Analyse

Russische Broker setzen auf Banken und Ölfirmen

Eindrucksvoll: Lukoils Firmenzentrale

Eindrucksvoll: Lukoils Firmenzentrale

05. Januar 2006 Wer an eine weiterhin gute Wertentwicklung am russischen Aktienmarkt glaubt und den Markt nicht über Fonds oder Zertifikate spielen möchte, der steht vor der Frage: Welche Einzelaktien beinhalten das meiste Kurspotential? Nachfolgend werden einige Titel vorgestellt, die bei Brokern ganz oben auf den Empfehlungslisten stehen.

Generell läßt sich dabei festhalten, daß Banken und Ölunternehmen noch immer gute Kurschancen zugebilligt werden. Häufig empfohlen werden vor diesem Hintergrund altbekannte Werte wie die größte russische Bank, Sberbank, oder die größte russische Ölfirma Lukoil sowie der weltgrößte Gasproduzent Gazprom.

Unternehmen wie Lukoil (ISIN: US6778621044) und Gazprom (ISIN: US3682872078) werden dabei nicht nur wegen der Erwartung weiterhin hoher Energiepreise empfohlen, sondern auch wegen der Tatsache, daß diese Titel verglichen mit westlichen Unternehmen noch immer mit einem deutlichen Bewertungsabschlag gemessen an den Reserven gehandelt werden.

Von einer Unterbewertung im eigentlichen Sinne kann bei Sberbank (ISIN: US80529Q2057) bei einem von UBS auf Basis der Zahlen für 2006 auf 2,6 geschätzte Kurs-Buchwert-Verhältnis zwar nicht mehr unbedingt gesprochen werden. Doch für den Bankensektor, der gerade erst langsam reformiert wird, sprechen ganz einfach die überaus günstigen Wachstumsaussichten. Und Sberbank als Marktführer (das Institut verwaltet 60 Prozent der Spareinlagen der Haushalte) ist dabei der einfachste Weg, um an diesem erwarteten Wachstum zu partizipieren.

Kaufempfehlungen für Severstal und Rambler Media

Bewertungsvorteile spielen dagegen wieder bei den Kaufempfehlungen eine Rolle, die etwa die Analysten bei Renaissance Capital und Veles Capital für den Stahlhersteller Severstal (ISIN: US8181502035) ausgesprochen haben. Auf Basis des für 2005 auf knapp vier veranschlagten Kurs-Gewinn-Verhältnis, einem EV/Ebitda von 2,58 und einem Kurs-Buchwert-Verhältnis von gut eins hat man sich bei Veles Capital erst am Jahresende dazu entschieden, die Empfehlung von „Akkumulieren“ auf „Kaufen“ hochzustufen und den fairen Wert um ein Viertel über dem aktuellen Kursniveau anzusiedeln. Skeptikern sei zudem gesagt, daß Veles den fairen Wert bei diesem Unternehmen auch dann noch deutlich über dem aktuellen Kursniveau ansiedelt, falls die Stahlpreise wider Erwarten fallen sollten.

Was den Konsumsektor angeht, so ist dieser in Rußland zwar am boomen, viele der börsennotierten Branchenvertreter haben das rasante Wachstum aber leider auch schon in den Kursen vorgegenommen. Eine interessante indirekte Konsumwette haben aber die Analysten von Aton Research mit ihrer Empfehlung vor Rambler Media (ISIN: GB00B06GTJ32) zu bieten. Das integrierte Medienunternehmen ist in den Bereichen Internet (man betreibt eines der führenden russischen Internetportale und Suchmaschinen), Fernsehen und Mobile Content aktiv und mit seinen Marken gut im Markt etabliert. Bei Aton wird beispielsweise dem Portalgeschäft in den Jahren 2004 bis 2014 eine Verbesserung der jährlichen Gewinne von im Schnitt 29 Prozent zugetraut und dem Wireless-Content-Geschäft sogar noch höhere Zuwachsraten. Wem diese Story gefällt, sollte sich aber bewußt sein, daß eine Wette auf ein Unternehmen, dessen Aktivitäten sich teilweise noch im Anfangsstadium befinden, mit höheren Risiken behaftet ist als ein Engagement bei einer seit langem etablierten Gesellschaft.

Anhaltende Neubewertung der Transneft-Aktie erwartet

Viele Fürsprecher gibt es auch für den Telekom-Sektor. Hier wird vor allem aus der bevorstehende Reform des regionalen Festnetzgeschäftes Kurspotential abgeleitet. Da in diesem Bereich die Kursziele teilweise erheblich über den aktuellen Kursen liegen, haben wir dieser Anlageidee eine eigene Geschichte gewidmet (Privatisierung könnte russische Festnetz-Aktien zum Klingeln bringen). Gleiches gilt auch für den Goldminensektor (Russische Goldminenaktien locken mit Wachstums-Chancen).

Was den Ölsektor angeht, sollte mit Transneft ein Titel nicht unerwähnt bleiben, der im Vorjahr neu entdeckt wurde und dem auch 2006 noch Chancen zugebilligt werden. Hierbei handelt es sich um einen Pipeline-Betreiber, dessen Aktien lange Zeit wegen der stabilen Ergebnisentwicklung eher als Anleihen wahrgenommen wurden. Doch eine neue Infrastruktur und die in den nächsten Jahren erwartete Produktionssteigerungen der russischen Ölindustrie dürften die Gewinne antreiben. Dabei liegt die operative Gewinnmarge schon jetzt bei über 50 Prozent.

Angesichts eines Kurs-Gewinn-Verhältnisses auf Basis der für 2006 geschätzten Gewinne von rund sechs sagen beispielsweise die Analysten von Renaissance Capital, UBS und UFG weiter steigende Notierungen. Für sie handelt es sich bei Transneft um eine der attraktivsten Möglichkeiten, um von den Chancen des Ölsektors zu profitieren, ohne gleichzeitig den volatilen Ausschlägen des Ölpreises ausgesetzt zu sein. Außerdem halten sie den Titel sowohl im nationalen als auch im internationalen Vergleich für unterbewertet, was damit zu erklären sei, daß das Unternehmen bisher falsch einklassifiziert worden sei.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.



Text: @JüB
Bildmaterial: picture-alliance / dpa/dpaweb

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