Halbleiterindustrie

AMD-Aktie könnte kurzfristig weiter laufen

Stark nachgefragt: Notebook-Chip Turion von AMD

Stark nachgefragt: Notebook-Chip Turion von AMD

12. Oktober 2005 Der zweitgrößte Hersteller von Mikroprozessoren, Advanced Micro Devices (AMD), hat aufgrund einer starken Nachfrage den Gewinn im dritten Quartal überraschend steigern können. Der Nettogewinn wuchs gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 74 Prozent auf 76 Millionen Dollar oder 18 Cents je Aktie gegenüber zwölf im Vorjahresquartal. Analysten hatten im Durchschnitt mit einem Rückgang auf acht Cent gerechnet.

Der Nettoumsatz legte um 23 Prozent auf 1,52 Milliarden Dollar zu. Hier hatten Branchenexperten im Schnitt 1,38 Milliarden Dollar erwartet. Der Trend wird sich AMD zufolge im vierten Quartal fortsetzen. Man werde den Umsatz mit Mikroprozessoren um 42 Prozent bis 50 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal steigern können, prognostizierte Vorstandschef Hector Ruiz.

Nach neun Monaten immer noch unter Vorjahr

Auch die Flash-Memory-Sparte konnte das Ergebnis verbessern. Der Verlust bei Spansion schrumpfte von 90 auf 50 Millionen Dollar und damit fast doppelt so stark wie der Umsatz, der von 538 auf 516 Millionen Dollar abnahm.

Unter dem Strich hat sich AMD damit deutlich verbessert, an die guten Zahlen des Vorquartals anschließen können und die damals gemachten optimistischen Prognosen erfüllt. Dennoch sind die Folgen des schwachen ersten Quartals bilanziell immer noch nicht kompensiert. Zwar liegt der neun-Monats-Umsatz mit vier rund Milliarden Dollar mittlerweile 7,3 Prozent über dem der ersten neun Monate des Vorjahres, doch das Betriebsergebnis beläuft sich bei 25,94 Millionen Dollar nur auf 12,8 Prozent des Vorjahreswerts. Auch das Ergebnis je Aktie erreicht nur wenig mehr als die Hälfte des Vorjahreswerts.

Ursächlich dafür ist das katastrophale Abschneiden von Spansion zu Jahresbeginn. Insofern ist das leicht Verhaltene in den wohlwollenden Analystenkommentaren auch nicht zu überhören: „Die Entwicklung bei Mikroprozessoren war sehr stark und eine erwartete, wenngleich willkommene Verbesserung bei dem bisherigen Desaster im Flash-Memory-Bereich“, sagte Rick Whittington, Analyst bei Caris & Co. in New York und fügte hinzu: „Wenn etwas enttäuscht hat, dann die Tatsache, daß der Anstieg der Bruttomarge angesichts des hohen Umsatzanstiegs nicht größer ausgefallen ist.“ Er vermutet, daß hohe Umsätze beim preiswerten und niedrigmargigen Sempron-Chip dies verhindert hätten.

Preise bei Flash-Memory immer noch unter Druck

AMD, nicht immer bekannt für Bescheidenheit, strotzte auch diesmal vor Optimismus. Finanzchef Robert Rivet sagte, die Preise für Flash-Memory hätten sich stabilisiert. Indes sank der Umsatz trotz eines um 15 Prozent höheren Absatzes, wie ihn Rivet bekannt gab, um 22 Millionen Dollar. Damit wäre der durchschnittliche Verkaufserlös aber um über 16 Prozent gefallen. Das ist nicht unbedingt das, was man landläufig unter einer Stabilisierung von Preisen versteht. Im April soll Spansion verselbständigt und an die Börse gebracht werden.

Unverkennbar ist, daß wie FAZ.NET schon bei Vorlage der Ergebnisse für das zweite Quartal schrieb (AMD-Aktie als langfristes Investment zu teuer), daß das Unternehmen auf dem richtigen Weg zu sein scheint, die Probleme im Flash Memory-Bereich zu lösen und bei Mikroprozessoren Marktanteile zu gewinnen. Das aber ist auch der Vorteil eines niedrigen Ausgangsniveaus.

Aus diesem Grund könnte die AMD-Aktie auch noch eine Weile weiter so gut laufen, wie sie es in den vergangenen drei Monaten getan hat, als sie rund 20 Prozent zulegte. Auch die Analysten, die bereits im Juli die Prognosen anhoben, eilen den Ergebnissen hinterher und gaben im Schnitt sieben Cent pro Aktie obendrauf.

Kurzfristig trotz hoher Bewertung im Trend

Doch die Bewertung kommt auch weiterhin den Kursen nicht nach. Lag das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) für das laufende Jahr je nach Schätzung vor einem Vierteljahr zwischen 60 und 200, so hat es sich auf 60 bis 130 „reduziert“. Für 2006 ist das KGV indes von 19 bis 29 auf 27 bis 70 gestiegen. Intel erreicht ein KGV von rund 16 für das laufende und 14,7 für das kommende Jahr.

Im Endeffekt hat sich also bei AMD gegenüber dem Vorquartal insofern nicht viel getan als der Kursanstieg der Ergebnis- und Umsatzentwicklung gefolgt ist. Charttechnisch liegt AMD nunmehr seit Mitte 2003 im Aufwärtstrend. Langfristig aber ist das Papier volatil. Zudem hat es bisher praktisch keine nachhaltige Wertsteigerung gebracht, sondern notiert gerade einmal gut ein Prozent höher als im März 1997. Auch die Aktien anderer Prozessorenbauer teilen dieses Schicksal.

Denn das Prozessoren-Geschäft ist eben zyklisch, so daß die AMD-Aktie mit Sicherheit wieder auf realistischere Bewertungsdimensionen zurückfallen wird. Momentan läuft es aber gut, weil das Unternehmen nach Problemen in der Vergangenheit gerade im Server-Bereich Alternativen zu Intel-Chips bietet.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.



Text: @mho mit Material von Dow Jones, Reuter, dpa.
Bildmaterial: AMD, FAZ.NET

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