14. April 2008 Die Banken halten die Anleger an den Aktienmärkten weiterhin in Atem. Gleich zu Wochenbeginn setzten abermals diverse Nachrichten aus der Branche die Kurse unter Druck. Ein Quartalsverlust der amerikanischen Bank Wachovia und die Sorgen um ähnlich schlechte Ergebnisse weiterer Banken trieben den europäischen Stoxx Banks um mehr als 1 Prozent nach unten. Die Banken belasteten auch den Gesamtmarkt, der Deutsche Aktienindex Dax fiel um 0,7 Prozent auf rund 6.560 Punkte.
Während sich die Anleger an der Wall Street nach schlechten Zahlen von Wachovia auf weitere schwache Quartalsberichte gefasst machen, gelangte am Montag auch eine positive Nachricht an die Öffentlichkeit: Nach einem Bericht des amerikanischen "Wall Street Journal" verhandelt die Deutsche Bank mit Beteiligungsfonds über einen Verkauf eines bis zu 20 Milliarden Dollar schweren Portfolios an amerikanischen Übernahmekrediten.
Unklar ist, zu welchen Preisen die Banken ihre Übernahmedarlehen loswerden
Diese Darlehen, welche die Bank schon vor dem Ausbruch der Finanzkrise im Sommer zugesagt und auf die Bilanz genommen hatte, sollen nun offenbar in mehreren Paketen verkauft werden. Ein Deutsche-Bank-Sprecher wollte dies nicht kommentieren. Schon in der vergangenen Woche war bekannt geworden, dass die amerikanische Citigroup Übernahmedarlehen im Wert von 12 Milliarden Dollar an die Beteiligungsfonds Apollo, Blackstone und TPG verkaufen will.
Damit kommt allmählich Schwung in den Markt für derartige Darlehen, die von Finanzinvestoren für den Kauf großer Unternehmen genutzt werden. Die Banken haben nach Schätzungen von Kreditanalysten weltweit Übernahmedarlehen im Wert von mehr als 200 Milliarden Dollar zugesagt, die nun schwer verkäuflich sind. In den vergangenen Monaten waren die Preise für diese Kredite gefallen. Am stärksten war der Einbruch in Europa, wo diese Kredite nach Daten der Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) bis auf 86 Prozent des Ursprungswertes fielen. Seit der vergangenen Woche steigen die Preise wieder", berichtet Taron Wade, S&P-Kreditanalystin.
Beteiligungsfonds haben in den vergangenen Monaten Milliardensummen eingesammelt, um in den brachliegenden Markt für Übernahmedarlehen zu investieren. Allein Blackstone hat nach früheren Angaben rund 20 Milliarden Dollar für Kreditinvestitionen zur Verfügung. Unklar ist, zu welchen Preisen die Banken ihre Übernahmedarlehen nun loswerden und ob sie diese Abschläge im ersten Quartal verdaut haben. Die Deutsche Bank hatte im ersten Quartal 2,5 Milliarden Euro wertberichtigt; das Gros der Belastungen stammte aus dem zum Jahresende fast 57 Milliarden Dollar großen Portfolio an zugesagten Übernahmekrediten.
Gebannt blicken die Anleger nun nach Amerika, wo führende Großbanken und einige Regionalbanken in den kommenden Tagen ihre Resultate für das erste Quartal vorlegen. Am Montag eröffnete das viertgrößte amerikanische Kreditinstitut Wachovia Corp. die Bilanzsaison der Finanzbranche mit einem enttäuschenden Ergebnis. Wachovia berichtete einen Nettoverlust von 350 Millionen Dollar, obwohl Analysten mit einem Gewinn gerechnet hatten. Der Grund für den überraschenden Verlust: Wachovia erhöhte die Rücklagen für potentielle Kreditausfälle von 177 Millionen Dollar im Vorjahresquartal auf 2,8 Milliarden Dollar. Gleichzeitig hat der Konzern zum zweiten Mal in diesem Jahr eine Kapitalerhöhung angekündigt. Nach der Kapitalaufnahme von 8,3 Milliarden Dollar im Januar und Februar will die in Charlotte, North Carolina, beheimatete Bank jetzt weitere 7 Milliarden Dollar mit der Emission neuer Aktien aufnehmen. Dazu soll die Dividende um 41 Prozent gekürzt werden, um die Kapitalausstattung zu bessern.
