19. November 2008 Die Aktie des Chemiekonzerns BASF gilt als Muster des konservativen Wertes. In Boomzeiten pflegt sie hinter dem Dax zurückzubleiben, doch bringt sie längerfristig eine deutlich über dem Markt liegende Durchschnittsrendite.
Doch der Mittwoch ist ein Tag, an dem die Aktie ihrem Ruf nicht gerecht wird. Um mehr als 20 Prozent war der Kurs gefallen und auch am Nachmittag liegt er immer noch rund 15 Prozent im Minus und gar nicht mehr so weit entfernt von dem Fünf-Jahres-Tief von 19,95 Euro, auf das die Notierung Mitte Oktober zurück gefallen war.
Harte Zeiten
Grund sind die massiven Produktionseinschnitte und die damit verbundene Gewinnwarnung des Konzerns. Wegen eines massiven Nachfragerückgangs vor allem aus der Autoindustrie wird die Produktion um 20 bis 25 Prozent gedrosselt, eine Maßnahme, an die der Vorstandsvorsitzende Jürgen Hambrecht bei der Vorlage der Neunmonatszahlen vor drei Wochen noch eher nicht glauben wollte.
Die BASF richtet sich auf harte Zeiten ein, und unter diesen Bedingungen sei das Betriebsergebnis des Vorjahres in Höhe von 7,6 Milliarden Euro nicht mehr zu erreichen, sagte Hambrecht und korrigierte damit zum zweiten Mal innerhalb von drei Wochen die Gewinnprognose für das laufende Jahr nach unten.
Das Umsatzziel blieb unverändert, ist aber vage. Wie bisher sei geplant, den Umsatz 2008 im Vergleich zum Vorjahr zu erhöhen, sagte ein Firmensprecher am Mittwoch.
Optisch günstig
Obgleich das Unternehmen sowohl auf der Produktseite als auch geographisch breit aufgestellt ist, trifft es nun auch die Rezession in voller Härte. Die Produktionskürzungen und die Prognosesenkung kann angesichts der Prognosen für die Weltwirtschaft im allgemeinen und die Automobilindustrie im besonderen nicht überraschen. Doch die Härte der Maßnahmen erschreckt, heißt das doch, dass die Nachfrage jüngst kräftig nachgelassen haben muss.
Gemäß der bislang noch nicht aktualisierten Prognosen rechneten die Analysten zuletzt im Durchschnitt mit einem Zuwachs des Betriebsergebnisses von 3,5 Prozent, aber einem geringeren Ergebnis je Aktie. Auf dieser Basis ist die Aktie mit Kurs-Gewinn-Verhältnissen von 5,3 für das laufende und 6,4 für das kommende Jahr bewertet, für das die Analysten mit einem deutlichen Rückgang von Umsatz und Gewinn rechneten. Die Analysten von Merck & Finck stuften die Aktie von Hold auf Sell herab mit einem Kursziel von weiter 20 Euro belassen.
Erinnerungen an die Neunziger
Das Schöne an Rezessionen ist indes, dass sie nicht ewig wären. Unzweifelhaft wird das kommende Jahr für die BASF nicht angenehm. Und vorsichtige Anleger sollten vielleicht einkalkulieren, dass der Konzern die Dividendenausschüttung womöglich kürzen muss.
Indes liegen die Prognosen für den Gewinn und die Dividende immer noch um mehr als 70 Prozent auseinander. Überdies hat die BASF letztmalig 1993 eine gegenüber dem Vorjahr geringere Dividende ausbezahlt.
Indes hatten die Aktionäre von 1990 bis 1993 mit kleiner werdenden Ausschüttungen leben müssen. Zwischen 1989 und 1993 war der Umsatz kontinuierlich um mehr als 13 Prozent gesunken, der Betriebsertrag hatte um drei Viertel abgenommen. Der Gewinn je Aktie war bis 1992 um knapp 60 Prozent gefallen.
Der Mangel an Alternativen
Ob es nun so lange und so schlimm kommen wird, ist derzeit nicht abzusehen. Zwar ist Befürchtungen, das mit der heutigen Nachricht noch nicht alles ausgestanden ist und noch Schlimmeres kommen kann, die Berechtigung nicht abzusprechen, sicher ist es nicht.
Rechnet man die schweren Jahre von damals hoch, so würde die Bewertung der Aktie mit Blick auf 2011 auf über 12 steigen. Doch das sind lediglich Rechenexempel. Die Rezession hat gerade erst begonnen.
Für BASF-Aktionäre ergeben sich zwei Alternativen: Aussitzen und hoffen, dass eine Besserung früh eintritt oder vorübergehend der Aktie den Rücken kehren und bessere Anlagemöglichkeiten suchen. Die sind aber unter Aktien in der momentanen Situation dünn gesät, gerade wenn Anleger eine konservative Ausrichtung bevorzugen.
Solange nicht weitere Hiobsbotschaften folgen, dürfte der Zukunft der BASF-Notierung bis auf weiteres in der Spanne zwischen 20 und 25 Euro, die sich derzeit als Widerstandslinie manifestieren, zu suchen sein.
Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.
Text: mho
Bildmaterial: dpa, F.A.Z.
| Tops & Flops | Kurs | in % |
| FMC | 35,96 € | +2,10% |
| Infineon | 3,39 € | +1,35% |
| ThyssenKrupp | 23,84 € | +1,23% |
| Beiersdorf | 42,91 € | +1,08% |
| Dt. Post | 12,56 € | +0,97% |
| Salzgitter | 62,03 € | +0,03% |
| E.ON | 26,68 € | −0,41% |
| MAN | 59,18 € | −0,79% |
| Volkswagen | 96,40 € | −1,85% |
| Commerzbank | 6,99 € | −2,58% |
US-Anleihen schließen etwas fester - Hoffen auf niedrige Zinsen
22:21Wall Street schließt freundlich - Niedrigzinspolitik stützt
22:09EUREX/Bund-Futures schließt knapp behauptet
22:07EUREX/DAX-Futures schließen freundlich
22:05XETRA-NACHBÖRSE/XDAX (22 Uhr): 5.695 (XETRA-Schluss: 5.687) Pkt
| Name | Kurs | in % |
| DAX | 5.686,83 | +0,40% |
| TecDAX | 761,43 | −0,15% |
| MDAX | 7.311,23 | +0,19% |
| SDAX | 3.503,06 | +0,39% |
| REX | 373,92 | +0,06% |
| Eurostoxx 50 | 2.883,04 | +0,21% |
| Dow Jones | 10.270,50 | +0,72% |
| Nasdaq 100 | 1.788,61 | +0,44% |
| S&P500 | 1.093,48 | +0,57% |
| Nikkei225 | 9.770,31 | −0,35% |
| EUR/USD | 1,4902 | +0,37% |
| Rohöl Brent Crude | 76,46 $ | −0,40% |
| Gold | 1.107,50 $ | −0,65% |
| Bund Future | 121,42 € | −0,04% |
| Gesamt- Index |
Durchschnitt 90 Tage |
Durchschnitt 200 Tage |
|
|---|---|---|---|
Aktien-Index13.11.2009 13:00 |
1353,22 | 1330,44 | 1264,28 |
Performance-Index13.11.2009 17:35 |
299,37 | 294,10 | 275,13 |
Euro-Aktien-Index13.11.2009 17:35 |
143,15 | 137,56 | 125,49 |
Gabriel und Nahles bewältigen das alles
16:27 16:25 16:05 16:04Ohne Kriegserklärung kein Krieg? Dann hats den 2. Weltkrieg garnicht gegeben?