30. Oktober 2008 Mit Kursgewinnen von bis zu 20 Prozent auf 29,70 Euro reagierten am Donnerstag die Stammaktien der Deutschen Bank auf die Vorlage der Ertragszahlen für das dritte Quartal. Mit einem ausgewiesenen Nettogewinn von 414 Millionen Euro oder 83 Cent je Aktie auf verwässerter Basis waren sie besser als befürchtet.
Das alleine scheint die Anleger kurzfristig positiv zu beeindrucken, auch wenn der Gewinn deutlich unter dem Vergleichswert des Vorjahres lag. Damals war eine Gewinn von 1,6 Milliarden Euro oder von 3,31 Euro je Aktie errechnet worden.
Gewinn nur dank gelockerter Bilanzierungsregeln, einer Steuergutschrift und Veräußerungsgewinnen
Allerdings konnte das Unternehmen den Ausweis eines Verlustes nur dank gelockerter Bilanzierungsregeln, einer Steuergutschrift in Höhe von 312 Millionen Euro und Veräußerungsgewinnen bei den Industriebeteiligungen vermeiden. Die Zahlen überraschten positiv, bei näher Betrachtung enttäusche jedoch die Gewinnqualität, heißt es.
Ähnlich wie in den Vereinigten Staaten wurden auch in Europa in den vergangenen Wochen etablierte Rechnungslegungsvorschriften kurzerhand verändert. Plötzlich müssen Banken Wertpapiere und Kredite nur noch dann zu Lasten des ausgewiesenen Gewinns im Wert berichtigen, wenn sich eine dauerhafter Ausfall abzeichne.
Das öffnet jedoch die Tür für Manipulationen. Probleme würden auf diese Weise nur verschoben und nicht behoben, geben kritische Börsianer zu bedenken. Wer entscheidet denn, ob ein Kursverlust nur vorübergehend ist oder dauerhaft? - Allein die Banken, hieß es. Man gehe davon aus, dass die übrigen Finanzinstitute dem Beispiel der Deutschen Bank folgten, sagten Börsianer weiter.
Die Nettoerlöse gingen insgesamt um 14 Prozent zurück auf 4,4 Milliarden Euro, nach einer Wertberichtigung von 1,2 Milliarden Euro. Trotz der zunehmenden Tragweite der Kreditkrise und der dadurch ausgelösten Turbulenzen gingen die Wertberichtigungen um eine Milliarde Euro zurück im Vergleich mit dem Vorjahresquartal. Auf diese Weise zeigen sich die innovativeren Bilanzierungsregeln. Die Erlöse wurden zudem positiv von Buchführungsmethoden beeinflusst.
Mit Ausnahme des relativen kleinen Bereichs Global Transaction Banking und des stagnierenden Privatkundengeschäfts gingen die Erlöse in sämtlichen Sparten zwischen elf (Corporate and Investment Banking) und 60 Prozent (Corporate Investments) zurück. Gleichzeitig nahmen die Nicht-Zinsausgaben um 14 Prozent zu auf vier Milliarden Euro.
Das ist eine schwierige Kombination, stellt sie doch die Kostenstruktur des Hauses in Frage. Immerhin geht sie einher mit schwierigen Rahmenbedingungen, die den Geschäftsgang der verschiedenen Sparten weiterhin belasten. Zudem stellt sich die Deutsche Bank auf eine Zunahme der Kreditausfälle ein. Das Umfeld im Kreditgeschäft beginnt sich einzutrüben, sagte Vorstandschef Josef Ackermann an Donnerstag. Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen sowie die Ausfallquoten im Konsumentenkredit- und Kreditkartengeschäft gehen nach oben. Bereits im dritten Quartal hat die Bank ihre Risikovorsorge im Jahresvergleich auf 236 Millionen Euro mehr als verdoppelt.
Verhaltene Aussichten - hohe Kosten
Zur Begründung verwies die Bank auf erhöhte Ausfallrisiken in Spanien und den Ausbau des Konsumentenkreditgeschäfts etwa in Polen. Daneben spielte auch die Lockerung der Bilanzregeln eine Rolle, deretwegen die Deutsche Bank Kredite vom kurzfristigen Handels- in das längerfristige Bankenbuch überführen konnte. Dadurch erspart sie sich zwar Wertberichtigungen, muss aber bei drohenden Ausfällen Risikovorsorge bilden.
