Charttechnik

Die Wall Street wirkt etwas müde

Von Mark Arbeter, technischer Chefanalyst bei Standard & Poor's

26. August 2003 Während der Dow Jones Industrial Average und der Nasdaq Composite Index in der vergangenen Woche ausgebrochen sind und neue Zwischenhochs erreicht haben, läßt sich der S&P 500 auch weiterhin innerhalb der Grenzen einer seit zwei Monaten andauernden Kurskonsolidierung treiben.

Der Nasdaq hat von einem starken Schub in Halbleiteraktien profitiert, während der Dow Jones von der Stärke der zyklischen Werte angetrieben worden ist. Aber dem S& P 500 scheint es nicht zu gelingen, aufgrund von positiven neuen Nachrichten nach oben auszubrechen - und wird wohl auch nicht aufgrund von schlechten Nachrichten nach unten durchbrechen. Es muß also August sein.

Der Dow Jones hat am Montag, den 18. August, seine zweimonatige Trading Range durchstoßen und einen recht ordentlichen Gewinn verzeichnet. Das ist natürlich genau das, was man bei einem Kursdurchbruch sehen möchte. Allerdings lag das Handelsvolumen an der NYSE deutlich unterhalb des Durchschnittswertes - also genau das, was man nicht sehen möchte. Denn dieser Faktor erzeugt sicherlich kein großes Vertrauen, daß es von jetzt an zu großartigen Kursgewinnen kommen wird.

Widerstandslinie für Dow Jones bei 9.500 Punkten

Der Dow Jones hat über der Marke von 9.320 Punkten geschlossen und damit ein neues Recovery-High erzielt. Der nächste Chart-Widerstand für den Dow Jones beginnt bei 9.500 Zählern und reicht bis und sogar über die 10.000er-Marke hinaus. Der Widerstand der Trendlinie, abgeleitet von dem Hoch des Dow Jones im Januar 2000, das auch im September 2000 und im März 2002 berührt worden ist, befindet sich in der Nähe der Zone um 9850 Punkte. Diese Widerstandlinie entspricht auch der Baisse-Trendlinie des Dow Jones, da sie die meiste Zeit seit dem Hoch 2000 die Kurse eingegrenzt hat. Sowohl der S&P 500 als auch der Nasdaq haben ihre jeweilige Baisse-Trendlinie bereits herausgenommen.

Ein wirklich negativer Faktor für den Markt und den Dow Jones wäre ein Rückfall auf den jüngsten Tiefstand oder zurück auf unter 9.320 Punkte. Denn dies würde einem Fehlausbruch entsprechen. Fehlausbrüche, sowohl nach oben oder nach unten, können sehr häufig zu einem Trendwechsel im Markt führen.

Nasdaq mit größerem Handelsvolumen als Dow Jones

Der Nasdaq hat in der letzten Woche ebenfalls einen Durchbruch zu einem neuen Recovery-High erzielt. Außerdem ist hier das Volumen etwas besser ausgefallen als beim Dow Jones. Am Freitag war der Nasdaq über den Widerstand der Trendlinie hinausgeschossen und dann wieder stark zurückgefallen. Diese Widerstandslinie leitet sich von den Hochständen im August und im November 2002 ab.

Die Unterstützung der Trendlinie für den Nasdaq befindet sich bei .1700 Punkten. Der Chartwiderstand hat sich ebenfalls bei 1.700 Punkten und nachfolgend bei 1.600 Punkten aufgebaut. Der exponentiell gleitende 50-Tage-Durchschnitt liegt bei 1.680 Punkten und wird ebenfalls als Unterstützung betrachtet.

Der Dow Jones hat vor allem von der kürzlich erfolgten Rotation aus kurzlebigen Konsumwerten in zyklische Aktienwerte profitiert. Viele zyklische Werte sind nach oben durchbrochen, was den Dow Jones in die Höhe getrieben hat. Außerdem signalisiert diese Entwicklung, daß die Anleger zu glauben scheinen, das wirtschaftliche Wachstum werde sich zum Jahresende hin weiter beschleunigen.

Wechselt das Kapital in neue Branchen oder gänzlich aus dem Markt?