Die Probleme von Wachovia stammen vornehmlich aus der Akquisition der stark im Hypothekengeschäft engagierten kalifornischen Regionalbank Golden West vor zwei Jahren. Wenig später hatte der Abschwung des amerikanischen Häusermarktes begonnen, was zu steigenden Zahlungsausfällen bei Hypothekenschuldnern führte. Viele Hausbesitzer hatten während des Aufschwungs des Häusermarktes Kredite auf den gestiegenen Wert ihrer Anwesen aufgenommen und damit Anschaffungen und andere Kredite finanziert. Angesichts der fallenden Preise geraten diese Personen nun in Zahlungsschwierigkeiten.
Deutlicher Gewinnrückgang bei den Finanzunternehmen zu erwarten
Analysten hatten in den vergangenen Wochen ihre Prognosen für die Finanzbranche daher weiter heruntergeschraubt. Vor dem überraschenden Verlust von Wachovia hatten Analysten für die im Aktienindex S&P 500 abgebildeten Finanzkonzerne mit einem durchschnittlichen Gewinnrückgang um 64 Prozent gerechnet. Analysten fürchten für einige der großen Banken auch hohe Abschreibungen auf Wertpapiere, die mit Hypotheken oder Verbraucherkrediten hinterlegt sind. Für die Großbank Citigroup rechnen die Analysten der Investmentbank Goldman Sachs mit Abschreibungen von rund 12 Milliarden Dollar im ersten Quartal. Andere Analysten wie Michael Mayo von der Deutschen Bank prognostizieren gar 18 Milliarden Dollar. Für die Investmentbank Merrill Lynch, die neben der Citigroup bisher am stärksten von der Finanzkrise betroffen war, rechnen die Goldman-Analysten mit Wertberichtigungen von 2 Milliarden Dollar. Der Fernsehsender CNBC hatte allerdings von möglichen Abschreibungen bis zu 6,5 Milliarden Dollar bei Merrill berichtet.
Angesichts dieser hohen Verluste müssen sich die Bankmitarbeiter an den großen Finanzplätzen wie New York und London in diesem Jahr auf eine Welle von Entlassungen einstellen. In New York und London wird der Rotstift angesetzt, da sich die Krise hinzieht, Banken künftig mehr Kapital und Liquidität vorhalten müssen und sich das Geschäft der Banken in Zukunft weniger lukrativ gestalten wird. Die Kürzung der Arbeitsplätze dürfte weit über das hinausgehen, was beispielsweise die Citigroup mit 2000 Entlassungen in London und New York schon verkündet hat.
Das Investmentbanking, das Geschäft mit Derivativen und das Beratungsgeschäft von Unternehmen bei Übernahmen ist am härtesten betroffen", warnt die britische Analysegesellschaft CEBR (Centre for Economics and Business Research). Sie prognostiziert, dass in London allein in diesem Jahr 11.000 und im kommenden Jahr mehr als 8.000 Arbeitsplätze in der Londoner City gestrichen werden. Das wären mehr als die 15 300 Stellenstreichungen nach dem Platzen der Technologieblase an den Börsen im Jahr 2000 und 2001. Die Analysegesellschaft CEBR glaubt, allein in London werde der Wert der Übernahmetransaktionen um 26 Prozent einbrechen, das Handelsvolumen an der London Stock Exchange um 36 Prozent zurückfallen und Londons Wirtschaftswachstum als Finanzzentrum von 4 auf 1,3 Prozent schrumpfen. Die Zahl der Mitarbeiter direkt in der Londoner City werde von 334.000 im Jahr 2007 auf 251.000 im kommenden Jahr zurückfallen.
Text: da./nks./bes., F.A.Z.
Bildmaterial: AP, F.A.Z.
| Tops & Flops | +/- | Prozent |
|---|---|---|
| HYPO REAL ESTATE HOL | +1,51 | +36,56 |
| COMMERZBANK AG INHAB | +1,67 | +17,16 |
| THYSSENKRUPP AG INHA | +2,40 | +15,48 |
| VOLKSWAGEN AG STAMMA | -2,11 | -0,62 |
| BAYER AG INHABER - A | +0,92 | +2,23 |
| DEUTSCHE POST AG NAM | +0,26 | +2,26 |
| Name | Punkte | Prozent |
|---|---|---|
| Dax | 4.860,08 | +6,95 |
| TecDax | 571,54 | +10,60 |
| DowJones | 8.451,19 | -1,49 |
| Nasdaq | 1.649,51 | +0,27 |
| STOXX 50 | 2.571,39 | +6,17 |
| Nikkei 225 | 8.276,43 | -9,62 |
| S&P 500 Zert. | 9,30 | +5,32 |
| Euro/Dollar | 1,36 | -0,06 |
| Bund Future | 114,67 | +0,00 |
| Gold | 850,79 | +0,40 |
| Öl | 76,65 | -7,49 |