Das Unternehmen wird außerdem voraussichtlich die Dividende kürzen. Eine Dividende auf Vorjahresniveau sei unrealistisch, sagte CFO Stefan Krause bei einer Analystenkonferenz am Donnerstag. Im Jahr 2007 hatte die Deutsche Bank den Aktionären eine Dividende von 4,50 EUR gezahlt. Krause betonte, die Bank sei ausreichend mit Kapital ausgestattet. Wir haben keinen Kapitalbedarf, sagte er. Auf die Frage eines Analysten, ob die Bank möglicherweise andere Teile des Rettungspakets der Bundesregierung, wie Garantien, in Anspruch nehmen wolle, sagte Krause: Das möchte ich nicht kommentieren.
Angesichts der Kursverluste der vergangenen Wochen und der Kurs-Gewinnverhältnisse von neun und gar 4 auf Basis der Gewinnschätzungen für das laufende und das kommende Geschäftsjahr mag der Kauf der Aktie reizvoll sein. Allerdings sind die verbleibenden Risiken beachtlich. Immerhin sind die Bilanzen aufgrund der teilweise fiktiven Bewertungen intransparent.
Zum anderen müsste der Finanzsektor weltweit verkleinert werden, um die Wiederholung des Kredit- und Spekulationsdesasters zu vermeiden. In diesem Umfeld ließen sich die Gewinnsteigerungen und die hohen Ertragsmargen der Vergangenheit kaum wiederholen, die Gewinnschätzungen wären zu hoch. Angesichts des unkoordinierten globalen Interventionismus stellt sich allerdings die Frage, wer die notwendigen Riegel vorschieben könnte. Aus diesem Grund können die Aktien der Finanzwerte selektiv weiter nach oben getrieben werden. Absicherungsstrategien drängen sich jedoch förmlich auf.
Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.
Text: @cri
Bildmaterial: ddp, FAZ.NET
| Tops & Flops | Kurs | in % |
| ThyssenKrupp | 24,90 € | +4,45% |
| Daimler | 35,81 € | +4,40% |
| Salzgitter | 64,75 € | +4,38% |
| BMW | 34,59 € | +3,36% |
| Infineon | 3,50 € | +3,25% |
| Lufthansa | 11,31 € | +0,89% |
| E.ON | 26,88 € | +0,75% |
| Münchener Rück. | 107,87 € | +0,73% |
| FMC | 35,89 € | −0,19% |
| K+S | 38,41 € | −1,01% |
US-Anleihen im späten Handel mit Aufschlägen
22:47Wall Street schließt fest - Indizes mit neuen Jahreshochs
22:20EUREX/Renten-Futures schließen knapp unter Tageshoch
22:13EUREX/DAX-Futures schließen sehr fest - Unter 5.800 Punkten
22:07XETRA-NACHBÖRSE/XDAX (22 Uhr): 5.790 (XETRA-Schluss: 5.805) Pkt
| Name | Kurs | in % |
| DAX | 5.804,82 | +2,07% |
| TecDAX | 781,92 | +2,69% |
| MDAX | 7.439,81 | +1,76% |
| SDAX | 3.555,77 | +1,50% |
| REX | 374,56 | +0,17% |
| Eurostoxx 50 | 2.926,15 | +1,50% |
| Dow Jones | 10.407,00 | +1,33% |
| Nasdaq 100 | 1.807,56 | +1,06% |
| S&P500 | 1.109,30 | +1,45% |
| Nikkei225 | 9.791,18 | +0,21% |
| EUR/USD | 1,4985 | +0,12% |
| Rohöl Brent Crude | 78,75 $ | +2,27% |
| Gold | 1.130,00 $ | +2,03% |
| Bund Future | 122,06 € | +0,53% |
| Gesamt- Index |
Durchschnitt 90 Tage |
Durchschnitt 200 Tage |
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|---|---|---|---|
Aktien-Index16.11.2009 13:00 |
1370,44 | 1332,51 | 1265,03 |
Performance-Index16.11.2009 17:35 |
305,36 | 294,53 | 275,36 |
Euro-Aktien-Index16.11.2009 17:35 |
145,12 | 137,85 | 125,63 |
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