Flugverkehr

Lufthansa-Aktie hat die Wolke für den nächsten Steilflug gefunden

11. Februar 2008 Das Unternehmen ist schon sicher: „Das vergangene Jahr war ein Rekordjahr für die Deutsche Lufthansa AG.“ Umsatz und Ergebniszahlen liegen zwar noch nicht vor, aber auch die Fluggastzahlen sprechen eine eindeutige Sprache. Nicht nur das: Auch im Januar setzte sich der positive Trend fort, wie die Lufthansa am Montag mitteilte.

Doch die Aktie reagiert gar nicht, als ob dies ein Rekordjahr wäre. Sie steckt seit einer Weile in einem satten Abwärtstrend, hat deutlich verloren und will die Talfahrt bisher nicht beenden. Doch inzwischen dürfte die Aktie auf einer stabilen Wolke angekommen sein. Dafür spricht erstens, dass am aktuellen Kursniveau der mittelfristige Aufwärtstrend verläuft - jedenfalls, wenn man den logarithmischen Chart zugrunde legt. Zweitens läuft hier eine starke Unterstützung. Und drittens gibt es fundamental bisher keinen Grund, an dem Unternehmen zu zweifeln.

Noch nie reisten mehr Fluggäste mit der Lufthansa

Was wissen wir über 2007? „In einem positiven Marktumfeld konnte der Konzern durch eine gezielte Kapazitätsausweitung und ein erfolgreiches Vertriebsmanagement weiter wachsen. Noch nie reisten mehr Fluggäste mit der größten deutschen Fluggesellschaft als im vergangenen Jahr. Auch bei der Zahl der Flüge, dem Absatz von Sitzkilometern und der Auslastung der Flüge wurden im zurückliegenden Jahr Spitzenwerte erzielt.“ Das teilte das Unternehmen vor einem Monat mit.

Das Streckennetz wurde im zurückliegenden Jahr zudem auf knapp 200 Flughäfen erweitert. Schließlich steigerte Lufthansa Cargo die Frachtmenge und die Auslastung und verbesserte somit ebenfalls ihre Verkehrszahlen. Die Konzerngesellschaft transportierte im letzten Jahr 1,8 Millionen Tonnen Fracht und Post und legte damit im Vorjahresvergleich um 2,6 Prozent zu.

Mehr als eine Milliarde Gewinn im Gesamtjahr

Auch wenn die genauen Zahlen erst im März veröffentlicht werden, so liefert das Neunmonatsergebnis doch ein Indiz, in welche Richtung es läuft. Die Lufthansa hat den operativen Gewinn in den ersten neun Monaten des Jahres bereits um 57 Prozent auf 1,1 Milliarden Euro gesteigert.

Weder der hohe Ölpreis noch die Unruhe der vergangenen Monate an den internationalen Finanzmärkten oder der harte Wettbewerb hätten negative Auswirkungen auf den guten Geschäftsverlauf des Konzerns gehabt. „Für das Gesamtjahr rechnen wir mit einem operativen Ergebnis von rund 1,3 Milliarden Euro“, kündigte Vorstandschef Wolfgang Mayrhuber bei der Vorlage der Quartalszahlen an. Das wäre ein neuer Rekord für die Lufthansa.

Ein Indiz für den guten Zustand des Konzerns ist auch die Entwicklung der Mitarbeiterzahlen: „Lufthansa setzt ihren Wachstumskurs auch im kommenden Jahr fort: Insgesamt knapp 4.300 neue Mitarbeiter wird die größte deutsche Fluggesellschaft 2008 einstellen. Vor allem in den operativen Bereichen ist der Bedarf groß: 2.000 Flugbegleiter und 1.000 Mitarbeiter für die Fluggastbetreuung am Boden, so genannte „Service Professionals“, werden für die Standorte Frankfurt und München gesucht. Innerhalb von drei Jahren würde die Airline damit fast 10.000 neue Leute einstellen.

Wachstum über Allianzen

Der Wachstumskurs ist künftig selbst über weitere Allianzen und in Amerika möglich. Darüber wurde am Montag erneut im Zusammenhang mit den Fusionsabsichten in Amerika spekuliert. Unter den krisengeplagten amerikanischen Fluggesellschaften ist das Heiratsfieber ausgebrochen. Schon diese Woche könnten sich Delta und Northwest zum weltgrößten Anbieter zusammenschließen - gemessen an den Passagierzahlen .

