Finanzmarkt

Aktien zum Liquidieren

Von Achim Matzke

03. Juli 2009 Die wichtigen internationalen Aktienindizes stecken nach der dreimonatigen kräftigen Kurserholung seit Anfang Juni in Konsolidierungen. Die Korrektur sollte sich zunächst fortsetzen.

Anleger sollten diese Phase zur Überprüfung und Verbesserung der technischen Portfoliostrukturen nutzen. Im Fokus sollten dabei „Liquiditätsbeschaffungs-Charts“ stehen.

Aktien von BP, BAT und Vodafone sind „Liquiditätsbeschaffer“

Die Aktie des britischen Öl-und-Gas-Konzerns BP bietet sich momentan zur Liquiditätsbeschaffung an

Die Aktie des britischen Öl-und-Gas-Konzerns BP bietet sich momentan zur Liquiditätsbeschaffung an

Diese stehen für Standardwerte, bei denen sich während des Kursaufschwungs der vergangenen Monate die mittel- und langfristige technische Lage kaum verbessert hat und die technischen Hinweise auf eine nachhaltige Veränderung in den kommenden Wochen fehlen. Im ersten Teil dieser Analyse sollen europäische Standardwerte aus dem Stoxx 50 und dem Euro Stoxx 50 im Mittelpunkt stehen, wobei aktuell klassische technische Liquiditätsbeschaffer und Tauschkandidaten die britischen BP, British American Tobacco und Vodafone, die französischen Danone und Vivendi sowie die niederländische Philips sind.

Der britische Öl-und-Gas-Konzern BP ist nach Streubesitz die größte Aktie in Europa und im Stoxx 50 mit einem Indexgewicht von 5,2 Prozent vertreten. Die Aktie befindet sich bereits seit März 2005 (Start bei 723 britischen Pence) in einer moderaten Baisse, wobei der zentrale Baisse-Trend aktuell bei 620 Pence liegt. Nach der Abwärtsbeschleunigung im August/September 2008 (Kursrutsch bis auf 370 Pence) ist die Aktie in eine langfristige Seitwärtspendelbewegung unterhalb der gestaffelten Widerstandszone von 538 bis 567 Pence hineingelaufen.

Hier fehlen aus mittelfristiger Sicht die Hinweise, dass ein Verlassen dieser Seitwärtspendelbewegung ansteht. Da BP im Stoxx 50 und im Öl-und-Gas-Sektor eine moderate relative Schwäche aufweist und im Bereich der technisch defensiven Standardwerte (mit attraktiven Dividendenrenditen) technisch interessante Werte vorhanden sind, bietet sich die Aktie zur Liquiditätsbeschaffung, zum Tausch in andere europäische Standardwerte und in einem indexorientierten Portfolio zur Untergewichtung an.

Philips zur Liquiditätsbeschaffung oder für Tausch nutzen

Der französische Nahrungsmittelkonzern Danone hatte von März 2003 bis Februar 2007 eine für einen defensiven technischen Standardwert ausgeprägte Hausse durchlaufen, wobei auch mehrmals aufgetauchte Übernahmespekulationen für einen Gesamtkursanstieg von 24,60 auf 60,60 Euro sorgten (Kursniveaus sind bereinigt um zwischenzeitliche Kapitalmaßnahmen durch das Unternehmen). Diese Hausse mündete im Jahr 2007 in eine Seitwärtspendelbewegung, die den technischen Charakter eines „Dreifach-Tops“ aufweist. Deshalb überrascht es nicht, dass Danone, begleitet von mehreren Verkaufssignalen, ab dem zweiten Quartal 2008 in eine Baisse hineingelaufen ist. In den vergangenen Quartalen hat sich bei der Aktie ein idealtypischer Baisse-Kanal herausgebildet.

Trotz der bisher aufgetretenen Kurshalbierung bis auf 31,20 Euro im März 2009 ist Danone der Kurserholung in den wichtigen Standardwerteindizes kaum gefolgt. Ein Grund für diese unveränderte mittelfristige relative Schwäche zum Beispiel gegenüber dem Euro Stoxx 50 dürfte auch die zuletzt vorgenommene umfangreiche Kapitalmaßnahme sein. Da Danone in den vergangenen Hausse- und Baisse-Zyklen zunächst eine zeitlich ausgedehnte Top- und Bodenformation herausbildete, bevor sich der Wert der Gesamtmarkttendenz anschloss, sollte aufgrund des unverändert eingetrübten mittel- und langfristigen technischen Gesamtbildes nicht mehr als der Eintritt in eine Bodenformation zum Beispiel oberhalb der Unterstützungszone um 31 Euro erwartet werden. Damit bietet sich auch Danone für eine Liquiditätsbeschaffung oder einen Tausch in andere Titel an.

Der niederländische Konzern Philips, der im Sektorindex Stoxx Personal & Household Goods angesiedelt ist und dort aktuell an Position 6 mit einem Sektorgewicht von 7,2 Prozent steht, hat seit dem Spätsommer 2007 eine sehr ausgeprägte Baisse hinnehmen müssen. Bei einer von mehreren Verkaufssignalen und intakten Abwärtstrends begleiteten Baisse-Bewegung ist Philips von 33,30 Euro im Juli 2007 bis auf 10,80 Euro im April 2009 zurückgefallen (Gesamtbaisse-Verlust von 67,5 Prozent). Hierbei hat die mittelfristige relative Schwäche besonders in den letzten Monaten Philips zum kleinsten Titel im Stoxx 50 gemacht, so dass die Aktie die Diskussion um eine automatische Entnahme aus diesem Standardwerteindex bei der nächsten regulären Index-Überprüfung im September 2009 nur noch schwer loswerden sollte. Zwar deutet sich auch bei Philips seit dem Dezember 2008 ein Hereinlaufen in eine Seitwärtspendelbewegung oberhalb der gestaffelten Unterstützungszone von 10,80 Euro bis 11,80 Euro an, jedoch sollte das vollständige Herausbilden einer technischen Bodenformation noch Monate in Anspruch nehmen. Aufgrund dieser wenig interessanten mittel- und langfristigen technischen Gesamtlage sollte auch Philips zur Liquiditätsbeschaffung oder für einen Tausch genutzt werden.

Der Autor leitet das europäische Index-Research von Commerzbank Corporates & Markets.



Text: F.A.Z.
Bildmaterial: AFP, F.A.Z.

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