Der Nasdaq wurde durch eine Rotation aus Biotech-Aktien - diese Branche erfährt gerade eine Pause - in Halbleiterwerte unterstützt. Der Philadelphia Semiconductor Index ist in der letzten Woche nach oben durchgestoßen und hat ein neues Recovery-High sowie seinen höchsten Stand seit Juni letzten Jahres erreicht. Wir haben schon seit einer recht langen Zeit nicht mehr über Rotation gesprochen, aber sollte der Markt von diesem Moment an, an Tempo zulegen, lautet die kritische Frage, ob das Kapital von einer Branche zur anderen wechselt - so wie wir das seit März beobachten können - und nicht etwa ganz aus dem Markt fließt? Die Rotation stellt eine vitale Komponente eines jeden Bullenmarktes dar und während sich im Laufe der Jahre eine Menge Dinge verändern mögen, so läßt sich über die Kapitalflüsse doch immer das gleiche Lied singen.

Leider gibt es über den S&P 500 nicht viel Neues zu berichten, da er sich immer noch innerhalb einer seit über zwei Monaten anhaltenden Handelsspanne bewegt. In dieser Woche ist der S&P 500 auf ein Intraday-Hoch bei 1.011 Punkten geklettert und dann erneut gescheitert. Dadurch ergibt sich die Möglichkeit, daß der Index gerade dabei ist, eine Triple-Top-Formation auszubilden. Um ein Durchbruch des S&P 500 zu vervollständigen, müßte der Index mindestens an zwei Tagen unterhalb von 960 Punkten schließen.

Neue Hochs machen sich rar

Eine deutliche Schwäche des Markts zeigt der starke Abfall bei der Anzahl von Neuen Hochs sowohl an der New York Stock Exchange (NYSE) als auch der Nasdaq innerhalb der letzten Monate. Der jüngste Höchstwert für die neuen 52-Wochenhochs an der NYSE lag am 6. Juni bei 581. Am 8. Juli stürzte dieser Wert der neuen Hochs auf 348 und am Donnerstag, den 21. August, wurde der letzte Höchstwert bei nur noch 225 erzielt. Ein ähnliches Muster war für die Nasdaq zu beobachten. Am 6. Juni erreichten die neuen Hochs einen Wert von 408, am 8. Juli von nur noch 390 und am 21. August von 310. Dies verdeutlicht eine zunehmende Verschlechterung der inneren Stärke des Marktes, da immer weniger Aktienkurse in der Lage sind, weiter nach oben zu klettern. Mit anderen Worten: Der Markt ermüdet.

Das Sentiment, um das wir uns seit ungefähr einem Monat sorgen, bleibt unverschämt bullisch. Die Umfrage des Investor's Intelligence bei den Börsenbriefautoren zeigte 55,1 Prozent Bullen und lediglich 18,4 Prozent Bären. Seit 16 aufeinanderfolgenden Wochen liegt das Bullen-Sentiment bei über 50 Prozent, während das marktnegative Sentiment in den letzten zwölf Wochen unterhalb von 21 Prozent verblieben ist.

Der Volatilitätsindex VIX ist auf ein weiteres neues Tief gefallen und schloß am Dienstag bei 19,23 - der niedrigste Wert seit August 2000. Wie wir bereits erwähnt hatten, würde ein Schlußkurs des VIX von über 25 aller Wahrscheinlichkeit nach signalisieren, daß die Marktkorrektur nun da ist. Anfang August, während des letzten Pull-backs, ist der VIX auf Intraday-Basis auf über 25 gestiegen. Seither hat er aber nicht mehr oberhalb dieses Niveaus geschlossen.

Unser vor zwei Wochen erfolgter Market Call für eine Korrektur ist offensichtlich etwas verfrüht gewesen. Während sich die jüngste Rallye auszudehnen vermag, gebieten unserer Ansicht nach die Breakouts mit niedrigem Handlesvolumen, die sich verschlechternden Markt-Internals sowie die saisonbedingt negativen Kursmuster äußerste Vorsicht.


Im Chart sehen Sie die Entwicklung des S&P 500 Index.



Text: @JüB

 
Tops & Flops+/-Prozent
VOLKSWAGEN AG STAMMA +45,13 +15,20
K+S AKTIENGESELLSCHA -0,15 -0,39
MAN AG STAMMAKTIEN O -0,40 -1,01
DEUTSCHE BANK AG NAM -5,99 -16,08
DEUTSCHE POSTBANK AG -3,87 -14,61
INFINEON TECHNOLOGIE -0,44 -13,68
NamePunkteProzent
Dax 4.544,31 -7,01
TecDax 516,75 -4,81
DowJones 8.451,19 -1,49
Nasdaq 1.649,51 +0,27
STOXX 50 2.421,87 -7,86
Nikkei 225 8.276,43 -9,62
S&P 500 Zert. 8,83 -10,45
Euro/Dollar 1,34 +0,00
Bund Future 114,67 -1,44
Gold 847,40 +0,00
Öl 76,65 -7,49
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