01. April 2008 Frei nach einer Scherzfrage könnte man formulieren: Loch an Loch und hält noch, wenn es um die Schweizer Großbank UBS geht. Nachdem diese bislang bereits mit 18 Milliarden Dollar mehr als jede andere europäische Bank abgeschrieben, folgen nun im ersten Quartal des laufenden Geschäftsjahres weitere Riesensummen.
Am Dienstagmorgen vermeldete das Institut, dass es im ersten Quartal des laufenden Geschäftsjahres einen Reinverlust von rund zwölf Milliarden Franken (7,6 Milliarden Euro) erwarte. Grund sind neuerliche Abschreibungen über 19 Milliarden Franken auf die amerikanischen Hypothekenverbriefungen, mit denen sich das Bankhaus verspekuliert hat.
Massive Abschreibungen, massive Kapitalerhöhungen
Das hat Konsequenzen. Die UBS muss ihr Kapital um weitere 15 Milliarden Franken aufstocken, um die Liquidität sicherzustellen. Diese Kapitalerhöhung werde von vier internationalen Banken garantiert.
Vor rund einer Woche war in Zeitungen über eine Kapitalerhöhung in Höhe von zehn Milliarden Franken spekuliert worden. Analysten hatten den Abschreibungsbedarf für das Gesamtjahr auf nochmals 10 bis 20 Milliarden Dollar geschätzt. Die Abschreibungen in der zweiten Hälfte des letzten Jahres wegen der Engagements auf dem amerikanischen Immobilienmarkt beliefen sich auf 21,3 Milliarden Franken. Mit den jüngsten Abschreibungen erhöht sich das Debakel der UBS auf dem amerikanischen Hypothekenmarkt auf einen Abschreibungsbedarf von mehr als 40 Milliarden Franken, so viel wie bei keiner anderen Bank.
Es ist nicht die erste Kapitalerhöhung der angeschlagenen Bank. Vor kurzem erst besorgte sich das Institut über eine Pflichtwandelanleihe 13 Milliarden Franken vom Regierungsfonds GIC aus Singapur und einem mutmaßlich aus Saudi Arabien stammenden Investor. Hinzu kommen noch sechs Milliarden Franken aus einer Reihe von Maßnahmen wie etwa dem Ersatz der Bar- durch eine Aktiendividende.
Zurück zu den Wurzeln
Die Bank versucht nunmehr reinen Tisch zu machen und kündigte an, die Positionen auf dem amerikanischen Immobilienmarkt in eine separate Einheit auszugliedern. Zudem habe man im ersten Quartal Positionen im Immobilienbereich mittels Wertberichtigungen oder und beträchtlicher Veräußerungen schrittweise reduziert. Mit diesen Maßnahmen möchte UBS ihr Engagement im Immobilienbereich in den Griff bekommen, um sich auf ihr Kerngeschäft zu konzentrieren.
Denn die eigentliche Stärke der Bank liegt in der Vermögensverwaltung. Ende vergangenen Jahres war sie mit einem Kundenvermögen von 3,2 Billionen Franken klarer Weltmarktführer und erwirtschaftete hieraus einen Vorsteuergewinn von 10,4 Milliarden Franken. Im Investment-Banking rechnet das Institut dagegen mit einem Vorsteuerverlust von 18 Milliarden Franken im ersten Quartal.
Wir glauben, dass diese Kapitalerhöhung und die Gründung eines Vehikels, das problematische Vermögenswerte vom restlichen Geschäft trennt, uns erlauben wird, mit der Zeit wieder nachhaltigen Wert zu schaffen, sagte Marcel Rohner, der Vorstandschef von UBS.
Optimistische Stimmen
Das erste Quartal sei hinsichtlich der gegenwärtigen Marktumgebung für die meisten Geschäftsbereiche von UBS akzeptabel gewesen. Die Bedingungen für Postionen im amerikanischen Privatimmobilienbereich hätten sich aber weiter verschlechtert, besonders im März.
Händler sehen in den Nachrichten eine Stimmungsbelastung. Hinzu kämen negative Nachrichten um eine gleichfalls sehr hohe Kapitalerhöhung der amerikanischen Investmentbank Lehman Brothers, die die im regulären Handel etwas schwächere Aktie nachbörslich weitere 2,23 Prozent nachgeben ließen.
Indes fehlt es nicht an optimistischen Stimmen. Scott McGlashan, Vermögensverwalter bei JO Hambro, etwa begrüßt das Krisenmanagement der Banken im allgemeinen. Die japanischen Banken hätten seinerzeit zehn Jahre und nicht zehn Monate benötigt, um die Verluste aus den fehlgeschlagenen Spekulationen zu realisieren.
