militärtransporter, Zementmischer, Müllabfuhr- sowie Schneeräumfahrzeuge her. In der letzten Zeit war der Bereich Militärfahrzeuge am erfolgreichsten, aber ich bin genauso von den Aussichten für die Sparte Feuerwehrautos überzeugt. Seit ich Oshkosh Truck in meine Favoritenliste 2002 aufgenommen habe, ist die Aktie um 95 Prozent gestiegen. Das KGV beträgt 25. Zudem wird der Titel immer noch mit einem KUV von weniger als eins gehandelt.

St. Mary Land & Exploration ist eine unabhängige Energiegesellschaft, die größtenteils in den Rocky Mountain-Staaten, Texas, Oklahoma sowie am Golf von Mexiko Erdgas fördert und produziert. Der Marktwert des Unternehmens liegt bei rund 900 Millionen Dollar und ich bin sicher, daß institutionelle Anleger gerade damit beginnen, St. Mary für sich zu entdecken. Mir gefällt vor allem das diversifizierte Grundbesitzportfolio. Außerdem ist die Aktie mit einem KGV von 13 vernünftig bewertet.

Sanderson Farms ist allein im Monat Dezember (bis 26.12.) um 26 Prozent gestiegen, was größtenteils auf die Nachricht zurückzuführen war, daß in den Vereinigten Staaten ein BSE-Fall aufgetreten ist. Der Hersteller von Hühnerfleisch könnte von diesem Vorkommnis profitieren, falls die Konsumenten nun statt Rindfleisch verstärkt Geflügel kaufen. Meiner Ansicht nach ist die Angst vor Rinderwahnsinn übertrieben, aber mir gefallen vor allem auch die Fundamentaldaten von Sanderson. Selbst nach dem Sprung im Dezember wird die Aktie zu einem KGV von elf und einem KUV von 0,65 gehandelt.

Meine „Liste der zehn Favoriten für das Neue Jahr“ habe ich 2001 erstmals erstellt. Bis heute ist meine Performance allerdings eher mittelmäßig ausgefallen. Die 2001er Liste hat den Standard & Poor's 500 Aktienindex zwar geschlagen, aber die 2002er Liste entwickelte sich leider zum Flop. Die Liste des Jahres 2003 konnte bis zum 26. Dezember 2003 einen Gewinn von 17 Prozent verbuchen, während der S&P 500 um 27 Prozent zugelegt hat.

Eine Sache verdient allerdings Beachtung: Die 2001er Liste ist in diesem Jahr (bis 26. Dezember 2003) um 59 Prozent gestiegen und die 2002er Liste sogar um fast 90 Prozent. Damit dürfte klar sein, daß einige der ausgebrannten Wertaktien, die ich bevorzuge, mehr als ein Jahr benötigen, um sich bezahlt zu machen.

Text: Bloomberg

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