Strategie

Brückeneinsturz: Infrastruktur-Aktien im Fokus

03. August 2007 Der Zusammenbruch einer 40 Jahre alten Autobahnbrücke über den Mississippi hat die lange vernachlässigten Aktien aus dem amerikanischen Infrastruktur-Sektor in den Fokus der Anleger gerückt. Das Unglück machte deutlich, wie dringlich Investitionen in die öffentliche Infrastruktur der weltgrößten Volkswirtschaft sind.

Um diese wieder in einen guten Zustand zu bringen, sind nach Einschätzung der American Society of Civil Engineers Investitionen von 1,6 Billionen Dollar oder umgerechnet etwa 1,2 Billionen Euro nötig. Der Umfang der nötigen Arbeiten verheißt Bau- und Architekturunternehmen ebenso gute Gewinne und steigende Aktienkurse wie den Beratungsunternehmen, die mit der öffentlichen Hand zusammenarbeiten.

Für die Ausbesserung muss Geld locker gemacht werden

„Für die Ausbesserung von Highways, Brücken und Transitsystemen muss in unserem Land Geld locker gemacht werden“, stellt Analyst Steven Fisher von UBS Securities fest. Der Markt für zivile Infrastruktur beginne bereits zu wachsen. So seien im Jahr 2005 Projekte über insgesamt 265 Milliarden Dollar für die Verbesserung des Autobahnsystems auf den Weg gebracht worden.

Andy Kaplowitz von Lehman Brothers schließt sich dem Urteil seines Kollegen an: Nachdem das Thema Infrastruktur 20 Jahre lang vernachlässigt worden sei, habe der Staat in den vergangenen Jahren „langsam, aber stetig“ investiert. Wie zerbrechlich die Infrastruktur aber dennoch sei, habe auch die jüngste Explosion einer Fernheizungsleitung aus den zwanziger Jahren in New York City gezeigt. „Wenn die Öffentlichkeit einmal auf ein Problem aufmerksam geworden ist, steigt jedoch der Druck auf die Regierung, zu handeln.“

Von verstärkten Investitionen profitierten hauptsächlich regional tätige Privatunternehmen, sagt Kaplowitz. Unter den großen, börsennotierten Unternehmen sei es aber nur eine Handvoll, die zu den möglichen Gewinnern gezählt werden könnten.

Dazu gehörten die Bau- und Beratungsunternehmen Aecom Technology, Jacobs Engineering Group, Fluor sowie das Achitektur- und Planungsunternehmen URS. Auch Quanta, der größte amerikanische Anbieter von Infrastrukturdiensten, der Tunnel-, Brücken- und Dammspezialist Granite Construction sowie der Infrastrukturdienstleister Washington Group International gehörten zu den wahrscheinlichen Nutznießern der verstärkten Investitionen, heißt es.

Bau- und Planungsunternehmen haben schon länger Rückenwind - Aktien sind nicht günstig

Die Aktie von Aecom hat seit dem Börsengang im Mai mehr als 25 Prozent zugelegt. Am Donnerstag, dem Tag nach der Brückenkatastrophe in Minneapolis, kletterte der Kurs 4,34 Prozent, am Freitag legt sie weitere 3,3 Prozent auf 27,27 Dollar zu. Ihr Trend zeigt weiterhin nach oben, allerdings ist die Aktie mit Kurs-Gewinnverhältnissen von 25,5 und 22,8 auf Basis der Gewinnschätzungen für das laufende und das kommende Geschäftsjahr alles andere als ein Schnäppchen.

Die Titel von Jacobs Engineering zogen am Donnerstag um 3,1 Prozent an, allerdings gaben die Papiere dieses Unternehmens am Freitag wieder leicht nach. Gegenüber dem Jahresanfang zeitigten sie ein Kursplus von knapp 52 Prozent. Auch hier zeigt der Trend steil nach oben, allerdings ist auch diese Aktie mit Kurs-Gewinnverhältnissen von 26,8 und 23,3 alles andere als billig. Immerhin zeigten in den vergangenen Jahren sowohl die Umsatz- als auch die Gewinnentwicklung deutlich nach oben. Das deutet darauf hin, dass das Unternehmen gut im Geschäft ist. Aus diesem Grund könnte die Aktie zumindest längerfristig orientierten Anlegern dann gewisse Reize bieten, wenn die Vereinigten Staaten einen Teil der riesigen für das Militär verschwendeten Summen in die heimische Infrastruktur umlenken würden.

Auch die Aktie der Fluor Corporation konnte in den vergangenen Jahren in einem vergleichsweise robusten Aufwärtstrends satte Kursgewinne verbuchen. Der Trend zeigt auch hier immer noch nach oben. Allerdings ist diese Aktie mit Kurs-Gewinnverhältnissen von 30,2 und 24,5 noch teurer als die anderen. So ist die Aktie der URS Corporation in ihrem Aufwärtstrend mit KGVs von 20 und 18 etwas günstiger.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.



Text: @cri
Bildmaterial: AFP, AP, AP Photo/Pioneer Press, Scott Takushi, AP Photo/St. Paul Pioneer Press, Scott Takushi, FAZ.NET, REUTERS

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