Aktienmarkt-Analyse

Der ATX liefert 2007 bisher nur Hausmannskost ab

17. Juli 2007 Der ATX hat beim aktuellen Stand von rund 4.894 Punkten in diesem Jahr bisher um knapp zehn Prozent zugelegt. Das ist zwar eine solide Vorstellung des an der Wiener Börse richtungsweisenden Aktienindex, aber anders als in den meisten Jahren davor im Vergleich mit den anderen westeuropäischen Börsen nicht mehr Spitze (zur Erninnerung: Seit Ende 2002 hat sich der Wert der vom Index präsentierten Aktien mit einem Plus von 335 Prozent mehr als verdreifacht). Damit hat sich die an dieser Stelle schon Ende 2006 unter dem Titel „Wunderdinge dürfen von der Wiener Börse nicht mehr erwartet werden“ vermutete Entwicklung bisher bestätigt.

Auch für den Rest des Jahres dürfen vom ATX zwar weitere Gewinne erwartet werden, aber keine Spitzenleistungen. Der Markt ist nach den überragenden Gewinnen der Vorjahre ganz einfach reif für eine gewisse Verschnaufpause. Die Börse scheint zudem etwas überkauft zu sein und auch die Stimmung unter den Anlegern ist bereits etwas zu optimistisch, was bekanntlich oft als Kontraindikator zu werten ist. Laut einem Investmentbarometer von JPMorgan Asset Management sind österreichischen Privatanleger derzeit so optimistisch wie noch nie: Mit Ende des zweiten Quartals 2007 waren demnach 77 Prozent der Befragten davon überzeugt, dass der Aufwärtstrend des ATX weitergehen wird. Die Anzahl der Pessimisten sinkt gleichzeitig auf einen historischen Tiefstwert und hat sich von 16,3 Prozent auf 7,3 Prozent halbiert.

Moderate Bewertung - Optimismus etwas zu groß

Trotz der aus diesem positiven Stimmungsbildes resultierenden Warnsignalen scheint die Hausse aber trotzdem noch nicht stark gefährdet zu sein. Denn die Unternehmensergebnisse sind in den vergangenen Jahren ähnlich schnell gestiegen wie die Kurse. Ablesen lässt sich das am Kurs-Gewinn-Verhältnis. Basierend auf den Prognosen der Erste Bank ist das Kurs-Gewinn-Verhältnis für den ATX in diesem Jahr auf 14,4 und für 2008 auf 12,4 zu veranschlagen. Das ist relativ moderat und auch akzeptabel gemessen an den erwarteten durchschnittlichen Gewinnsteigerungen von 4,8 Prozent in diesem und 15,9 Prozent im kommenden Jahr.

Zu ähnlichen Schlüssen kommt auch die Unicredit (CA IB). Dort wird mit einer Steigerung der Unternehmensgewinne von 4,5 Prozent im Jahr 2007 und von 17 Prozent in 2008 gerechnet. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis für den ATX wird auf dieser Basis für 2007 auf 15,2 und für 2008 auf 12,9 beziffert. Unter dem Strich sei auf Sicht von zwölf Monaten ein Anstieg des ATX auf 5.350 Punkten denkbar, so die Prognose der Unicredit (CA IB)

Osteuropa-Phantasie zieht noch immer

Ein wichtiger Antiebsfaktor für die Wiener Börse bleibt, wie schon in der Vergangenheit, die stärke Präsenz der österreichischen Unternehmen auf den Wachstumsmärkten in Zentral- und Osteuropa. Dazu muss man wissen, dass „95 Prozent der ATX-Unternehmen in der Region Zentral- und Südosteuropa engagiert sind, wo sie einen guten Teil ihrer Gewinne erzielen“, wie Vorstandsmitglied Heinrich Schaller von der Wiener Börse erklärt. Auch die deutlich höhere Verzinsung von österreichischen Aktien gegenüber dem langfristigen Ende des Rentenmarktes (10-Jahresrendite) sprechen laut Erste Bank für Dividendenpapiere. Den Berechnungen zufolge gibt es derzeit einen positiven Spread für Aktien in Österreich von 240 Basispunkten.

Da die Wiener Börse zwar immer noch gut läuft, aber derzeit nicht mehr besser abschneidet als andere Märkte, kommt es stärker als bisher auf die richtige Auswahl der Einzelaktien an. Diesbezüglich lassen sich auf dem Kurszettel einige interessante Kandidaten finden. Von der Erste Bank werden beispielsweise unter anderem die Werte A-TEC, Immoeast, Intercell und Österreichische Post, auf das Favoritenschild gehoben. Die Hauptempfehlungen der RCB sind derzeit Voestalpine, AT&S und Uniqa. Bei der Unicredit (CA IB) nennen die Analysten als Topempfehlungen KTM, Mayr-Melnhof, SBO, Voestalpine, Wienerberger und Zumtobel.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.



Text: @JüB
Bildmaterial: FAZ.NET

 
Tops & Flops+/-Prozent
INFINEON TECHNOLOGIE +0,19 +3,93
BAYER AG INHABER - A +1,35 +2,50
THYSSENKRUPP AG INHA +0,56 +1,77
MUENCHENER RUECKVERS -14,11 -12,12
ALLIANZ SE VINK.NAME -9,15 -8,00
COMMERZBANK AG INHAB -1,70 -7,68
NamePunkteProzent
Dax 6.341,30 -1,54
TecDax 713,89 -1,07
DowJones 11.349,28 -2,43
Nasdaq 2.280,11 -1,97
STOXX 50 3.303,44 -1,52
Nikkei 225 13.334,76 -1,97
Euro/Dollar 1,57 +0,26
Bund Future 111,45 +0,46
Gold 932,02 +0,47
Öl 124,98 -1,22
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