Solon

Solaraktien lassen Anleger kalt

13. November 2007 Wie tief man fallen kann, wenn der Aufstieg zuvor steil war, zeigt die Solarfirma Conergy. Noch vor wenigen Wochen notierte die Aktie des Sonnen- und Windenergieunternehmens nahe der Marke von 70 Euro. Dann ging über den Hamburgern die Börsensonne unter. Sie mussten ihre Geschäftsprognosen für 2007 senken - eine herbe Enttäuschung in einem Branchenumfeld, das anscheinend nur Wachstum kennt. Heute liegt der Kurs bei 30 Euro und Firmengründer Hans-Martin Rüter, gerade erst feierlich zum „Entrepreneur des Jahres“ gekürt, übergibt zum 15. November sein Chefbüro an den einstigen Tchibo-Topmanager Dieter Ammer.

Noch steiler nach oben als bei Conergy ging es für die Berliner Solon AG. Auf Jahresfrist hat sich der Kurs der Aktie mehr als vervierfacht. Im Gegensatz zu Conergy enttäuscht Solon aber nicht mit einem voraussichtlich schwächerem Geschäft, sondern gibt sich optimistischer als bisher.

40 Prozent Wachstum statt „mehr als 30“

Nach einem starken dritten Quartal und wichtigen Aufträgen aus Spanien erhöhte der Modulhersteller und Lieferant von Solarkraftwerken am Dienstag seine Prognose für das Gesamtjahr. 2007 sollen Umsatz und Gewinn demnach um 40 Prozent wachsen. Bisher hatte das Unternehmen die Planung „mehr als 30 Prozent“ ausgegeben.

Für die ersten neun Monate 2007 konnte Solon noch höhere Plusraten ausweisen. Den Angaben zufolge stiegen die Erlöse von Januar bis September um 53 Prozent auf knapp 334 Millionen Euro. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) legte um 73 Prozent auf 26,8 Millionen Euro zu, der Überschuss nach Minderheiten hat sich von 9,5 auf 20,2 Millionen Euro mehr als verdoppelt. Gleiches gilt für den Gewinn je Aktie, der sich von 1,04 auf 2,09 Euro verbesserte. Bereinigt um Einmaleffekte fiel der Anstieg mit einem Nettoergebnis von 15,3 Millionen Euro und einem Gewinn je Aktie von 1,59 Euro geringer aus. 2008 will Solon ebenfalls kräftig auftrumpfen. Für das kommende Geschäftsjahr rechnet der Vorstand mit einem Anstieg in Umsatz und Ergebnis um 75 Prozent.

Sehr gut unterwegs - trotzdem verkaufen

Den Erfolg erklärte die Solarfirma mit dem starken Auslandsgeschäft, vor allem in Spanien. Allein im dritten Quartal habe man von dort Aufträge für schlüsselfertige Solarkraftwerke mit einer Leistung von 100 Megawatt erhalten. Spanien sei derzeit der am schnellsten wachsende Markt für Solartechnik. Im genannten Zeitraum baute der Konzern seine Belegschaft um ein Fünftel auf knapp 650 Mitarbeiter aus.

„Ausgezeichnetes Quartal“ kommentierte Analyst Stephan Droxner von der Landesbank Baden-Württemberg. Das für 2008 angekündigte Plus von 75 Prozent liegt deutlich über der bisherigen LBBW-Schätzung von 50 Prozent. „Auch wenn dieses Wachstumstempo aufgrund des positiven Ausnahmezustandes in Spanien nicht nachhaltig ist, so ist Solon doch sehr gut unterwegs“, resümierte Droxner - und sieht doch „nach wie vor kaum Potential in der Aktie“. Angesichts eines Kursziels von 55 Euro rät er: verkaufen.

Solarwerte kräftig unter Abgabedruck

Das tun am Dienstag die Anleger auch, und nicht nur bei Solon. Die großen Solarwerte im TecDax stehen sämtlich unter starkem Abgabedruck. Händler verweisen primär auf Gewinnmitnahmen. Die Titel hätten schließlich zuletzt gegen den negativen Markttrend deutlich zugelegt. „Zudem hat es Spekulationen in Amerika gegeben, dass der Kongress die Steuervorteile für die Branche nicht verlängern will“, heißt es. Belastend wirkt auch die Korrektur der Technologietitel in den Vereinigten Staaten.

So liegen zur Mittagszeit Ersol 7,6 Prozent im Minus, Q-Cells verlieren 7 Prozent, Solarworld geben 8,7 Prozent nach, Conergy 0,9 Prozent. Und selbst Solon - starke Quartalszahlen hin, erhöhte Prognose her - werden mit einem Minus von 8,6 Prozent abgestraft. Jubel sieht an der Börse anders aus; allerdings präsentierte sich das Marktumfeld mit einem um 3,8 Prozent nachgebenden TecDax auch schwach wie selten.

Warnsignal für Anleger

Trotzdem sollte die Solon-Kursreaktion für Anleger ein Warnsignal sein. Auch bei einem negativen Markttrend kaufen Börsianer, wenn sie eine Aktie unbedingt wollen. Das scheint bei Solon & Co. nicht mehr der Fall zu sein. Das verwundert nur wenig: Die Bewertungen haben derzeit allzu sonnige Höhen erreicht. Ersol etwa weist ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von 75 (2007) auf, Q-Cells von 63, Solarworld von 52, Solon von 39. Richtig „billig“ ist heute nur mehr Conergy - angesichts des erwarteten Verlustes ein Unternehmen ganz ohne KGV.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.



Text: @tih
Bildmaterial: ddp, F.A.Z., FAZ.NET

 
Tops & Flops+/-Prozent
VOLKSWAGEN AG STAMMA +45,13 +15,20
K+S AKTIENGESELLSCHA -0,15 -0,39
MAN AG STAMMAKTIEN O -0,40 -1,01
DEUTSCHE BANK AG NAM -5,99 -16,08
DEUTSCHE POSTBANK AG -3,87 -14,61
INFINEON TECHNOLOGIE -0,44 -13,68
NamePunkteProzent
Dax 4.544,31 -7,01
TecDax 516,75 -4,81
DowJones 8.451,19 -1,49
Nasdaq 1.649,51 +0,27
STOXX 50 2.421,87 -7,86
Nikkei 225 8.276,43 -9,62
S&P 500 Zert. 8,83 -10,45
Euro/Dollar 1,37 +0,49
Bund Future 114,45 -0,19
Gold 861,15 +1,62
Öl 76,65 -7,49
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