14. Mai 2008 Jahrelang war die Beteiligung an einer Bank eine ebensolche sichere, wenn es um die Ergebnisse eines Unternehmens ging. Seit die Finanzkrise den Sektor in ihren Klauen hat, trifft das indes nicht mehr zu. Das hat auch die Deutsche Post im ersten Quartal hart zu spüren bekommen.
Während sich die Auswirkungen der vollständigen Öffnung des deutschen Briefmarkts nach Darstellung des Unternehmens zum Jahreswechsel in Grenzen hielten, schlug der Gewinnrückgang der Postbank voll auf die Ergebnisse der Post selbst durch.
Briefmarkt-Liberalisierung kaum spürbar
Bei einem um 1,5 Prozent leicht höheren Umsatz von 15,7 Milliarden Euro sank der Gewinn nach Steuern um 18,4 Prozent auf 407 Millionen Euro. Das Betriebsergebnis vor Einmaleffekten stieg indes um 6,4 Prozent auf rund eine Milliarde Euro. Das schloss aber die Abschreibungen der Postbank aus, so dass es um 14,7 Prozent auf 851 Millionen Euro.
Das erste Quartal des Jahres sei damit nach Plan verlaufen, erklärte die Post AG, auch wenn die Analysten im Schnitt mit einem Umsatzanstieg auf 15,944 Milliarden Euro kalkuliert hatten. Angesichts der fehlenden Arbeitstage und der konjunkturellen Eintrübung war das Geschäft im ersten Quartal sehr zufriedenstellend, sagte Finanzvorstand John Allan.
Der Umsatz im Briefbereich ging im ersten Quartal um 1,4 Prozent auf 3,9 Milliarden Euro zurück, wobei dies nicht zuletzt auf eine geringere Zahl an Arbeitstagen zurückgeht. Das Betriebsergebnis sank um 9,2 Prozent auf 599 Millionen Euro. Spürbare Auswirkungen der Liberalisierung gab es offenbar nicht. Per saldo habe man mehr Kunden gewonnen als verloren.
Ein Zukunftsgeschäft wird das Geschäftsfeld Brief-Kommunikation indes kaum mehr werden,da elektronische Kommunikationsformen die Nachfrage begrenzen. Starker Wettbewerb zeigte sich im Bereich Werbesendungen, wo trotz höherer Volumina der Quartalsumsatz um 2,7 Prozent zurückging. Dafür zeigt sich der Paketbereich mit steigenden Umsätzen im Onlinehandel lebhaft: Hier kletterte der Umsatz in Deutschland um 1,3 Prozent.
Amerika enttäuscht weiterhin
Nicht viel neues gibt es vom problematischen Amerikageschäft. In allen Regionen wuchs der Umsatz der Kurierdienste - außer in den Vereinigten Staaten. Insgesamt sank der Umsatz in der Region Amerika um 10 Prozent, wobei die Post dabei auch und vor allem unter dem schwachen Dollar litt. In lokalen Währungen verzeichnete die Region ein organisches Umsatzplus von 2,2 Prozent, was sowohl auf Zuwächse in Lateinamerika als auch auf zunehmende Volumina in Einzelbereichen des Geschäfts in den Vereinigten Staaten zurückzuführen sei.
Nichtsdestoweniger sank das Betriebsergebnis des Bereichs Express um 32 Prozent auf 21 Millionen Euro, wobei das Unternehmen die Wirtschaftsentwicklung in den Vereinigten Staaten als einen der maßgeblichen Faktoren betrachtet.
Allzu zufrieden ist man auch nicht. Das amerikanische Express-Geschäft laufe weiterhin enttäuschend, so Allan. Wir haben in Lateinamerika ein Volumenwachstum erzielt, in den Vereinigten Staaten aber nicht, sagte er im Rahmen einer Telefonkonferenz. Über den Plan für die strategische Neuausrichtung soll der Aufsichtsrat bei dessen Sitzung am 28. Mai entscheiden. Wir fühlen uns sehr wohl mit dem Plan. Er wird spürbare Verbesserungen des Geschäfts nach sich ziehen, sagte Allan.
Prognose dennoch bekräftigt
Europas größter Logistiker bekräftigte seine Prognose und peilt ein Betriebsergebnis vor Einmaleffekten von rund 4,2 Milliarden Euro sowie einen Vorsteuergewinn von rund 3,2 Milliarden Euro an. Zwar sei man sich der Unsicherheiten bezüglich der weltweiten konjunkturellen Entwicklung bewusst, sehe aber zu diesem Zeitpunkt keinen Grund, von der Gesamtjahresprognose abzuweichen.
Insgesamt lasen sich die Geschäftszahlen wenig spektakulär. Die Einschätzungen sind recht unterschiedlich, in der Tendenz aber leicht enttäuscht. Händler kritisierten auch die Vergleichbarkeit. Die Schätzungen bezögen sich vermutlich auf eine Mischung zwischen bereinigtem und unbereinigtem Ergebnis beziehen - das erschwere etwas den Vergleich.
Auch darüber hinaus gibt es bislang wenig Spektakuläres, weder zum Verkauf der Postbank, noch eben zum Amerika-Geschäft. Insofern überrascht nicht, dass der Handel mit leichten Abschlägen eröffnete.
Warten auf Amerika
Seit Anfang 2007 befindet sich die Aktie in einem Abwärtstrend, konnte sich aber wie viele Papiere Mitte März wieder etwas fangen. Derzeit fehlen Impulse, die Spekulationen um die Postbank sorgten nur kurzzeitig für eine Erholung. Angesichts einer eher moderaten Bewertung mit Kurs-Gewinn-Verhältnissen auf Basis der Analysten-Prognosen von 11,8 für das laufende und 9,8 für das kommende Jahr und angesichts einer Dividendenrendite von knapp fünf Prozent besteht auch nicht unbedingt Abwärtspotential.
Der nächste Impuls ist von den Plänen für das Amerika-Geschäft zu erwarten, auch angesichts der Tatsache, dass die amerikanischen Kurierdienste UPS und FedEx zuletzt ihre Prognosen aufgrund der schwachen Konjunkturlage zurücknehmen mussten. Auf die Antwort der deutschen Post darf man daher gespannt sein, allzumal diese schon in guten Zeiten mit der Entwicklung nicht zufrieden sein konnte.
Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht der FAZ-Redaktion wider.
Text: mho/pwe
Bildmaterial: dpa, F.A.Z.
| Tops & Flops | +/- | Prozent |
|---|---|---|
| MERCK KGAA INHABER - | +3,42 | +4,55 |
| DEUTSCHE BÖRSE AG NA | +1,64 | +2,15 |
| FRESENIUS MEDICAL CA | +0,60 | +1,73 |
| DAIMLER AG NAMENS - | -4,09 | -9,61 |
| THYSSENKRUPP AG INHA | -1,90 | -5,67 |
| MAN AG STAMMAKTIEN O | -3,81 | -5,54 |
| Name | Punkte | Prozent |
|---|---|---|
| Dax | 6.440,70 | -1,46 |
| TecDax | 721,58 | -3,36 |
| DowJones | 11.424,68 | -1,79 |
| Nasdaq | 2.297,13 | -1,24 |
| STOXX 50 | 3.354,58 | -0,97 |
| Nikkei 225 | 13.603,31 | +2,18 |
| Euro/Dollar | 1,57 | -0,19 |
| Bund Future | 110,94 | +0,75 |
| Gold | 924,85 | +0,34 |
| Öl | 124,98 | -1,22 |
