Banken

Aktie der UBS ist noch nicht aus dem Gröbsten heraus

10. Dezember 2007 Die Schweizer Großbank UBS galt in ihrer jetzigen Form - entstanden nach der verdeckten Übernahme durch den damals kleineren Bankverein - lange Zeit als eines der solidesten Unternehmen der Branche.

Einerseits wuchs es durch strategisch geschickte Übernahmen im ertragsstabilen Vermögensverwaltungsgeschäft, andererseits wurde der Eindruck vermittelt, das Management betreibe im volatilen und riskanten Investment- und Creditbanking eine konservative Risikopolitik. Dieser Eindruck scheint allerdings getäuscht zu haben.

Weitere Mega-Abschreibung, rote Zahlen und Kapitalerhöhung bei der UBS

Denn die UBS scheint die Kreditkrise in den Vereinigten Staaten und ihre Folgen völlig unterschätzt zu haben. Wie die Bank am Montag in Zürich mitteilte, schreibt sie wegen der Neubewertung von Subprime-Hypotheken weitere zehn Milliarden Dollar auf ihre Bestände an Hypothekarpapieren ab. In mehreren Schritten will die Großbank zudem bis zu 19 Milliarden Dollar im Rahmen einer Kapitalerhöhung einnehmen. So stimme der Verwaltungsrat dem Wiederverkauf von 36,4 Millionen eigenen Aktien zu, die eigentlich für die Vernichtung vorgesehen waren. Unter Berücksichtigung des erwarteten Verlusts im vierten Quartal erwartet der Vorstand die BIZ-Kernkapitalquote über 12 Prozent, nach 10,6 Prozent am 30. September 2007.

Zudem soll eine 13 Milliarden Franken schwere mit neun Prozent verzinste Zwangswandelanleihe für etwa zwei Jahre begeben werden. Abnehmer sind der Stadtstaat Singapur und ein zweiter, namentlich nicht genannter Investor. Die Zustimmung einer außerordentlichen Hauptversammlung Mitte Februar vorausgesetzt, wird der Erlös dieser Emission dem Kernkapital zugerechnet. Anstelle der Bardividende 2007 will der UBS-Vorstand auf der Hauptversammlung zudem eine Aktiendividende vorschlagen. Dazu sollen Bonusaktien ausgegeben werden. Das Tier-1-Kapital steige dadurch um 4,4 Milliarden Franken. Davon stellen rund 3,3 Milliarden Franken eine Rückbuchung der aufgelaufenen Dividende für die ersten neun Monate dieses Jahres dar. Der Restbetrag bestehe aus Dividendenbeträgen, die nun nicht mehr zurückgestellt werden.

Solche Eingeständnisse und die geplanten Transaktionen sprechen für sich und gegen die Annahme, die Kreditkrise sei schon ausgestanden. Die Bedingungen am amerikanische Hypothekenmarkt hätten sich zunehmend verschlechtert, wird UBS-CEO Marcel Rohner in einer Pressemitteilung zitiert: „Wir haben deshalb unsere Verlustannahmen einem Niveau angepasst, das der derzeitigen angespannten Situation am Markt für hypothekarisch gesicherte Wertpapiere entspricht.“ Die anhaltenden Spekulationen über den effektiven Wert der Subprime-Bestände, der sich den Angaben zufolge noch immer nicht genau beziffern lasse, habe das Geschäft belastet. „Diese Abschreibungen bringen unseres Erachtens ein Maximum an Transparenz und werden das Potential für Spekulationen über notwendige weitere Bewertungskorrekturen bei UBS minimieren“, so der Manager.

Bisherige Statements wurden regelmäßig von der Realität überholt

Ob das so ist, wird sich allerdings erst noch zeigen müssen. Immerhin waren solche Statements in den vergangenen Wochen schon mehrfach zu hören. Mittlerweile sind sie kaum noch glaubwürdig, da sie regelmäßig widerlegt wurden. Fakt ist ebenfalls, dass sich die Problemfälle in Amerika längst nicht mehr auf die Hypothekenkredite minderer Qualität beschränken. Aus diesem Grund kann die starke Amerika-Lastigkeit - der Erlösanteil lag im vergangenen Geschäftsjahr bei 41 Prozent - problematisch werden. Insgesamt dürfte sich das Volumen der problematischen Kredit und ihre Werte noch lange nicht abschätzen lassen, zumal auch einige der europäischen Immobilienmärkte massiv überhitzt und entsprechend überbewertet sind.

Dazu kommt die Tatsache, dass die Kreditkrise zu einem deutlich verhalteneren operativen Handels- und Emissionsgeschäft führen wird. Bei „normalisierter“ Risikowahrnehmung der Anleger - sie dürften künftig nicht mehr so naiv und blind „AAA-Papiere“ kaufen, die nach Experteneinschätzung tatsächlich „hochtoxisch“ sind, wie in den vergangenen Jahren der Verbriefungseuphorie - dürfte das auch so bleiben. Auf dieser Basis dürfte man viele Finanzwerte weiterhin kritisch betrachten müssen, auch wenn sie nach Einschätzung vieler Anleger inzwischen günstig geworden sein mögen.

Das gilt auch für die Aktie der UBS, selbst wenn sich die Vermutung aufdrängt, das neue Management unter der Führung von Marcel Rohner könnte dazu tendieren, die Bilanz in einem ersten Aufwasch tiefenrein zu sanieren, um künftig positiv überraschen und entsprechend glänzen zu können. Auch charttechnisch ist die Aktie noch lange nicht aus dem Gröbsten.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.



Text: @cri
Bildmaterial: AP, FAZ.NET

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