Technologie

Aktie von Cisco läuft auf Widerstände zu

Cisco 12010 und 12006

Cisco 12010 und 12006

09. November 2006 Mit einem Kursgewinn von 6,4 Prozent auf 20,797 Euro reagiert in Europa die Aktie des amerikanischen Netzwerkausrüster Cisco Systems auf die Umsatz- und Gewinnzahlen des ersten Quartals des laufenden Geschäftsjahres.

Damit hat die Aktie in den vergangenen drei Wochen nicht nur kapp 50 Prozent zugelegt, sondern sie ist aus dem Seitwärtstrend der zwei Jahre zuvor nach oben ausgebrochen und nähert sich dem Widerstand bei 23,90 Euro, denn sie im Januar des Jahres 2004 mit einem Zwischenhoch markiert hatte.

Deutliches Umsatz- und Gewinnwachstum

Cisco IP Telefon

Cisco IP Telefon

Das Unternehmen konnte den Umsatz nach GAAP im ersten Quartal um 24,9 Prozent auf 8,2 Millairden Dollar steigern, der Nettogewinn legte im Vergleich mit der Vorjahresperiode sogar um 27,5 Prozent auf 1,6 Milliarden Dollar zu und er Gewinn je Aktie um 30 Prozent auf 26 Cents. Cisco übertraf auf diese Weise die Erwartungen der Analysten, die im Schnitt mit einem leicht geringeren Gewinn und Umsatz gerechnet hatten.

Zu dieser Entwicklung habe der rasant wachsende Markt für Internet-Videos beigetragen, teilte das Unternehmen mit. Die hohen Datenmengen zwängen Telefon- und Kabelnetzbetreiber zur Aufrüstung ihrer Systeme. Auch die Verkäufe von TV-Digitalempfängern liefen Cisco zufolge gut. Der Konzern hatte Anfang des Jahres deren Hersteller Scientific Atlanta für knapp sieben Milliarden Dollar gekauft und damit seine Expansion in Verbrauchermärkte forciert.

Das Unternehmen blickt auch zuversichtlich in die Zukunft und rechnet im laufenden Quartal mit einem Umsatzwachstum von 25 Prozent. Das operative Momentum des Unternehmens sei gegenwärtig stärker als noch vor einem Jahr, sagte Unternehmenschef John Chambers in einer Telefonkonferenz. Bei aller Wachstumseuphorie gibt es jedoch einen kleinen Dämpfer, denn die operative Umsatzrendite ist im Jahresvergleich von etwas mehr als 68 auf 64,8 Prozent gefallen. Im Vorquartal hatte sie 65,3 Prozent betragen.

Insgesamt scheinen die weiteren Aussichten des Unternehmen und damit der Aktie zumindest kurzfristig nicht schlecht zu sein. Es fragt sich allerdings, wie lange sich das hohe Wachstum und vor allem auch die hohen Margen werden halten lassen. Denn beides dürfte die Konkurrenten nur so anziehen. Aus diesen Gründen und auch aufgrund der anhaltenden Konsolidierung in der Branche raten Experten dem Unternehmen zu einer weiteren Diversifizierung. Aber auch dort stellt sich die Frage, was bei den Übernahmen mit den Good Wills passiert und ob nicht auch dadurch die Margen verwässert werden.

Non-GAAP-Gewinn je Aktie satte 8,4 Prozent über dem GAAP-Ergebnis

Grundsätzlich scheint das Unternehmen jedoch kurzfristig Rückenwind zu haben. Analysten revidieren die Kursziele für die Aktie reihenweise nach oben. Tatsächlich scheinen die Papiere mit Kurs-Gewinnverhältnissen von 21 und 18 auf Basis der Gewinnschätzungen vor allem auch unter Berücksichtigung der hohen Cashbestände zumindest optisch vernünftig bewertet zu sein. Allerdings ignorieren die Analysten notorisch die so regelmäßig anfallenden „außerordentlichen“ Posten und die Gewinnschätzungen fallen damit regelmäßig zu hoch aus.

Cisco 8-Port-10-Gigabit-Ethernet-Modul

Cisco 8-Port-10-Gigabit-Ethernet-Modul

Alleine im vergangenen Jahr lag der Non-GAAP-Gewinn je Aktie satte 8,4 Prozent über dem GAAP-Ergebnis. Dabei lassen schon die GAAP-Standards viele Unternehmensgewinne optisch besser aussehen, als sie es tatsächlich sind. Und diese Tatsache sollte zu Absicherungsstrategien führen. Denn spätestens wenn die internationalen Netze aufgerüstet sein sollten und wenn die Anleger Aktien wieder kritischer betrachten sollten, dürfte es auch bei Cisco zu einer Korrektur kommen. Kurzfristig mag sie jedoch noch von einer gewissen Eigendynamik des Marktes beflügelt werden.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.



Text: @cri
Bildmaterial: Cisco, FAZ.NET

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