Ospels konsequenter Rücktritt
Begrüßenswert sei auch, dass Verwaltungsratspräsident Marcel Ospel die Konsequenzen zieht und zurücktritt. Das mache es für die Bank einfacher. Kritikern forderten Ospels Abagng schon längere Zeit. Dieser hatte nach dem Abgang seines einstigen Nachfolgers als Vorstandschef, Peter Wuffli, im vergangenen Sommer seine Vertrag sogar verlängert, auch als ihm vorgeworfen wurde, Klumpenrisiken aus strategischen Gründen zugelassen und das Investmentbanking nicht unter Kontrolle gehabt zu haben. Nachfolger wird Peter Kurer , der bislang als General Counsel fungierte.
Tatsächlich sind die Nachrichten ambivalent. Zum Jahresende hatte die Bank ihr 27,6 Milliarden Dollar schweres Portfolio von Subprime-Anleihen auf maximal 58 Prozent ihres Ursprungswertes korrigiert. Und diese bildeten nur einen Teil eines Risikoportfolios im Volumen von nicht weniger als 80 Milliarden Dollar, in dem zum Beispiel Alt-A-Hypotheken mit gutem Rating erst auf 96 Prozent abgeschrieben waren.
Insofern scheinen die jüngsten Abschreibungen zwar drastisch zu sein, ob damit aber bereits aller Bedarf befriedigt ist, ist eine andere Frage. Möglich wäre es, zumindest aber lässt sich hoffen, dass die Zeit der zweistelligen Milliardensummen zu Ende geht.
Hoffnung auf das Ende
Außerdem ist nach dem heftigen Kursverfall die Bank nunmehr nur noch mit 60 Milliarden Franken bewertet. Die Zeitung Finanz und Wirtschaft hat aber für das Vermögensverwaltungsgeschäft der Bank konservativ einen Wert zwischen 95 und gut 100 Milliarden Franken errechnet. Andererseits darf man die Effekte einer Kapitalerhöhung nicht vernachlässigen, die den Kurs deutlich verwässern können.
Der Kurssturz seit dem vergangenen Frühjahr hat die Notierung vom Allzeithoch von 80 Franken auf zuletzt 28,86 Franken fallen lassen, die damit ein Neun-Jahres-Tief markiert hat. Hätte vor wenigen Wochen die Nachricht dem Kurs noch einen weitere drastischen Abwärtsschub verliehen, so ist am Dienstag alles anders. Die Notierung kann sich im Gegenteil deutlich um 6,8 Prozent auf 30,82 Franken erholen.
Offenbar gehen die Anleger davon aus, dass die UBS ihre Portfolio-Bereinigung praktisch abgeschlossen hat und nunmehr mit neuer Kraft wieder in eine bessere Zukunft starten kann. Das ist eine recht optimistische Sichtweise, lässt sich doch die Entwicklung der Krise nicht sicher prognostizieren. Schon in der Vergangenheit haben die Märkte bei ähnlicher Gelegenheit falsch gelegen. Insofern bleibt die UBS-Aktie wie auch andere Bankenwerte ein Risikopapier, bis nicht stabile Geschäftszahlen die operative Wende untermauern.
Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.
Text: @mho
Bildmaterial: dpa, F.A.Z.
| Tops & Flops | +/- | Prozent |
|---|---|---|
| INFINEON TECHNOLOGIE | +0,26 | +5,28 |
| BAYER AG INHABER - A | +1,96 | +3,63 |
| LINDE AG INHABER - A | +2,85 | +3,19 |
| MUENCHENER RUECKVERS | -8,55 | -7,34 |
| ALLIANZ SE VINK.NAME | -5,26 | -4,60 |
| COMMERZBANK AG INHAB | -0,91 | -4,11 |
| Name | Punkte | Prozent |
|---|---|---|
| Dax | 6.436,71 | -0,06 |
| TecDax | 725,17 | +0,50 |
| DowJones | 11.370,53 | +0,19 |
| Nasdaq | 2.301,05 | +0,92 |
| STOXX 50 | 3.351,13 | -0,10 |
| Nikkei 225 | 13.334,76 | -1,97 |
| S&P 500 Zert. | 12,50 | -2,34 |
| Euro/Dollar | 1,57 | +0,11 |
| Bund Future | 110,38 | -0,50 |
| Gold | 928,40 | +0,08 |
| Öl | 125,98 | +0,80 |
