06. Juli 2009 Der Unterschied könnte größer kaum sein: In Kontinentaleuropa und vor allem Deutschland prägt die Sorge über eine stetig steigende Arbeitslosigkeit und eine gleichzeitige Kreditklemme der Banken den Blick auf die Rezession. Die Europäische Zentralbank (EZB) rechnet frühestens im zweiten Halbjahr nächsten Jahres wieder mit einer marginalen Konjunkturbelebung. Global jedoch erwarten angelsächsische Marktbeobachter schon in den kommenden Monaten wieder eine breit angelegte Konjunkturerholung, die sogar die Stimmung an den Finanzmärkten im dritten Quartal weiter ins Positive drehen sollte.
Im bisherigen Verlauf der globalen Finanzkrise lief Kontinentaleuropa – und dabei vor allem Deutschland – der Entwicklung hinterher. Als Land der Verarbeitenden Industrie und der starken Exportorientierung wurde Deutschland relativ spät, dann aber hart von der Weltrezession getroffen. Vor diesem Hintergrund ist es nur konsequent, dass sich die deutsche Konjunktur daher nach dem einsetzenden Aufschwung im Ausland erholen wird.
Kein Wille zum Risiko
In Deutschland ist zudem viel zu lang mit dem Konzept einer Bad Bank“ gezögert worden. Während die angelsächsischen Länder die Entlastung der Bankbilanzen von toxischen“ Kreditpositionen schon vollzogen haben, hat sich Deutschland erst jetzt zu einem Modell durchgerungen, das den Banken – wenn überhaupt – nur marginal Luft für Neugeschäft in der Kreditvergabe verschaffen wird. Zu lange wurde in Deutschland auch die Gefahr einer Kreditklemme unterschätzt. Als im Ausland schon mit Riesenschritten die quantitative Lockerung in der Geldpolitik eingeführt wurde und der britische Staat seinen Staatseinfluss geltend machte, Banken sogar vertraglich zu einer höheren Kreditvergabe zu verpflichten, wurde in Deutschland immer noch gegen diese angelsächsische Politik gewettert.
Gleichzeitig fehlt deutschen Banken, und interessanterweise gerade deutschen Landesbanken, offenbar auch der Wille, Risiko mit neuer Kreditvergabe einzugehen. Wer Teilnehmern von Kreditverhandlungen zuhört, erfährt, dass angelsächsische Hedge-Fonds in Restrukturierungsverhandlungen regelmäßig eher bereit sind, neues Kapital einzuschießen, nicht aber die Banken, vor allem Landesbanken. Die Warnung von EZB-Präsident Jean-Claude Trichet, die Banken dürften ihre Aufgabe der Kreditversorgung nicht vernachlässigen, kommt daher zum richtigen Zeitpunkt. Die EZB hat ihrerseits durch ihre heimliche Zinssenkung“, wie die BHF-Bank den gewaltigen Jahrestender von 442 Milliarden Euro nennt, die Liquiditätsausstattung der Banken erheblich und für längere Zeit erhöht – und indirekt die Geldmarktsätze für kürzere Laufzeiten gesenkt.
Die deutsche Rezessions-Misere verstellt den Blick auf die globale Entwicklung. In Fernost zieht die Konjunktur schon wieder so stark an, dass ein konjunkturschwaches Quartal wieder aufgeholt ist. Die Konjunkturerholung in China und Korea ist in Japan schon zu spüren. Die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt profitiert wieder von der Nachfrage aus China und anderen Ländern in Fernost – und zwar mehr als die Vereinigten Staaten oder Europa. Im Westen ist dagegen ein Negativfaktor zu spüren: Es ist die erste Rezession, von der sich die Konjunktur des Westens erholen muss, obwohl der Ölpreis und die Rohstoffnotierungen steigen – dieses Mal angekurbelt durch die wieder stärkere Nachfrage aus Asien. In früheren Rezessionsphasen zogen die Rohstoffpreise und der Ölpreis erst als Reaktion auf die Konjunkturerholung des Westens an.
