Mode

Inditex-Aktie weiter auf Rekordfahrt

Seit diesem Jahr auch in Schanghai: Zara

Seit diesem Jahr auch in Schanghai: Zara

13. Dezember 2006 H&M kennt jeder, Inditex dagegen ist den wenigsten bekannt. Dabei haben die Spanier die Schweden längst als Europas größten Modekonzern überholt. Die stärkste Inditex-Marke dürfte den meisten geläufiger sein: Die Zara-Kette gehört den Spaniern.

Auch die Aktie dürfte dem ein oder anderen aufgefallen sein, denn der Chart zeigt seit Jahren nach oben: Die Inditex-Titel haben in diesem Jahr mehr als 50 Prozent an Wert gewonnen, die H&M-Aktien dagegen „nur“ 25 Prozent. Am Mittwoch kletterte die Aktie auf ein neues Rekordhoch, am Nachmittag lag sie in Madrid 7,6 Prozent im Plus bei 42,59 Euro (Isin ES0148396015).

Bei Zara im nordspanischen Arteixo

Bei Zara im nordspanischen Arteixo

Zu erklären ist das mit guten Quartalszahlen - Inditex übertraf zum achten Mal in Folge die Erwartungen der Analysten. Das Unternehmen verdiente nach Angaben vom Mittwoch in den neun Monaten bis Ende Oktober netto 634 Millionen Euro, das ist gut ein Fünftel mehr als vor einem Jahr. Beim Umsatz verbuchte Inditex ebenfalls einen Anstieg um ein Fünftel auf 5,67 Milliarden Euro.

Rasanter Aufstieg ohne Werbung

Die Marke Zara steht für relativ billige und äußerst aktuelle Mode für ein eher junges Publikum, ähnlich der schwedischen Konkurrenz H&M, die Inditex im vergangenen Geschäftsjahr (31. Januar) mit einem Umsatz von 6,74 Milliarden Euro erstmals überflügelt hat. Erstaunlich ist, daß Inditex diese Position Aufstieg gänzlich ohne klassische Anzeigen oder Werbespots im Fernsehen geschafft hat.

Am Anfang - in den siebziger Jahren - stand die Geschäftsidee, den durchschnittlich wenig begüterten Spanierinnen erschwingliche Mode nach teurem Pariser Vorbild zu bieten. Dieser Anfang allerdings war schwer. Nach der Gründung des ersten Zara-Ladens in La Coruña 1975 schaffte es der Gründer Amancio Ortega bis 1979 lediglich, zwei weitere Filialen zu eröffnen. Dann zahlte er seinen damaligen Geschäftspartner, einen Kleiderfabrikanten, aus, und die Erfolgsgeschichte Zara begann.

Innerhalb von nur einem Jahr eröffnete er sieben weitere Zara-Geschäfte in Galicien, und das Unternehmen arbeitete von nun an mit Gewinn. Sein Kalkül mit der kopierten, günstigen Mode ging auf, weil die Spanierinnen damals zwar noch relativ wenig Geld hatten, sich aber mit der allmählichen Öffnung des Landes dem Modebewußtsein des übrigen Westeuropas anpassen wollten, das sie über eigene Auslandsreisen und die Massenmedien langsam kennenlernten.

Zahl der Geschäfte seit dem Börsengang verdreifacht

Bereits Ende der achtziger Jahre gab es in Spanien kaum noch eine größere Stadt ohne Zara-Geschäft. 1988 eröffnete Inditex in Portugal den ersten Laden im Ausland - eine erstaunliche internationale Karriere begann. Seit seinem Börsengang 2001 hat der Konzern die Zahl seiner Geschäfte auf über 3.000 verdreifacht. Die Zahl der Länder mit Inditex-Geschäften verdoppelte sich in dieser Zeit auf 64. Allein in den vergangenen zwölf Monaten schuf das Unternehmen 11.739 neue Stellen, inzwischen arbeiten 65.710 Menschen bei Inditex. In diesem Jahr peilt das Unternehmen 450 Geschäftseröffnungen an und im kommenden Jahr mindestens ebenso viele. H & M betreibt weltweit gut 1.300 Geschäfte.

