Aktienmarkt Ungarn

Sonnenschein in Budapest

Von Carola Kaps

Kommt der Euro später nach Ungarn?

Kommt der Euro später nach Ungarn?

09. August 2005 Über den drei wichtigsten Börsen Mitteleuropas - Warschau, Budapest und Prag - scheint seit Mitte Mai wieder die Sonne. Der Einbruch im Zuge der Zinswende in Nordamerika, der Mitte März die Stimmung drückte und die Anleger verunsicherte, hat sich als kurzes Zwischenspiel entpuppt. Inzwischen haben solide Unternehmensgewinne und relativ gute Wirtschaftsdaten abenteuerlustige Investoren wieder in die Märkte Mittel- und Osteuropas gelockt.

Vor allem amerikanische Investitionsfonds sehen in der Anlage in den mittel- und osteuropäischen Schwellenländern die einmalige Gelegenheit, von rapidem Wachstum bei verhältnismäßig geringem Risiko zu profitieren. "Was das Wachstum anbetrifft, sind Polen, Ungarn und Tschechien Schwellenländer, ihr Risikoprofil ist dagegen das der Europäischen Union", meint Henning Eßkuchen von der Wiener Ersten Bank.

Budapest ist Spitze

Die Budapester Börse, die schon zu Anfang des Jahres die besten Ergebnisse erzielt hatte, punktet auch jetzt wieder mit den höchsten Zuwachsraten. Der Börsenindex Bux hat seit Mitte Mai um 33 Prozent und seit Jahresbeginn um 42 Prozent (in heimischer Währung) auf mehr als 21.170 Punkte zugenommen. Im Vergleich dazu erhöhte sich der Wig20 in Warschau seit Mitte Mai um 23 Prozent, während der PX 50 an der Prager Börse um knapp 20 Prozent zulegte.

Der sommerliche Höhenflug ist zwar in der vergangenen Woche leicht gebremst worden, am Montag ging es aber für den Bux schon wieder aufwärts. Analysten sind der Ansicht, es werde auch während der nächsten Wochen gelegentlich zu kleinen Dellen kommen, da viele Investoren angesichts des hohen Preisniveaus Kasse machten und auf eine Konsolidierung des Marktes setzten.

Große, schmerzhafte Korrekturen schließt Eßkuchen aber aus. Dazu gehe es den börsennotierten ungarischen Unternehmen zu gut; selbst die anhaltenden Unsicherheiten der Politik könnten dieses Bild nicht trüben. Im Mittelpunkt des Interesses stehen die ungarische Öl- und Gasgesellschaft Mol sowie die größte ungarische Bank OTP. Beide Unternehmen sind gut geführt und schwimmen auf einer Erfolgswelle, die - wie es scheint - nicht abreißen will.

Mol schwimmt auf dem Ölpreis

Mol, das Flaggschiff der ungarischen Wirtschaft, profitiert von der angespannten Lage am Welt-Ölmarkt, die zu immer neuen Höchstständen des Ölpreises führt; nicht minder robust sind auch die Gewinne aus dem Raffineriegeschäft. Die Analysten der Ersten Bank rechnen im zweiten Quartal mit einem gegenüber dem Vorjahr mehr als verdoppelten Nettogewinn.

Weniger erfreulich ist, daß der Verkauf der Gassparte an Eon nicht vollzogen werden kann, weil sich die EU-Behörden zuviel Zeit lassen mit der kartellrechtlichen Prüfung. Auch in Kroatien legt man dem Expansionsdrang der Mol Steine in den Weg; statt weitere staatliche Anteile der Ölgesellschaft INA an Mol zu verkaufen, will die Regierung einen Teil ihres Aktienpakets an der Börse veräußern.

Mehr Glück hat dagegen die OTP mit ihren Expansionsplänen in der Region. Inzwischen hat sich die ungarische Bank, deren Nettogewinn im zweiten Quartal 2005 um mehr als ein Viertel steigen dürfte, fast überall im südosteuropäischen Bankenmarkt etabliert. Das Geschäft mit der bulgarischen DSK-Bank läuft hervorragend, die Konsolidierung der Nova Banka in Kroatien macht gute Fortschritte.

In Rumänien brennt die OTP darauf, ihren derzeit geringen Marktanteil durch den Kauf der rumänischen Sparkasse CEC aufzustocken. Jedoch könne sich die OTP mit dem bisher Erreichten nicht zufriedengeben, meint Bankanalyst Robert Sobieraj von der Ersten Bank in Warschau. Noch sei sie zu klein, um allein auf Dauer im europäischen Wettbewerb zu bestehen; ein Übernahmeversuch durch eine große amerikanische oder europäische Bank könne daher nicht ausgeschlossen werden.

Der Chart zeigt die Entwicklung des ungarischen Bux-Index in den vergangenen Jahren
Der Chart zeigt die Entwicklung des ungarischen Bux-Index in den vergangenen Jahren

Text: F.A.Z., 09.08.2005, Nr. 183 / Seite 19
Bildmaterial: AP

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