Öldienstleister

Aktie von Aker Solutions auf Aufholjagd

19. Mai 2008 Die norwegische Wirtschaft präsentiert sich in einer guten Verfassung. Erst Ende der vergangenen Woche erhöhte die Regierung des Landes ihre Wachstumsprognose für das laufende Jahr von 2,8 auf 3,2 Prozent. Der Löwenanteil dieses Booms ist der Ölindustrie zu verdanken, die im vergangene Jahr mit sechs Prozent den größten Zuwachs seit 36 Jahren verzeichnete.

Davon profitiert auch der Maschinenbaukonzern Aker Kvaerner, der Anfang des Jahres seinen Namen zu Aker Solutions änderte, da dieser das Geschäftsmodell besser reflektiere. Eine Rolle dürfte dabei auch sicherlich die Vergangenheit gespielt haben, befand sich doch der ehemalige Kvaerner-Konzern 2001 in einer existenzbedrohenden Krise, die nur durch die Übernahme durch Aker abgewendet werden konnte.

Ölboom treibt die Gewinne weiter an

Spätestens seit 2004 geht es aber wieder aufwärts. Im vergangenen Jahr kletterten die Umsätze um 14,6 Prozent auf 57,96 Milliarden norwegische Kronen (rund 7,4 Milliarden Euro). Der operative Gewinn stieg um 36,2 Prozent auf 3,9 Milliarden Kronen (rund 500 Millionen Euro).

Der Nettogewinn hielt damit nicht schritt, sondern sank im Gegenteil um 35 Prozent auf 2,46 Milliarden Kronen (rund 316 Millionen Euro). Dies war allerdings ein rechnerischer Effekt, da ein großer Teil des Vorjahresgewinns auf den Verkauf der Sparte Pulping & Power entfiel, in der der Konzern Anlagen für die Papier- und Kraftwerksindustrie herstellte. Auf Basis des fortgeführten Geschäfts verdoppelte sich der Gewinn nahezu.

Der Umsatz von Aker Solutions verteilt sich über fünf Geschäftsbereiche, von den keiner weniger als ein Sechstel generiert. Alle arbeiten indes vorwiegend für die Ölindustrie, ein Geschäftsfeld, das angesichts der hohen Ölnachfrage, vor allem aus den Schwellenländern weiterhin gutes Wachstum verspricht.

Wenig beeindruckt

Im ersten Quartal des laufenden Jahres jedenfalls haben die Norweger mit einem um 19 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal höheren Vorsteuergewinn von 950 Millionen Kronen (rund 120 Millionen Euro) die Erwartungen der Analysten übertroffen, auch wenn der operative Gewinn mit rund einer Milliarde Kronen leicht darunter lag. Indes hat sich die operative Marge gegenüber dem Vorjahreszeitraum auf 7,0 von 6,1 Prozent verbessert.

Die Märkte seien weiter hoch aktiv, meinte das Unternehmen und bestätigte seine Prognosen für die kommenden Jahre. Auch ein etwas niedrigerer Auftragseingang als im ersten Quartal üblich und die Abschreibung eines 330 Millionen-Dollar-Auftrags seines Gemeinschaftsunternehmens IHI konnte Aker nicht beeindrucken. „Da draußen gibt es einige riesige Verträge. Es gibt nur eine gewisse Unsicherheit bezüglich des Zeitpunkts. Wir sind nicht sonderlich besorgt“, sagte der Vorstandsvorsitzende Simen Lieungh.

Analysten rechnen im laufenden Jahr mit einem leichten Umsatz-, dafür aber mit einem kräftigen Gewinnanstieg. Bei einem um rund ein Prozent höheren Umsatz soll der Gewinn je Aktie um 19 Prozent steigen. 2009 soll bei einem etwas stärkeren Umsatzanstieg der Profit ähnlich wachsen.

Ausverkauf zur Hälfte überwunden

Mit einem prognostizierten Kurs-Gewinn-Verhältnis von 14,2 für das laufende und 11,5 für das kommende Jahr ist die Aktie nach der jüngsten Kurserholung für einen Öldienstleister immer noch vergleichsweise preiswert zu haben.

Das liegt nicht zuletzt an dem heftigen Ausverkauf zwischen November und Januar, der den Aktienkurs vom Allzeithoch bei mehr als 190 Kronen bis unter 100 Kronen zwang. Aktuell ist mit 145 Kronen die Hälfte der Verluste wieder aufgeholt. Derzeit kämpft sich die Notierung durch eine Widerstandszone. Dieser dürfte oberhalb von 150 Kronen nachlassen und kann bei rund 165 Kronen als überwunden gelten, bevor dann der Angriff auf das Allzeithoch beginnen kann.

Der Weg nach oben wird also nicht ganz einfach, indes scheinen von fundamentaler Seite zunächst keine großen Hindernisse entgegenzustehen. Allerdings birgt die weltwirtschaftliche Lage und auch die konjunkturelle Entwicklung in Norwegen einige Stolpersteine. Denn das hohe Wachstum macht inzwischen wirtschaftspolitische Sorgen, etwa dass die Wirtschaft überhitzen könne. Zudem zwang es unlängst die Regierung, die Sozialausgaben zu erhöhen. Damit steigt auch das strukturelle Staatsdefizit, weshalb diese auch viel Kritik erntete.

Auch die Leitzinsen steigen, da die Inflation wie in fast jedem Land der Erde mittlerweile unkontrolliert zu werden droht. Sollte dies zulasten des Wachstums gehen oder die Inflation auf die Löhne durchschlagen, dürfte dies auch Konsequenzen für Aker Solutions haben. Indes ist ein stagflationäres oder hochinflationäres Szenario für Aktienkurse im allgemeinen nicht unbedingt die förderlichste Umgebung.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht der FAZ-Redaktion wider.



Text: mho/pwe
Bildmaterial: dpa, F.A.Z.

 
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