17. August 2007 Trotz aller optimistischer Weltsicht können die Börsen mitunter eine große Portion Realismus pflegen. Am Freitagmorgen gehören etwa japanische Autowerte zu den größten Verlierern an der Börse in Tokio. Grund ist die scharfe Aufwertung des Nikkei im Zuge der beschleunigten Auflösung der sogenannten Carry Trades.
Wurden für einen Dollar Ende Juni noch 123,87 Yen bezahlt, so sind es am Freitagmorgen noch 112,35, eine Aufwertung von fast zehn Prozent in nur sieben Wochen. Allein in den vergangene beiden Tagen schoss der Kurs der japanischen Währung um über vier Prozent nach oben.
Yenkurs entscheidet über Gewinne
Für die stark exportabhängigen japanischen Automobilbauer eine schiere Katastrophe. Honda etwa macht 70 Prozent des Gewinnes in den Vereinigten Staaten. Der Betriebsgewinn des Konzerns steigt mit jedem Yen, den die japanische Währung gegenüber dem Dollar abgibt, um formulierte es Koji Endo, Analyst der Credit Suisse.
Dies gilt auch für andere Autobauer. Mazda, das 70 Prozent seiner Produktion exportiert, gilt als der wechselkursanfälligste japanische Autobauer. Ein schwächerer Yen ist für uns der halbe Grund, unsere Gewinnprognosen zu erhöhen, sagte Mazda-Chef Keishi Egawa einmal.
Und dieses Spiel funktioniert natürlich auch anders herum. So hatte Japans zweitgrößter Autobauer Honda im ersten Quartal des im April beginnenden Geschäftsjahres den Gewinn dank eines schwachen Yen und einer höheren Auslandsnachfrage noch gesteigert. Der operative Gewinn legte im Vergleich zum Vorjahreszeitraum von 203,5 auf 221,7 Milliarden Yen (1,34 Milliarden Euro) zu. Der Überschuss stieg von 143 auf 166 Milliarden Yen, der Umsatz um 12,7 Prozent auf 2,93 Billionen Yen.
Schwachen auf dem Heimatmarkt...
Weltweit verkaufte Honda zwischen April und Juni 946.000 Wagen nach 896.000 im Vorjahreszeitraum. Im weltgrößten Markt, den Vereinigten Staaten, wuchs der Absatz um zwei Prozent, in Asien um 22,2 Prozent und um 29,6 Prozent in Europa. Im japanischen Heimatmarkt, in dem der Wechselkurs keine Rolle spielt, aber sanken die Verkaufszahlen um 12,8 Prozent, da Japaner umweltfreundlichere Modelle bevorzugten. Dennoch hatte Honda seinerzeit das Jahresziel für Umsatz und Gewinn erhöht.
Bei Toyota ist die Situation nicht wesentlich anders. Der weltgrößte Autobauer schien nach Abschluss des ersten Quartals dank ungebremsten Wachstums in Europa und China auf das siebte Rekordjahr in Folge zu. Im ersten Quartal hatte der japanische Konzern die Gewinne um ein Drittel auf umgerechnet rund drei Milliarden Euro gesteigert. Genauso stark stieg auch das Betriebsergebnis und zwar auf ein Rekordniveau von 4,1 Milliarden Euro.
Indes musste der Konzern im Juli am weltgrößten Automarkt in Amerika erstmals seit fast drei Jahren einen Absatzrückgang verkraften, da im Vorjahr wegen kräftiger Kaufanreize außergewöhnlich viele Fahrzeuge verkauft wurden.
... und schwächer in Amerika
Auf dem Heimatmarkt musste Toyota im ersten Quartal einen Absatzeinbruch von acht Prozent hinnehmen, der sich so schwach wie seit 22 Jahren nicht mehr zeigt. In der vergangenen Woche dämpfte Toyota dann seine Prognosen für den amerikanischen Markt. Ich glaube nicht, dass die zweistelligen Wachstumsraten der vergangenen Jahre anhalten, weil wir jetzt schon so einen großen Marktanteil in den Vereinigten Staaten haben, sagte Nordamerika-Verkaufs-Chef Jim Lentz der Nachrichtenagentur Reuters. Lentz rechnet 2007 mit einem Wachstum auf dem amerikanischen Markt von lediglich fünf bis sechs Prozent.
Für Mazda sah es dagegen schon im ersten Quartal nicht gut aus. Der viertgrößte Automobilhersteller in Japan meldete einen Ergebniseinbruch, wonach der Nettogewinn um 62 Prozent von 6,6 Milliarden auf 2,5 Milliarden Yen fiel. Der operative Gewinn kletterte indes um neun Prozent auf 32,3 Milliarden Yen. Die Erlöse konnten um elf Prozent auf 814,3 Milliarden Yen verbessert werden, der Absatz aber sank um ein Prozent auf 323.000 Fahrzeuge.
Mazda verbuchte dabei Verluste aus Währungsabsicherungsgeschäften, während das Unternehmen für die operativen Verbesserungen neben Kostensenkungen auch den schwachen Yen als Ursache nannte.
Aktien zum Teil noch nicht günstig
Unter den gegebene Umständen eines aufwertenden Yen sind dann alle bisherigen Gewinnprognosen in Frage gestellt. Dass die Anleger der Entwicklung längst nicht mehr so trauten, zeigte sich indes in den Aktienkursen schon länger. Toyota-Aktien erreichten ihr Allzeithoch bereits Ende Februar und verloren seitdem 25 Prozent.
Die Honda-Papiere kriseln bereits seit dem Allzeithoch Ende Januar und notieren mittlerweile 28 Prozent niedriger, Mazda befinden sich schon seit dem vergangenen November im Rückwärtsgang und sind vom damaligen Sieben-Jahres-Hoch 32 Prozent zurückgekommen. Suzuki erreichten ihren Kursgipfel erst Anfang Juli - seitdem ist die Notierung aber um 20 Prozent abgestürzt.
Dabei haben sich die Aktien nur zum Teil optisch verbilligt. Während Honda und Mazda mit geschätzten Kurs-Gewinn-Verhältnissen von 9,2 und 8,7 bzw. 9,3 und 8,8 für das laufende und kommende Jahr preiswert erscheinen, sind Toyota und Suzuki mit KGVs von 13,5 und 13,4 bzw. 19,7 und 18,3 nicht so billig.
Charttechnische Lage deutlich eingetrübt
Wenn nun der Yen gegen die Konzerne läuft, so ist fraglich, ob diese Kurs-Gewinn-Verhältnisse nicht am Ende noch höher angesetzt werden müssen. Charttechnisch sehen alle Aktien an der Tokioter Börse derzeit wenig einladend aus.
Toyota haben den zweijährigen Aufwärtstrend längst nach unten durchbrochen, können aber den vierjährigen noch halten. Honda stellen sich noch schwächer da. nach den Kursverlusten vom Freitag ist auch der vierjährige Aufwärtstrend durchbrochen worden. Dies gilt auch für den zweijährigen Aufwärtstrend von Suzuki.
Indes sind die Trendverletzungen noch nicht so ausgeprägt. Eine Erholung in der kommenden Woche könnte noch eine Stabilisierung bewirken. Das scheint indes nicht sonderlich wahrscheinlich, nachdem Suzuki unter der Unterstützung von 3.000 Yen geschlossen hatte.
Mazda korrigieren den starken und volatilen Kursanstieg der Jahre 2005 und 2006 und streben dem vierjährigen moderaten Aufwärtstrend entgegen. Dies könnte noch einen Kursrückgang von weiteren 20 Prozent bis in die Region von 450 Yen bedeuten.
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Text: @mho
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