Der Entry Standard sorgte in seinem ersten Jahr nicht gerade für Begeisterung, viele Aktien sorgten vielmehr für herbe Enttäuschungen. Eine der wenigen Ausnahmen ist die Aktie der Bavaria Industriekapital, einer Beteiligungsgesellschaft aus München.
Kurz nach dem Börsengang zu Jahresbeginn sank der Kurs auf 26,60 Euro, danach ging es aber im Trend steil nach oben, wenn auch volatil. Anfang November übersprang der Kurs kurzzeitig die Marke von 50 Euro, konnte dieses Hoch bisher aber nicht bestätigen. Am Donnerstag ging die Aktie bei 48,40 Euro aus dem Xetra-Handel (Isin DE0002605557).
Am Freitag morgen sorgten gute Geschäftszahlen für Auftrieb, im Frankfurter Handel ging es in den ersten Minuten um 2,7 Prozent nach oben auf 49,80 Euro. Ein neues Hoch ist also in Sichtweite. Schließlich gibt es an der jüngsten Ad-hoc-Meldung nichts zu meckern: Der Konzernumsatz stieg nach Unternehmensangaben vom Donnerstag in den ersten neun Monaten des Jahres um rund 150 Prozent auf 207,5 Millionen Euro. Das operative Ergebnis (Ebitda) schnellte um 225 Prozent nach oben auf 30,4 Millionen Euro. Der Jahresüberschuß betrug zum 30.9. 17,9 Millionen Euro, dies entspricht 8,13 Euro je Aktie nach 3,96 Euro im Gesamtjahr 2005.
Im Ergebnis sind Erträge aus der Auflösung von Unterschiedsbeträgen aus der Kapitalkonsolidierung in Höhe von Euro 8,0 Millionen und Aufwendungen für den Börsengang enthalten, heißt es in der Ad-hoc-Meldung weiter. Durch den starken Cash Flow seien die Netto-Finanzmittel, also Bankguthaben minus Bankschulden, im dritten Quartal auf 43,3 Millionen Euro gestiegen nach 16,3 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum.
Der Grund für den starken Ertragszuwachs ist die Vollkonsolidierung der Kienle+Spiess GmbH, die im vorherigen Quartal nur anteilig enthalten war, sowie die sehr gute Entwicklung unserer Anlagenbauer, läßt sich Finanzvorstand Robin Laik in der Meldung zitieren. Wir erwarten einen weiteren Ergebniszuwachs im traditionell starken vierten Quartal.
Bavaria Industriekapital ist eine industrielle Holding mit mehr als 3.000 Mitarbeitern. Sie erwirbt nach eigenen Angaben Beteiligungen an Unternehmen mit starker Marktstellung, die sich in einer Umbruchsituation befinden - dazu zählen laut Bavaria Strategiewechsel, eine ungeregelte Unternehmensnachfolge oder Ertragsschwäche.
Im aktuellen Portfolio finden sich vor allem Anlagenbauer und Automobilzulieferer. Die Stellenangebote zeigen, daß das Unternehmen weiter wachsen will: Die Münchner suchen Beteiligungsmanager, Turnaround-Spezialisten und Fertigungsleiter.
Nach dem KGV-Kriterium sieht die Aktie trotz der jüngsten Kurssteigerung unschlagbar günstig aus: Auf Basis des vorgelegten Neunmonats-Gewinns beträgt das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) nicht einmal sechs, bezogen auf das Gesamtjahr dürfte es demnach noch geringer ausfallen.
Allerdings muß Anlegern klar sein, daß das KGV bei Beteiligungsgesellschaften stark schwanken kann: Ein erfolgreicher Verkauf spült auf einmal viel Geld in die Kasse, zudem treiben die Unterschiedsbeträge aus der Kapitalkonsolidierung den Gewinn. Der Gewinn ist dann zumindest zum Teil buchhaltungstechnisch bedingt und findet nicht unbedingt eine Entsprechung im operativen Geschäft (siehe für eine ausführlichere Erläuterung auch: Arques-Aktie ist nichts für konservative Anleger).
Für Bavaria spricht allerdings, daß die Unterschiedsbeträge nicht einmal die Hälfte des Nettogewinns ausmachen und das Unternehmen auf einen hohen Cash Flow verweisen kann - hier steckt also weit mehr dahinter als ein reiner Buchgewinn.
Zudem hat die Hauptversammlung Anfang September die Zahlung einer Dividende von 0,98 Euro je Aktie beschlossen. Das entspricht trotz der jüngsten Rally einer Dividendenrendite von immerhin zwei Prozent.
Das Management versteht offensichtlich sein Geschäft und kann Industrieunternehmen mit Problemen wieder auf die Beine und zurück zur Profitabilität helfen. Die Chancen auf einen weiterhin steigenden Kurs sollten gut stehen. Für nervöse Anleger sind Aktien von Beteiligungsunternehmen aber nichts, denn die Risiken sind nicht zu unterschätzen.
Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.
Text: @bemi
Bildmaterial: FAZ.NET
| Name | Kurs | in % |
| DAX | 6.012,31 | −0,20% |
| TecDAX | 823,90 | −0,87% |
| MDAX | 7.987,22 | −0,36% |
| SDAX | 3.794,33 | −0,30% |
| REX | 382,47 | +0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.913,74 | −0,60% |
| Dow Jones | 10.779,20 | +0,42% |
| Nasdaq 100 | 1.943,94 | +0,40% |
| S&P500 | 1.165,82 | −0,03% |
| Nikkei225 | 10.744,00 | −0,95% |
| EUR/USD | 1,3614 | +0,04% |
| Rohöl Brent Crude | 81,20 $ | −0,34% |
| Gold | 1.122,75 $ | +0,09% |
| Bund Future | 123,02 € | −0,12% |
Wirrnis und Wahrheit um die Spekulation
So spekuliert man gegen Griechenland
Eine Gewinnerstrategie für Zickzack-Börsen
Ertrag lokaler Anleihen hängt am Wechselkurs
Shortselling für Anfänger
| Gesamt- Index |
Durchschnitt 90 Tage |
Durchschnitt 200 Tage |
|
|---|---|---|---|
Aktien-Index18.03.2010 13:00 |
1405,63 | 1360,17 | 1332,84 |
Performance-Index18.03.2010 17:35 |
311,50 | 301,18 | 294,62 |
Euro-Aktien-Index18.03.2010 17:35 |
143,46 | 141,56 | 137,36 |