Von Mark Arbeter
30. April 2008 Die maßgeblichen Indizes beugten sich über weiten Strecken der vergangenen Woche leichten Gewinnmitnahmen, nachdem sie an die Tops ihrer jüngsten Kursbereiche gestoßen waren. Ausgehend von den Tiefs Mitte März haben die meisten Indizes eine Reihe höherer Hochs und Tiefs ausgebildet, und zwar auf eine Weise, die vereinfacht als zwei Trippelschritte nach vorn und ein Trippelschritt zurück beschrieben werden kann. Diese begrenzten Kursbewegungen sind zwar alles andere als spannend, es scheint jedoch, dass sie noch etwas länger anhalten müssen, bevor es spannend wird.
Die Trippelschritte des Marktes führen zu einer langsamen Verringerung der unlängst stark ausgeprägten Kursvolatilität. Häufig kündigt eine nachlassende Kursvolatilität den Beginn von etwas Großem an. Vor dem Hintergrund der in den vergangenen Monaten beschriebenen Fakten bezüglich Marktstimmung, internen Marktdaten, Handelsvolumen und Chartmuster gehen wir davon aus, dass ein Ausbruch nach oben stattfinden wird, der zu einem weiteren starken, aber kurzen Anstieg der Kursvolatilität führen wird. Die Kursvolatilität lässt für gewöhnlich nach, sobald die Märkte in einen Aufwärts- oder Abwärtstrend einscheren.
Volatilität nimmt ab
Seit Oktober konnten wir mehrere Tage beobachten, an denen der S&P-500 um mehr als zwei Prozent zurückging, und in letzter Zeit sahen wir mehrere Tage, an denen der Index um mehr als zwei Prozent anstieg. Diese Kursausschläge werden nach und nach geringer. Der letzte Rückgang um mindestens zwei Prozent an einem Tag ereignete sich am 11. April, der letzte Zuwachs um mindestens zwei Prozent am 16. April. Dies sind die einzigen vom S&P-500 an einem Tag verzeichneten Kurssprünge um mindestens zwei Prozent seit dem 2. April.
Deutet diese Verringerung der Volatilität, insbesondere nach unten, darauf hin, dass das Schlimmste der Finanzkrise und/oder der Konjunkturabschwächung bereits hinter uns liegt? Zugegeben, wir können es nicht mit Sicherheit sagen, sondern lediglich fundierte Projektionen anstellen.
Das Schlimmste könnte überstanden sein
Doch nach Einschätzung von Chefstratege Sam Stovall und mit Blick auf die jüngste Entwicklung des Konsumklimas gibt es einige Anzeichen dafür, dass wir das Schlimmste überstanden haben könnten. Der vom privaten Forschungsinstitut Conference Board ermittelte Verbrauchervertrauensindex sank im März mit 64,46 auf den niedrigsten Wert seit März 2003. Dies ereignete sich zu einer Zeit, als der Markt erfolgreich das Tief der Baisse von 2000-02 auslotete. Dies war zudem ein Zeitraum, als der Aktienmarkt sehr weit von seinen Allzeithochs entfernt war, deutlich weiter als heute.
Sam Stovall gelangte zu dem Schluss, dass immer dann, wenn der Verbrauchervertrauensindex unter 76 fällt (eine Standardabweichung unterhalb des seit 1977 verzeichneten Mittelwerts von 97), schlechte Nachrichten über den Zustand der amerikanischen Konjunktur eine derart tiefgreifende Wirkung zeigen, dass dieser überall - selbst auf den Titelblättern von Magazinen - thematisiert wird. Ähnlich den zahlreichen von uns herangezogenen Sentiment-Indikatoren könnten diese Zahlen des Verbrauchervertrauensindex' unsere bisherigen Vermutungen bestätigen. Dies ist ein gutes Beispiel dafür, wie Wirtschaftsdaten die Charttechnik unterstützen können.
Impuls benötigt
Am 18. April lag das Schlusshoch des S&P-500 bei 1.390,33 Punkten, unweit des am 1. Februar erreichten Tops des Kursbereichs bei 1.395,42 Zählern. Der Index klopft an die Tür, allerdings nicht fest genug. Nach unserer Ansicht benötigt der Markt einen fliegenden Start. Wenn die Märkte ausbrechen, wird es mit Blick auf das seit Ende August ausgebildete Chartmuster sehr interessant sein, wie viel Aufwärtsschub der S&P-500 entwickeln wird. Wenn es letztendlich zu einem Ausbruch kommt und die gespannte Feder gelöst wird, tendieren die Kurse häufig zu einem kräftigen Sprung.