Für die Lufthansa ist in diesem Zusammenhang wichtig, dass Ende März Beschränkungen im Luftverkehr zwischen Europa und den Vereinigten Staaten fallen. Der Konzern prüft daher, ob man das nutzt, um von Städten außerhalb Deutschlands in die Vereinigten Staaten zu fliegen.

Eine Reihe von amerikanischen Airlines wie besonders Delta suchen angesichts der Probleme auf dem Heimatmarkt heute schon ihr Heil auf der Atlantik-Passage. Beobachtern zufolge käme daher der Lufthansa eine Fusion ihres Star-Alliance-Partners United mit Continental gelegen. So würde der Verbündete gestärkt.

Fusion in Amerika wäre gut für die Star Alliance

Erst kürzlich preschte die Lufthansa zur Überraschung der Branche mit einem knapp 20-prozentigen Einstieg beim gehobenen amerikanischen Billigflieger JetBlue vor. Deutlich höheren Anteilen oder gar Übernahmen verhindern amerikanische Gesetze zwar. Gegen eine Beteiligung der Lufthansa an ihren amerikanischen Bündnispartnern United und US Airways spreche zudem deren Finanzlage, meinen ein Insider. Doch gegen eine Kooperation in der Star Alliance spricht nichts. Da seien die Deutschen ohne großes Risiko gut mit bedient.

Um so unverständlicher ist daher insgesamt, das die Aktie derzeit so niedrig bewertet ist. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis von 7 bedeutet, dass der Markt in diesem und im nächsten Jahr einen Gewinneinbruch im Lufthansa-Konzern erwartet. Dafür gibt es jedoch keine Anzeichen.

Ausgezeichnete Dividendenrendite

Selbst bei einem allenfalls leichten Gewinnanstieg oder einer Stagnation wäre die Aktie derzeit außerordentlich attraktiv, da sich eine Dividendenrendite von mehr als sechs Prozent für das laufende Jahr errechnet. Das ist Spitze unter den 30 deutschen Standardwerten. Wenn die Börse sich erst wieder stärker auf Dividendenwerte konzentriert, dürfte auch der Lufthansa-Kurs wieder hochziehen.

Die Aktie ist allerdings nichts für schwache Nerven. Der Kurs ist so zyklisch wie die Branche. Ein langfristiger Trend ist nicht erkennbar - von den Schwankungen abgesehen. Die Aktie sollte daher rechtzeitig verkauft werden, bevor der nächste Zyklus nach unten beginnt. Derzeit hat sie jedoch gerade eine stabile Wolkenburg erreicht. Von dieser Basis ist die Wahrscheinlichkeit viel größer, dass es mit dem nächsten Steilflug klappt als dass die Papiere auf das Flugfeld abstürzen.

Lufthansa startet mit Aufwind ins Jahr: 7,6 Prozent mehr Passagiere

Die Deutsche Lufthansa ist mit kräftigem Aufwind ins neue Jahr gestartet. Im Januar wurden von der Lufthansa AG und ihren Regionalpartnern 4,1 Millionen Passagiere befördert, das sind 7,6 Prozent mehr als im Vorjahresmonat, wie die größte deutsche Fluggesellschaft am Montag mitteilte. Bereits im Jahr 2007 hatte die Lufthansa mit einem Anstieg um 5,6 Prozent auf 56,4 Millionen Gästen einen Rekord aufgestellt.

Die nicht in den Lufthansa-Passage-Zahlen enthaltene Tochter Swiss konnte im Januar noch etwas stärker als die Muttergesellschaft wachsen. Hier stieg die Zahl der Passagiere um 9,8 Prozent auf rund 942 000. Die Auslastung der Sitze stieg bei der Lufthansa um 0,9 Punkte auf 76,9 Prozent. Bei der Swiss ging die Auslastung dagegen um 1,1 Punkte auf 74,3 Prozent zurück.

Abschläge musste die Lufthansa bei ihrer Frachttochter Cargo hinnehmen. Die transportierte Menge ging im Januar um 1,2 Prozent auf 130 000 Tonnen zurück. Allerdings wurden Waren verstärkt über längere Strecken transportiert, so dass die Verkehrsleistung (Tonnen Mal Kilometer) um 3,4 Prozent zunahm. Die Auslastung blieb im Frachtsegment konstant bei 65,6 Prozent.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht der FAZ-Redaktion wider.



Text: @stt
Bildmaterial: dpa/dpaweb, F.A.Z.

 
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MUENCHENER RUECKVERS -14,02 -12,04
COMMERZBANK AG INHAB -1,94 -8,76
ALLIANZ SE VINK.NAME -8,42 -7,36
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