Trotzdem haben sich in fast allen westlichen Ländern die Stimmungsindikatoren wieder aufgehellt. Die unerwartet schwachen amerikanischen Arbeitsmarktzahlen vom vergangenen Donnerstag haben den Finanzmärkten freilich einen Schlag versetzt und die technische Korrektur ausgeweitet: Der Deutsche Aktienindex Dax ist vom jüngsten Hoch bei 5170 Punkten fast wieder bis an den Fibonacci-Widerstand von 4650 Punkten gesunken, schloss am Freitag aber knapp über der Marke von 4700 Punkten. Der Markt hatte sich gerade wieder gefangen, nachdem die amerikanischen Arbeitsmarktzahlen die Wall Street beunruhigt hatten und der S&P-500-Index am Donnerstag mit einem Minus von 2,9 Prozent bei 896 Punkten geschlossen hatte. Technisch orientierte Analysten vermuten, die Marktkorrektur könne jetzt beendet sein. Der Dollar zog wieder auf knapp unter 1,40 Dollar je Euro an, der Ölpreis (WTI) gab auf 66 Dollar je Barrel (159 Liter) nach.
Erholung in der verarbeitenden Industrie
Für die globale Konjunkturentwicklung sind zwei Faktoren wichtig: Wann erholen sich die Auftragseingänge und die Produktion der Verarbeitenden Industrie, weil der Prozess des radikalen Lagerabbaus beendet ist – und hält sich der Konsum stabil, obwohl die Arbeitslosigkeit gestiegen ist? Es muss berücksichtigt werden, dass die Verarbeitende Industrie wieder anspringen kann, obwohl die Arbeitslosigkeit noch hoch ist, weil die verbliebene Belegschaft zunächst einmal wieder zur vollen Stundenzahl eingesetzt werden kann. Dies erklärt, warum Marktbeobachter wie JP Morgan erwarten, dass trotz der schlechten Signale von den Arbeitsmärkten ein dramatischer Umschwung“ in der Verarbeitenden Industrie von scharfer Rezession in Richtung sehr starkes Wachstum bevorsteht. Sehr wichtig sind daher die Daten über die Auftragseingänge in der deutschen Industrie am kommenden Dienstag und Zahlen der deutschen Industrieproduktion am Mittwoch.
Eine plötzliche Erholung in der verarbeitenden Industrie erklärt, warum JP Morgan erwartet, dass die Europäische Währungsunion im kommenden Jahr schon wieder ein Wirtschaftswachstum mit einer Jahresrate von 1,7 Prozent erleben könnte. Die EZB hingegen warnt, die Wirtschaft der Währungsunion werde im Jahr 2010 insgesamt noch um 0,3 Prozent schrumpfen.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: F.A.Z.-Kai
| Tops & Flops | Kurs | in % |
| Infineon | 3,72 € | +3,91% |
| Siemens | 63,44 € | +2,79% |
| BAYER AG NA | 55,72 € | +2,79% |
| Allianz | 86,28 € | +2,71% |
| Dt. Telekom | 10,29 € | +2,64% |
| Henkel Vz | 36,92 € | +0,27% |
| Beiersdorf | 45,99 € | +0,22% |
| BMW | 31,82 € | −0,41% |
| FMC | 37,48 € | −0,61% |
| Volkswagen | 73,93 € | −3,04% |
| Name | Kurs | in % |
| DAX | 5.930,53 | +1,70% |
| TecDAX | 817,81 | +0,30% |
| MDAX | 7.454,26 | +0,82% |
| SDAX | 3.547,67 | −0,22% |
| REX | 378,50 | −0,06% |
| Eurostoxx 50 | 2.926,05 | +1,91% |
| Dow Jones | 10.414,10 | +0,83% |
| Nasdaq 100 | 1.828,79 | +1,19% |
| S&P500 | 1.114,05 | +1,05% |
| Nikkei225 | 10.183,50 | +0,41% |
| EUR/USD | 1,4293 | +0,12% |
| Rohöl Brent Crude | 72,89 $ | −0,14% |
| Gold | 1.105,50 $ | +0,09% |
| Bund Future | 122,90 € | −0,43% |
| Gesamt- Index |
Durchschnitt 90 Tage |
Durchschnitt 200 Tage |
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|---|---|---|---|
Aktien-Index21.12.2009 13:00 |
1383,26 | 1347,84 | 1293,81 |
Performance-Index21.12.2009 17:35 |
308,08 | 297,82 | 283,23 |
Euro-Aktien-Index21.12.2009 17:35 |
144,11 | 141,11 | 130,06 |
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