Biotechnologie

Die Blockbuster von morgen

Von Christian Garbe

Garbe: “Investoren können sich auf spannende Jahr bei den Biotechs freuen“

Garbe: "Investoren können sich auf spannende Jahr bei den Biotechs freuen"

16. April 2001 Zu den Blockbuster Produkten zählen in der Pharmaindustrie Produkte, die mehr als 500 Millionen Dollar Umsatz pro Jahr generieren. Der Fokus auf diese Blockbuster Produkte ist notwendig, um die immensen Forschungs- und Entwicklungskosten, die derzeit rund 500 Millionen Dollar betragen, in einem überschaubaren Zeitraum wieder einspielen zu können.

Eine Voraussetzung für diese Art von Produkten ist, dass sie einen Massenmarkt bedienen und weltweit den Patienten zur Verfügung gestellt werden können. Häufig sind diese Produkte durch eine geringe Eindringtiefe, aber durch eine Anwendbarkeit auf alle Erkrankten charakterisiert (siehe unterstehende Grafik: Umsatz und Wachstum).

Eine Analyse der Pipeline der Pharma- und Biotechnologieindustrie lässt 45 potenzielle Blockbuster Produkte erkennen. Viele dieser in den verschiedenen Entwicklungsstadien befindlichen Produkte werden altbekannte Pharmaprodukte in umsatz- und wachstumsstarken Indikationsgebieten ersetzen müssen, weil bei den bisherigen Kassenschlagern der Patentschutz auszulaufen droht.

In den nächsten drei Jahren werden voraussichtlich Blockbuster mit einem Umsatz von insgesamt rund 34 Milliarden Dollar den Patentschutz verlieren. Diese Medikamente werden dann von Generikaproduzenten hergestellt, quasi nachgebaut und zu niedrigen Preisen in den Markt gedrückt. Häufig reagieren Pharmaunternehmen darauf, indem sie eine zweite Generation von Wirkstoffen auf den Markt bringen, die die etablierte Markenposition übernehmen sollen (siehe untenstehende Tabellen).

Die Pipeline ist gut gefüllt

Zu den 45 potenziellen Blockbustern gehören Produkte wie AstraZenecas Nachfolgeprodukt von Losec/Prilosec mit dem Namen Nexium, das über fünf Milliarden Dollar jährlichen Umsatz erzielt. Aventis', Pfizers und Inhale Therapeutic Systems neueste Version der Diabetesbekämpfung könnte einen jährlichen Umsatz von 3,4 Milliarden Dollar generieren. DuPont peilt für Lumaxis einen Umsatz von 3,4 Milliarden Dollar und Merck's in der Entwicklung befindliches Psychopharmakon könnte einen Umsatz von zwei Milliarden Dollar erzielen. Lilly hat ein erfolgversprechendes Medikament gegen Sepsis in der Pipeline.

Aber auch einige Biotechnologieunternehmen entwickeln Blockbuster wie Amgens Aranesp und Icos's Cialis. Zwei Gruppen werden von Aranesp profitieren: Nieren- und Krebspatienten. Für die Anwendung bei Nieren-Patienten hat Amgen nach Abschluss der Phase III-Studien bereits 1999 eine Zulassung sowohl in den USA als auch in Europa beantragt. Phase II-Studien mit Krebspatienten führt das Biotechunternehmen derzeit in den USA und Europa durch. Dieses rekombinante Protein der zweiten Generation kann einen Umsatz von 500 Millionen Dollar 2002 und 750 Millionen Dollar 2003 erreichen. Im dritten Jahr nach der Produkteinführung ist ein Umsatz von 1,5 Milliarden Dollar möglich. Insgesamt wird das Produkt auf einem drei Milliarden Dollar großen Markt eingeführt.

Viagra bekommt Konkurrenz

Icos hat bis dato noch kein Produkt auf dem Markt. Am weitesten vorangeschritten sind die Entwicklungsarbeiten zu IC351, einem Viagra-Konkurrenten zur Verbesserung von männlichen Erektionsdysfunktionen (Impotenz). Dieses Produkt wird in Zusammenarbeit mit Eli Lilly entwickelt. Wenn die bisherigen Ergebnisse aus der Phase II der klinischen Studien in der dritten Phase bestätigt werden können, kann das Produkt einen jährlichen Umsatz von 750 Millionen Dollar erzielen.

Sowohl Amgen als auch Icos beweisen, dass im Vergleich zu großen Pharmakonzernen kleine und schlanke Biotechnologieunternehmen in der Lage sind, Blockbuster Produkte zu entwickeln und so dem Investor eine lukrative Rendite versprechen können. Neben diesen beiden Biotechnologieunternehmen gibt es eine Reihe weiteren Unternehmen, die sich im fortgeschrittenen Stadium der Medikamentenentwicklung befinden. Aus Sicht der Investoren kann den kommenden Jahren mit viel Spannung entgegen gesehen werden, denn ein Biotechnologieprodukt nach dem anderen wird aus der Pipeline sprudeln.


@ank



Text: Der Autor ist Biotech-Analyst bei der GZ-Bank.
Bildmaterial: @unit mit Bildmaterial von comchem.de

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