Allerdings befinden sich genau über dem jüngsten Hoch bei 1.395 Punkten mehrere Widerstände, die sich als wahre Mauer erweisen könnten. Die maßgeblichen Pivot-Tiefs des vergangenen Jahres kommen bei 1.407 Zählern in Sichtweite, und zwischen diesem Niveau und den Allzeithochs kam es zu regen Kaufaktivitäten. Neben diesem Chartwiderstand liegt zwischen 1.400 und 1.410 Zählern ein von den Schluss- und Tageshochs des zurückliegenden Jahres abgeleiteter Trendlinienwiderstand. Nicht zu vergessen ist der exponentiell gleitende 200-Tage-Durchschnitt bei 1.412 Punkten. Oftmals deckt sich das Top einer mittelfristigen Boden- oder Umkehrformation mehr oder weniger mit früheren Pivot-Tiefs, dieses Mal jedoch nicht.
Trendwechsel auch bei Gold und Öl erwartet
Wir rechnen zwar damit, dass der Aktienmarkt aus seinem Seitwärtsmuster ausbrechen und die Anleihekurse ihren sehr breiten und Top-lastigen Kursbereich nach unten verlassen werden, es könnte jedoch auch ein mittelfristiger Trendwechsel bei Rohöl und Gold eintreten. Die Rohstoffpreise und die Rohstoffaktien sind über weite Strecken des bisherigen Jahresverlaufs stark angestiegen, was nach unserer Ansicht teils auf den schwachen Dollar, auf die Kreditkrise und auf die traditionelle Dynamik von Rohstoffen zurückzuführen ist. Gold hat seinen Aufwärtstrend bereits verlassen, und nach unserer Einschätzung dürfte eine ähnliche Entwicklung beim Öl nur eine Frage der Zeit sein.
Am 23. April stieg der Rohölpreis auf 119,90 Dollar je Fass, während er Anfang Februar noch bei 88 Dollar notierte. Noch schockierender ist in unseren Augen jedoch die Tatsache, dass der Barrelpreis von 50 Dollar im Januar 2007 bis heute ohne größere Korrekturen oder ausgedehnte Seitwärtsbewegungen zulegte. Während des gesamten Anstiegs um 140 Prozent traten lediglich kleinere Rücksetzer auf.
Goldpreis bei 750 Dollar?
Im Verlauf dieser Aufwärtsbewegung haben wir unsere Preisziele stetig nach oben korrigiert, wobei wir bisweilen kaum unseren Augen trauten. Und erneut klopft der Ölpreis an unseren jüngsten Zielbereich von 122-125 Dollar. Eine wichtige Fibonacci-Extension visiert die Marke von 122 Dollar an, während sich ein nach oben projizierter langfristiger Trendlinienwiderstand bei 125 Dollar befindet. Mit Blick auf das Momentum ist der Ölpreis auf täglicher, wöchentlicher und monatlicher Basis angespannt. Daneben wurden einige größere wöchentliche Divergenzen ausgebildet.
Der Goldpreis hat nach unserer Auffassung bereits eine Korrektur eingeleitet, nachdem er unser mittelfristiges Preisziel von 1000 Dollar je Feinunze erreichte. Der Preis hat ein Kopf-Schulter-Top aufgebaut und nach Unterschreiten des Niveaus von 887 Dollar wird diese Formation vollendet sein.
Dies würde einen möglichen Rückgang des Goldpreises auf 750 bis 800 Dollar signalisieren, eine Zone, in der sich eine maßgebliche langfristige Trendlinienunterstützung befindet. Im Bereich um 800 Dollar kommt eine kleine Ansammlung von Chartunterstützungen ins Spiel, bis hinab in die Zone zwischen 700 und 725 Dollar sind jedoch keine wesentlichen Unterstützungen mehr vorhanden. Wichtige Fibonacci-Retracements liegen bei 840, 785 und 730 Dollar.
Mark Arbeter ist Charttechniker und technischer Chefstratege bei Standard & Poor's
Text: Business Week Online
Bildmaterial: F.A.Z.
| Tops & Flops | +/- | Prozent |
|---|---|---|
| MERCK KGAA INHABER - | +3,42 | +4,55 |
| DEUTSCHE BÖRSE AG NA | +1,64 | +2,15 |
| FRESENIUS MEDICAL CA | +0,60 | +1,73 |
| DAIMLER AG NAMENS - | -4,09 | -9,61 |
| THYSSENKRUPP AG INHA | -1,90 | -5,67 |
| MAN AG STAMMAKTIEN O | -3,81 | -5,54 |
| Name | Punkte | Prozent |
|---|---|---|
| Dax | 6.440,70 | -1,46 |
| TecDax | 721,58 | -3,36 |
| DowJones | 11.425,98 | -1,77 |
| Nasdaq | 2.296,42 | -1,27 |
| STOXX 50 | 3.354,58 | -0,97 |
| Nikkei 225 | 13.603,31 | +2,18 |
| Euro/Dollar | 1,57 | -0,18 |
| Bund Future | 110,96 | +0,77 |
| Gold | 925,33 | +0,39 |
| Öl | 124,98 | -1,22 |
