Halbleiter

Infineon-Aktie auf schwerem Weg

23. April 2008 Nachdem der Hableiterkonzern Infineon am Dienstag vermeldete, sich von seiner hochdefizitären Tochter Qimonda trennen zu wollen, gleichsam koste es was es wolle, reagierten die Anleger nahezu enthusiastisch. 4,6 Prozent stiege der Kurs in der Spitze und auch am Ende des Tages schloss der Aktienkurs noch 2,4 Prozent höher.

Dabei schien der Optimismus schon zu diesem Zeitpunkt verfrüht. Denn weder ist Infineon Qimonda schon los, entgegen dem Geräusch des Grases, das einige Wirtschaftsblätter bereits hatten wachsen hören wollen. Zudem läuft das Kerngeschäft ohne Qimonda nicht wirklich gut. Das zeigen abermals die am Mittwochmorgen vorgelegten Zahlen für das zweite Quartal.

Gewinnrückgang auch ohne Qimonda

Der Halbleiterkonzern hat auch ohne die Verluste seiner Tochter und die Milliardenabschreibung auf deren Unternehmenswert einen Gewinnrückgang hinnehmen müssen. Der Überschuss aus dem fortgeführtem Geschäft ohne Qimonda schrumpfte von Januar bis März verglichen mit dem Vorquartal auf 19 Millionen von 45 Millionen Euro. Der Umsatz nahm im Quartalsvergleich um vier Prozent auf 1,05 Milliarden Euro ab, das Betriebsergebnis (Ebit) schrumpfte von 65 auf 36 Millionen Euro.

Einschließlich der Verluste der Speicherchiptochter und der Abschreibung von einer Milliarde Euro auf die Beteiligung an ihr sei in den Monaten Januar bis März ein Nettoverlust von rund 1,37 Milliarden Euro angefallen. Im Weihnachtsquartal hatte der Fehlbetrag noch 396 Millionen Euro betragen. Gegenüber dem Vorjahresquartal stieg der Umsatz um 7,25 Prozent auf 1,049 Milliarden Euro, der Verlust hatte seinerzeit elf Millionen Euro im Vorjahr betragen.

Im Kerngeschäft mit Logikchips entwickelte sich Umsatz und Ergebnis im Berichtszeitraum im Rahmen der Analystenerwartungen. Auch in der Sparte Automotive, Industrial & Multimarket (AIM) entsprachen der Umsatz von 741 Millionen Euro und das Betriebsergebnis von 69 Millionen Euro im wesentlichen dem, was prognostiziert worden war, was auch auf die Sparte Communication Solutions (Com) zutrifft.

Alles im Rahmen

Indes sank damit der AIM-Betriebsgewinn um ein Viertel, der Umsatz der Com-Sparte um 15 Prozent auf 302 Millionen Euro und deren Betriebsverlust machte deutlich von 11 auf 29 Millionen Euro einen Sprung nach oben.

Die Prognose für das Gesamtjahr 2008 bestätigte der Konzern jedoch. Infineon erwartet nun im dritten Quartal einen stabilen oder leicht rückläufigen Umsatz gegenüber dem zweiten Quartal. Ohne Berücksichtigung von Sondereffekten rechnet der Konzern im dritten Quartal mit einem weiteren Rückgang des Betriebsergebnisses.

Die Ebit-Marge ohne Sondereffekte soll zwischen 8,5 und 9,5 Prozent liegen. Der Umsatz der Com-Sparte soll hingegen um einen mittleren bis hohen einstelligen Prozentsatz steigen. Das Betriebsergebnis ohne Sondereffekte wird aber mit minus 25 Millionen Euro im roten Bereich erwartet. Im dritten Quartal wird Infineon voraussichtlich einen Sondergewinn in Höhe von etwa 40 Millionen Euro aus dem Verkauf der Festplatten-Aktivitäten an LSI verbuchen.

Die Com-Sparte wird im Gesamtjahr trotz einer erwarteten Umsatzsteigerung um mehr als ein Viertel abermals einen Betriebsverlust einfahren, teilte das Unternehmen am Mittwoch mit, in der AIM-Sparte gingen Umsatz und Betriebsergebnis voraussichtlich zurück.

