Finanzmärkte

Wall Street erwartet geringere Gewinne

Kritischer Blick auf die Gewinnentwicklung

Kritischer Blick auf die Gewinnentwicklung

02. Juli 2008 An der Wall Street sind die Gewinnerwartungen für die im breitgefassten Aktienindex S&P 500 abgebildeten Aktiengesellschaften rapide gefallen. Nach Angaben des Finanzinformationsdienstes Thomson Reuters erwarten Analysten für das zweite Quartal jetzt im Durchschnitt einen Rückgang der operativen Gewinne um 11,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

„Das wäre das erste Mal seit 2002, dass der S&P 500 vier Quartale in Folge eine negative Wachstumsrate ausweist", sagt Analyst John Butters von Thomson Reuters. Am Anfang des Quartals hatten die Auguren noch auf einen mäßigeren Rückgang von nur 2 Prozent gehofft.

Prognosen für die kommenden Quartal werden mehr und mehr zurückgenommen

Auch die Prognosen für die kommenden Quartale sind mittlerweile etwas zurückgenommen worden, obwohl Analysten für diesen Zeitraum wieder mit einem Anstieg der Gewinne rechnen. Die Gewinnentwicklung der Unternehmen spielt eine wichtige Rolle für den langfristigen Trend der Aktienkurse. Die an der Wall Street deswegen stark beachtete Berichtssaison für das zweite Quartal beginnt inoffiziell am Dienstag der kommenden Woche mit dem Bericht des Aluminiumprozenten Alcoa.

Die größte Bremse für die Gewinnentwicklung im vergangenen Quartal dürften erneut die Finanzwerte sein, die unter der anhaltenden Immobilien- und Hypothekenkrise leiden. Aber auch der nachlassende Konsum und die deswegen schleppende Konjunktur wirken sich auf die Ergebnisse der Unternehmen aus. Für das Segment der konjunktursensiblen Unternehmen im S&P 500, zu dem zum Beispiel die Autohersteller und Hausbau-Unternehmen gehören, rechnen Analysten daher mit einem Gewinnrückgang von 16 Prozent. Das einzige Segment im S&P 500, das derzeit steigende Gewinnaussichten rechtfertigt, ist die Energiebranche. Dazu gehören Erdöl- und Erdgasproduzenten, die von den steigenden Rohstoffpreisen profitieren. Für die Verbraucher, die mehr als zwei Drittel zur amerikanischen Wirtschaftsleistung beitragen, sind die steigenden Preise für Benzin - und auch für Nahrungsmittel - aber eine große Belastung.

Diese Gemengelage hat den amerikanischen Aktienmarkt an den Rand einer Baisse geführt. Am Ende des Quartals war der Dow-Jones-Index gegenüber seinem Rekordhoch um 19,9 Prozent gefallen. Eine Baisse wird als Kurseinbruch um 20 Prozent definiert. Seither haben sich die Kurse wieder etwas erholt. Der S&P 500 war um 18,2 Prozent unter seinen jüngsten Höchststand abgeglitten. Allein im Juni war der Dow um 10,2 Prozent abgesackt. Das war der schwächste Juni an der Börse seit der Weltwirtschaftskrise in den dreißiger Jahren. Der Dow hatte zuletzt in den Jahren 2000 bis 2002 eine Baisse verzeichnet. Damals war die Spekulationsblase bei Technologie- und Internetwerten geplatzt.

Sind schlechte Nachrichten bereits in den aktuellen Kursen reflektiert?