Allein mit billigen Modekopien hat Inditex diesen internationalen Aufstieg nicht bewältigen können. Zunächst kam dem Konzern zugute, daß sich Spanien zum internationalen Urlaubsziel entwickelt hat. Daß die Urlauber Zara überhaupt wahrnahmen, lag wesentlich an der Entscheidung Ortegas, sein Geld nicht in die klassische Vermarktung zu stecken, sondern in den besten Lagen Spaniens attraktive Geschäfte zu eröffnen - ein Konzept, das er später auch auf das Ausland übertrug.

Hinzu kam Mund-zu-Mund-Propaganda. So sprach sich zunächst in Spanien und später auch im Ausland speziell unter jüngeren Frauen herum, daß man im Zara-Laden schnell zugreifen muß - Inditex wechselt das Sortiment zweimal in der Woche. So besitzt die Zentrale stets den Überblick darüber, welche Schnitte und Formen in welchen Regionen gerade gefragt sind.

Nur ein Drittel der Produktion aus Asien

Vor allem diese Geschwindigkeit hat Inditex noch immer den allermeisten Konkurrenten voraus. Sie beruht auf einer Besonderheit in einer Branche, die mittlerweile überwiegend in Billiglohnländern fertigen läßt. Inditex dagegen konzipiert, produziert und vertreibt seine Mode jedoch meist unter eigenem Dach. So gehört ein Dutzend Kleiderfabriken mehrheitlich auf der Iberischen Halbinsel zum Konzern; aus Asien stammt nur ein Drittel der Produktion.

Die überragende Ertragskraft - 2005 erreichte der Nettogewinn zwölf Prozent vom Umsatz - gibt einen Hinweis darauf, daß Inditex den Nachteil bei den Lohnkosten durch logistische Vorteile mehr als wettmacht. So muß der Konzern weniger als die Konkurrenz auf langsame Schiffsladungen aus Übersee warten und kann überragend schnell reagieren: Vom Designer bis in die Filiale braucht ein Kleidungsstück oft nur zwei Wochen.

Zara stellt weiterhin das Flaggschiff der Gruppe dar und steht für etwa zwei Drittel des Umsatzes. Aber nur noch ein Drittel der Filialen trägt den Namen Zara. In den vergangenen Jahren hat Inditex eine Reihe weiterer Marken etabliert, die zum Teil äußerst dynamisch wachsen: Pull and Bear wendet sich an Teenager, Massimo Dutti verkauft Luxusmode für etwas reifere Damen- und Herrenjahrgänge, Oysho steht für Unterwäsche. Zu den mittlerweile acht Marken gehört weiterhin eine Kette für Innendekor (Zara-Home), Kiddy's Class für Kinder sowie Bershka und Stradivarius, die das Angebot für Jugendliche abrunden.

Risiken für die Aktien nehmen zu

Inditex darf also als Erfolgsgeschichte gelten - und die Inditex-Aktie als Gewinner. Doch Anleger dürfen nicht vergessen, daß die Aktie teuer geworden ist: Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) auf Basis vorgelegter Zahlen beläuft sich auf 28,3. Das Kurs-Buchwert-Verhältnis beträgt stolze 8,9. Das Unternehmen ist außerdem mit dem 3,4fachen des Umsatzes bewertet.

Mit Blick in die Zukunft ist die Aktie auch nicht viel günstiger bewertet. Auf Basis der durchschnittlichen Gewinnschätzung beträgt das KGV 26,8 für das laufende und 22,9 für das kommende Geschäftsjahr. Allerdings ist die Aktie nicht erst seit gestern hoch bewertet - und trotzdem ist der Kurs weiter gestiegen. Selbst die Korrektur vom Mai, die hochbewertete Aktien im Durchschnitt stärker traf als andere Titel, hat die Inditex-Notiz rückblickend nicht lange bremsen können.

Das Unternehmen wächst und gedeiht, die Produkte kommen an. Darum gibt es keinen Grund, auf absehbare Zeit sinkende Gewinne zu erwarten. Vor diesem Hintergrund sollte die Aktie noch Potential für weitere Kurssteigerungen haben, zumal auch der charttechnische Aufwärtstrend intakt ist. Doch die Risiken nehmen eher zu als ab: Zum Beispiel macht Inditex noch immer mit Abstand den meisten Umsatz in Spanien, und es ist fraglich, wie lange der Bauboom die spanische Konjunktur noch stützen kann. Eine Rezession im Heimatland würde auch an der Inditex-Aktie nicht spurlos vorübergehen.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.



Text: @bemi mit Material von pso./F.A.Z.
Bildmaterial: AFP, FAZ.NET, REUTERS

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