Immobilienbanken

Aktie der Aareal Bank kämpft mit Widerständen

01. April 2004 Mit Kursgewinnen von bis zu 228 Prozent hatte sich die Aktie der Aareal Bank in den vergangenen Monaten von ihrem Tief im März des vergangenen Jahres bei 8,70 Euro erholt. In den vergangenen Wochen hatte die Dynamik nicht nur nachgelassen, sondern das Papier verharrte in einer Seitwärtsbewegung zwischen 23 und 28,60 Euro, mit der auch der kurzfristige Aufwärtstrend wieder zunichte gemacht wurde.

Zu dieser Entwicklung dürften auf der einen Seite Gerüchte und Berichte beigetragen haben, nach denen die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht die Aareal-Bücher prüfe in Verbindung mit Vermutungen, die Risikovorsorge des Unternehmens sei zu gering. Dieser Vorgang wurde nach einem kommunikativen Mißgeschick bestätigt allerdings mit dem Hinweis, daß die Bank die Prüfung selbst veranlaßt habe.

Erhöhte Risikovorsorge führt zu deutlichem Gewinnrückgang

Nun sind die Fakten auf dem Tisch: Das Unternehmen hat im vergangenen Jahr wegen einer mehr als verdoppelten Risikovorsorge für faule Kredite ihr ursprüngliches Gewinnziel deutlich verfehlt. Die Risikovorsorge ist - nach einer völlig überraschenden Aufstockung um 100 Millionen Euro vor gut sechs Wochen - im Jahr 2003 insgesamt auf 248 Millionen Euro von 109 Millionen im Jahr zuvor gestiegen, teilte die Wiesbadener Bank am Donnerstag mit. Dadurch ist der Gewinn des im Nebenwerte-Index MDax gelisteten Unternehmens um 56 Prozent auf lediglich 38 Millionen Euro oder 1,08 Euro je Aktie gefallen. Den Anlegern hatte Bankchef Karl-Heinz Glauner 90 Millionen Euro Gewinn versprochen.

Die Bank strebt nach den Worten ihres Vorstandsvorsitzenden Karl-Heinz Glauner für das laufende Jahr einen zweistelligen Return on Equity (RoE) nach Steuern an. Die Eigenkapitalrendite soll sich mittelfristig auf 15 Prozent erhöhen. Glauner zeigte sich angesichts der Entwicklung im Dienstleistungsgeschäft und der Fortschritte beim Risikoabbau optimistisch, diesen Wert erreichen zu können. Nach der pauschalen Vorsorgemaßnahme habe die Bank nun eine Risikoabdeckung von gut 40 Prozent. Für das laufende Jahr prognostizierte er einen Nettogewinn von rund 100 Millionen Euro.

Der unter anderem für die Risikosteuerung zuständige Vorstand Christof Schörnig fügte hinzu, daß sich die Risikovorsorge im laufenden Jahr wieder auf 110 Millionen bis 125 Millionen Euro reduzieren werde. Schörnig hob abermals hervor, daß die Sonderprüfung im Auftrag der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) nichts mit der pauschalen Vorsorgemaßnahme 2003 über 100 Millionen Euro zu tun habe. Glauner zeigte sich insgesamt zufrieden mit dem Prüfungsprozeß. Er sei zu 75 Prozent bis 85 Prozent erledigt, fügte er hinzu. Mit Hilfe der Prüfung sollen Meinungsverschiedenheiten zwischen der Bank und dem Prüfungsverband der deutschen Banken über die Bewertung von Immobilien geklärt werden.

Große Pläne des Unternehmens müssen sich erst noch bestätigen

Bislang hätten die Prüfer der Sicht der Aareal Bank nicht widersprochen. Glauner betonte, daß die Bank aber noch kein Endergebnis kenne. Mit Blick auf das Portfolio an deutschen Immobilienkrediten sagte Glauner, dies sei durch Veräußerungen und Verbriefungen 2003 um gut 20 Prozent reduziert worden. Dies solle auch im laufenden Jahr wieder der Fall sein. Die Bank ist bestrebt, das deutsche Portfolio zu verkleinern, da ein großer Teil als problembehaftet eingestuft wurde. Zudem soll so ein ausgewogenerer Mix der Regionen erreicht werden.

Impulse erhoffen sich die Vorstände vor allem aus den neuen Geschäftsbereichen Consulting/Dienstleistungen und Immobilien Asset Management, die auf lange Sicht ein Drittel zum Ergebnis beitragen sollen. Damit tritt die Immobilienbank nach Wertung von Beobachtern in direkte Konkurrenz zu Anbietern wie etwa Techem. Glauner bekräftigte, daß seine Bank die pauschale Vorsorgemaßnahme vor dem Hintergrund der anstehenden Konsolidierung vorgenommen habe. Seine Bank wolle hier unbedingt “im Fahrersitz bleiben“, so Glauner. Details zu möglichen Akquisitionszielen nannte er nicht.

Mit einem Kurs-Gewinnverhältnis von 28,7 auf Basis des abgelieferten Gewinns ist die Aktie nicht günstig. Das wäre sie nur, wenn der für dieses Jahr angekündigte Gewinn erreicht werden würde. Dann käme der Titel auf ein KGV von 10,2. Bleibt zu hoffen, daß die Prognose nicht wieder durch überraschende Nachrichten ad absurdum geführt wird. Charttechnisch drängt sich das Papier erst dann auf, wenn es die bisherige Konsolidierungszone nach oben verlassen hat. Das wäre bei Kursen über 28 Euro der Fall. Sollte es dagegen unter die Marke von 23 Euro fallen, dürften weitere Kursverluste möglich sein.


Der Chart zeigt den Kursverlauf der Aktie der Aareal Bank seit dem Börsengang.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.



Text: @cri

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