An der Wall Street wird nun debattiert, ob die schlechten wirtschaftlichen Nachrichten bereits in den aktuellen Kursen reflektiert sind oder ob ein weiterer Kursrutsch droht. Bob Doll, der Chefanleger des Vermögensverwalters Black Rock, glaubt, dass sich die Kurse in der zweiten Jahreshälfte erholen dürften, wenn auch mühsam. Entscheidend wird nach Ansicht von Fachleuten die Entwicklung des Ölpreises sein, der im zweiten Quartal um 38 Prozent gestiegen war. Wenn die Ölpreise nachgeben sollten, dürften die Aktienkurse Auftrieb erhalten, meint Tobias Levkovich, Chefanlagestratege bei der Großbank Citigroup. Denn das würde den finanziellen Druck auf Verbraucher und Unternehmen mindern, die derzeit unter den hohen Kosten für Transport leiden.

Als Zünglein an der Waage gelten die Finanzwerte, die im S&P 500 stark gewichtet sind. Nachdem die Notenbank Fed im März mit dem von ihr unterstützten Notverkauf der angeschlagenen Investmentbank Bear Stearns an die Großbank J.P. Morgan Chase wahrscheinlich einen Kollaps der Finanzmärkte unterbunden hatte, hatten sich die Kurse der Finanztitel zunächst erholt. Im Juni kamen an der Wall Street aber wieder Zweifel an der Verfassung der Bank-Bilanzen auf. Analysten prognostizieren der Branche wegen notleidender Engagements bei Hypotheken erneute Wertberichtigungen in mehrstelliger Milliarden-Dollar-Höhe.

Text: nks./F.A.Z.
Bildmaterial: AP, F.A.Z., FAZ.NET, M.M.WARBURG INVESTMENT RESEARCH

© Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH 2009.
Alle Rechte vorbehalten.
Vervielfältigungs- und Nutzungsrechte erwerben
Verlagsinformation

Zahlen Sie zu viel für Ihre Kfz-Versicherung? Jetzt mit dem neuen Kfz-Versicherungsrechner Ihre Versicherungspolice überprüfen ...

Dax
Tec
Dow
Nas
06.11.2009 | 17:45
Dax 5.488,25
+0,13 %
 
        Vortag
Dax
Tec
Dow
Nas
06.11.2009 | 17:35
Tops & Flops Kurs in %
Lufthansa 11,06 € +2,98%
Daimler 33,21 € +1,68%
MAN 56,17 € +1,37%
Volkswagen 109,18 € +1,32%
Commerzbank 6,95 € +1,16%
FMC 34,93 € −0,60%
Münchener Rück. 105,31 € −0,84%
BASF 37,55 € −0,84%
Salzgitter 62,96 € −0,88%
SAP 31,45 € −0,95%
09.11.2009 | 02:45
Name Kurs in %
DAX 5.488,25 +0,13%
TecDAX 749,78 −0,03%
MDAX 7.084,74 +0,96%
SDAX 3.465,16 +1,09%
REX 372,70 −0,02%
Eurostoxx 50 2.794,25 +0,03%
Dow Jones 10.023,40 +0,17%
Nasdaq 100 1.730,76 +0,56%
S&P500 1.069,30 +0,25%
Nikkei225 9.789,35 +0,74%
EUR/USD 1,4891 +0,12%
Rohöl Brent Crude 76,51 $ +0,05%
Gold 1.096,75 $ +0,71%
Bund Future 120,85 € −0,18%
Gesamt-
Index
Durchschnitt
90 Tage
Durchschnitt
200 Tage
Aktien-Index
06.11.2009 13:00
1315,77 1321,61 1260,60
Performance-Index
06.11.2009 17:35
291,63 292,08 274,04
Euro-Aktien-Index
06.11.2009 17:35
139,56 136,19 124,82
F.A.Z.-Renten-Rendite
FAZ.NET Suchhilfe
F.A.Z.-Archiv Profisuche
nach oben

F.A.Z. Electronic Media GmbH 2001 - 2009

Quellen: Technologie und Kursdaten von der TeleTrader Software AG sowie Fondsdaten aus der FWW-Fondsdatenbank, FWW GmbH. Dieser Service ist powered by X.finance GmbH & Co. KG, © 2009. Alle Börsendaten werden mit mindestens 15 Minuten Verzögerung dargestellt.