Angst vor der Dollarschwäche

Die Zahlen sind einer ersten Analysteneinschätzung zufolge eher gemischt ausgefallen. Der Ausblick sei aber schwer einzuordnen. „Zudem ist die Qimonda-Frage immer noch offen: Wer wird es kaufen und zu welchem Preis?“

Just das sind die entscheidenden Frage. Der Halbleiterkonzern fürchtet wegen der Dollarschwäche um seinen Gewinn. Sollte sich der Euro bei einem Kurs von etwa 1,60 Euro einpendeln, „würde dies basierend auf gegenwärtigen Umsatzplanungen im Geschäftsjahr 2008/09 zu einem Rückgang des Ebit von 120 Millionen Euro führen. Unter diesen Voraussetzungen wird es nicht möglich sein, eine Ebit-Marge von zehn Prozent zu erreichen“, erklärte Infineon-Chef Wolfgang Ziebart am Mittwoch.

Vor diesem Hintergrund habe das Unternehmen „das Tempo bei der Umsetzung der Maßnahmen, die wir zur Verbesserung unserer Ebit-Marge im gesamten Unternehmen eingeführt haben, erheblich beschleunigt“. Konkrete Angaben dazu machte Infineon zunächst nicht.

Analysten hatten bereits eine Aufgabe des Margenziels befürchtet. Noch vor drei Monaten hatte Ziebart das Ziel bestätigt, aber bereits von „Unwägbarkeiten der globalen Wirtschaft“ und einer „ungünstigen Entwicklung des Wechselkurses“ gesprochen. Halbleiter werden in der Regel in Dollar abgerechnet; Infineon produziert aber zu großen Teilen im Euro-Raum.

Asiaten an Qimonda nicht interessiert

Und in Asien winkten die Chiphersteller durchweg ab. Taiwans Powerchip Semiconductor und Nanya Technology sowie die japanische Elpida Memory und die südkoreanische Hynix Semiconductor teilten am Mittwoch mit, keine Gespräche über den Kauf von Qimonda zu führen und auch an einer Beteiligung nicht interessiert zu sein.

Moor Chen, der Senior Vice President von Nanya, sagte, das Unternehmen verhandele lediglich mit Qimonda, um deren Anteil am gemeinsamen Joint Venture Inotera Memories zu übernehmen. Beide Seiten hätten bisher noch keine Einigung erzielt.

Die bloße Ankündigung eines Endes mit Schrecken reicht eben nicht aus, um von heute auf morgen Wunder zu erzielen. Der Übernahmemarkt ist längst nicht mehr so lebhaft wie noch vor zwei Jahren, als Infineon Qimonda sicher zu einem Preis weit oberhalb des Unternehmenswertes los geworden wäre. Derzeit ist die Tochter nur als „disstressed company“ zu verkaufen und selbst das gestaltete sich womöglich schwierig.

Vertreter großer Finanzinvestoren sollen bereits abgewunken haben. „Wir würden Qimonda nicht mit der Beißzange anfassen“, sagte ein ungenannter Private-Equity-Vertreter der Nachrichtenagentur Reuters.

Keine großen Impulse

Und dass das Kerngeschäft langsame Fortschritte verzeichnet, ist lange bekannt. Nur weil man sich von seinem größten Verlustbringer trennen will, kommt dadurch keine größere Dynamik auf.

Indes sterben die Hoffnungen zuletzt. Das zeigte sich auch am Dienstag und wird sich aller Voraussicht nach auch am Mittwoch wieder zeigen. Nichtsdestoweniger sollte das Potential nach oben weiter deutlich begrenzt bleiben, gibt es doch weder wirklich große Fortschritte im Kerngeschäft, noch eine optimistische Prognose, noch die Andeutung eines Käufers für Qimonda. Daher ist zu erwarten, dass der Aktienkurs zunächst einmal in der Spanne zwischen der Unterstützungslinie bei 5 und dem Widerstand 5,50 Euro verharrt. Und je länger kein Käufer in Sicht ist und der Durchbruch im Kerngeschäft auf sich warten lässt, desto länger wird dies auch so bleiben.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.



Text: @mho
Bildmaterial: AP, F.A.Z.

 
Tops & Flops+/-Prozent
VOLKSWAGEN AG STAMMA +45,13 +15,20
K+S AKTIENGESELLSCHA -0,15 -0,39
MAN AG STAMMAKTIEN O -0,40 -1,01
DEUTSCHE BANK AG NAM -5,99 -16,08
DEUTSCHE POSTBANK AG -3,87 -14,61
INFINEON TECHNOLOGIE -0,44 -13,68
NamePunkteProzent
Dax 4.544,31 -7,01
TecDax 516,75 -4,81
DowJones 8.451,19 -1,49
Nasdaq 1.649,51 +0,27
STOXX 50 2.421,87 -7,86
Nikkei 225 8.276,43 -9,62
S&P 500 Zert. 8,83 -10,45
Euro/Dollar 1,34 +0,00
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Gold 847,40 +0,00
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