18. April 2008 Düngemittelhersteller gehören schon seit einiger Zeit zu den größten Lieblingen der Börsianer. Das hat mit den Preisen für Kaliumchlorid zu tun, die aufgrund der gestiegenen Nachfrage nach landwirtschaftlichen Produkten und begrenzten Kapazitäten seit Jahren steigen. So hat sich der Kalipreis alleine in diesem Jahr bereits mehr als verdoppelt.
Das vorteilhafte Umfeld kommt auch dem deutschen Anbieter K+S zu Gute. Der Aktienkurs des M-Dax-Vertreters ist seit 2003 förmlich explodiert und seitdem eine der besten Aktien auf dem deutschen Kurszettel. Doch es geht noch besser, als das, was K+S zu bieten hat. Im Performance-Wettstreit kommt der größte russische Wettbewerber Uralkali (Isin: US91688E2063), der im Herbst seinen Börsengang durchgezogen hat, auf eine noch bessere Bilanz. Während die Aktie von K+S seit dem 27. November um bereits beeindruckende 109 Prozent zugelegt hat, wird das von Uralkali mit einem Plus von 152 Prozent sogar noch getoppt.
Die jüngsten Vertragsabschlüsse belegen die große Verhandlungsmacht
Die Russen profitieren dabei natürlich wie alle anderen Anbieter von dem günstigen Branchenumfeld. Außerdem zählt Russland neben Kanada, Weißrussland und Deutschland zu den wichtigsten Produzentenländern. Uralkali selbst gehört zu den bedeutendsten Herstellern von Kaliumchlorid-Düngemitteln, wobei man wissen muss, dass Kalium neben Stickstoff und Phosphor einer der wichtigsten Nährstoffe für Pflanzen ist. Der Sektor profitiert somitm vom Agrarboom. Denn beim Versuch, die Erträge des landwirtschaftlichen Anbaus zu optimieren, wird hochwertiger Dünger benötigt.
Wie begehrt die Produkte sind, zeigt sich an der Verhandlungsmacht, welche die Unternehmen derzeit innehaben. Diese wird zusätzlich noch durch die oligopolistischen Strukturen verstärkt, die der Kalimarkt aufweist. So konnte Uralkali bei den indischen Kunden für die Lieferungen der Jahre 2009/2010 unlängst eine Preissteigerung von rund 130 Prozent auf 625 Dollar je Tonne durchsetzen.
Zudem wurde gerade ein Preis von 650 Dollar je Tonne inklusive Frachtkosten für die Lieferungen nach China für den Zeitraum von Juni bis Dezember 2008 vereinbart. Weil nach China im Jahr rund eine Million Tonne geschickt werden sollen, was etwa 20 Prozent der Produktion entspricht, ist das natürlich ein echter Meilenstein.
Intern hält man bei Uralkali mittelfristig sogar das Überschreiten der Marke von 1.000 Dollar je Tonne für möglich. Angesichts dieses günstigen Szenarios können die russischen Anbieter eine jüngst von der russischen Regierung durchgesetzte Erhöhung des Exportzolls für Kalidünger um fünf Prozent locker verkraften.
Strammes Wachstum relativiert die aktuell noch hohe Bewertung
Kein Wunder also, dass die Anleger, wie etwa die Russland-Experten von Charlemagne Capital, solche Nachrichten honorieren und sich zuletzt auf den Titel gestürzt haben. Durch die jüngsten deutlichen Kursgewinne macht die Aktie von Uralkali auf den ersten Blick zunächst keinen günstigen Eindruck mehr. Auf Basis der von UBS für 2008 geschätzten Zahlen errechnen sich schlißelich ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von 17 und ein ebenfalls nicht gerade niedriges Verhältnis von Unternehmenswert zum Ebitda von rund zwölf.
Aber das Ganze wird relativiert, wenn die absehbaren Wachstumsraten berücksichtigt werden. Auf Basis der Schätzungen für 2010 sinkt der Unternehmenswert zum Ebitda auf nur noch gut fünf und das Kurs-Gewinn-Verhältnis auf unter acht. Selbst die Dividendenrendite wäre dann, wenn die Prognosen der UBS stimmten, mit rund vier Prozent nicht so schlecht. So gesehen ist es durchaus denkbar, dass sich der Lauf den die Uralkali-Aktie derzeit hat, noch etwas weiter fortsetzen wird.
Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.
Text: @JüB
Bildmaterial: FAZ.NET, UBS estimates, UBS estimates, Bloomberg, Uralkali
| Tops & Flops | +/- | Prozent |
|---|---|---|
| HYPO REAL ESTATE HOL | +1,49 | +36,08 |
| COMMERZBANK AG INHAB | +1,67 | +17,21 |
| INFINEON TECHNOLOGIE | +0,42 | +15,30 |
| VOLKSWAGEN AG STAMMA | -2,83 | -0,83 |
| BAYER AG INHABER - A | +0,83 | +2,01 |
| DEUTSCHE POST AG NAM | +0,24 | +2,09 |
| Name | Punkte | Prozent |
|---|---|---|
| Dax | 4.860,08 | +6,95 |
| TecDax | 571,54 | +10,60 |
| DowJones | 8.451,19 | -1,49 |
| Nasdaq | 1.649,51 | +0,27 |
| STOXX 50 | 2.571,39 | +6,17 |
| Nikkei 225 | 8.276,43 | -9,62 |
| S&P 500 Zert. | 9,30 | +5,32 |
| Euro/Dollar | 1,36 | -0,06 |
| Bund Future | 114,67 | +0,00 |
| Gold | 850,79 | +0,40 |
| Öl | 76,65 | -7,49 |