Banken

Abwärtstrend der IKB-Aktie dürfte sich beschleunigen

30. Juli 2007 In den vergangenen Monaten lieferten sich an den Börsen Bullen und Bären ein heftiges Ringen und hielten die Anleger zwischen Hoffen und bangen, seit sich die Krise am amerikanischen Hypothekenmarkt für Schuldner schwacher Bonität abzuzeichnen begann.

Einer der Haupttrümpfe der Bullen war dabei, dass ja nur weniger Spezialisten von der Krise betroffen sei und diese sich ja lediglich auf ein Segment des Hypothekenmarktes bezöge. Nun hat diese positive Einschätzung einen weitere heftigen Schlag erlitten.

Prognosen noch vor kurzem bestätigt

Schon vor einigen Tagen war spekuliert worden, dass mit der IKB Deutsche Industriebank eine weitere hoch angesehene Bank eventuell Wertberichtigungen auf Wertpapiere vornehmen muss, die von der Schwäche des amerikanischen Hypothekenmarktes betroffen sein könnten. Seinerzeit versicherte die IKB, man sei allenfalls geringfügig betroffen, nichtsdestoweniger gerieten schon dann die Kurse der von ihr begebenen Anleihen unter Druck.

Stabilisierend wirkte sich aus, dass die IKB über einen sehr guten Start in das am 31. März endende Geschäftsjahr 2007/2008 berichtete. Getragen von starkem Neugeschäft zeichne sich beim operativen Ergebnis im ersten Geschäftsquartal eine Steigerung gegenüber dem Vorjahr um 15 Prozent auf 63 Millionen Euro ab, hieß es, nachdem sich im vorangegangenen Quartal dieses Ergebnis halbiert hatte.

Dennoch hatte der Vorstand damals ein gegenüber dem vergangenen Geschäftsjahr um 17 Millionen auf 280 Millionen Euro gesteigertes operatives Ergebnis prognostiziert und bekräftigte dieses Ziel bei Vorlage der Quartalszahlen. Nach Händlereinschätzungen war der Ausblick sogar „ein bisschen zu vorsichtig“.

KfW greift durch

Am Montag ist jetzt alles Makulatur.Die IKB kappte nämlich wegen der Krise am amerikanischen Immobilienmarkt die Ergebnisprognose deutlich. Das operative Ergebnis werde im Geschäftsjahr 2007/2008 niedriger als die bisher erwarteten 280 Millionen Euro ausfallen, teilte das im MDax notierte Institut, an der die staatliche Förderbank KfW 38 Prozent hält, am Montag in Düsseldorf mit.

Nachdem die Bank erst vor zehn Tagen ihre Gewinnprognose bestätigt hatte, musste zudem Vorstandschef Stefan Ortseifen seinen Hut nehmen. Ortseifen sei im Einvernehmen mit dem Aufsichtsrat aus seinem Amt als Mitglied und Sprecher des Vorstands der IKB ausgeschieden. Nachfolger wird KfW-Vorstandsmitglied Günther Bräunig. Zudem wurde mit Dieter Glüder ein weiterer Direktor der KfW zum Mitglied des Vorstands der IKB bestellt, womit der staatliche Mutterkonzern, der einen erstklassigen und über jeden Zweifel erhabenen Ruf zu verteidigen hat, die Tochter hart an die Kandare zu nehmen scheint.

Denn auch an anderer Stelle hat die KfW hart eingegriffen. Wegen der Verunsicherung durch die Krise am amerikanischen Immobilienmarkt sei die Bonität der IKB gefährdet gewesen, so dass man mit Wirkung zum 30. Juli „in die Liquiditätslinien gegenüber von der Krise betroffenen Geschäftsbereiche der IKB eintreten“ werde. Darüber hinaus werde die KfW die IKB gegen Risiken abschirmen, die aus bestimmten Portfolioinvestments resultieren.

ABS-Programm gefährdete Bonität

Konkret geht es dabei um die Refinanzierung des von der IKB gemanagten ABS-Programms „Rhineland Funding“ im Volumen von zuletzt 12,7 Milliarden Euro.. Die IKB sei Gefahr gelaufen, aus ihren Liquiditätslinien dafür in Anspruch genommen zu werden.Rhineland Funding und in geringerem Maße auch die IKB selbst sind in strukturierten Portfolioinvestments engagiert, zu denen auch amerikanische Immobilienkredite aus dem Subprime-Bereich gehörten.“

„Bisher gab es zwar Bewertungsabschläge, aber nur wenige Kreditausfälle und nur einige Ratingverschlechterungen bei den Portfolioinvestments. Dennoch hat das Engagement der IKB dazu geführt, dass ihre Bonität vor dem letzten Wochenende in Frage gestellt wurde und zu befürchten war, dass sich die Vertrauenskrise weiter verschärfen würde“, erklärte die IKB. Indes hätten die heftigen Reaktionen der vergangenen Woche hätten zu einer deutlichen Ausweitung der Spreads geführt und zu einer großen Verunsicherung institutioneller Investoren beigetragen.

Für den Finanzmarkt sind diese einschneidenden Maßnahmen um so ernster, als es bislang hieß, dass die Unsicherheiten im Hypothekenmarkt in den Vereinigten Staaten für eine auf langfristige Unternehmensfinanzierungen spezialisierte Bank wie die IKB keine besondere Rolle spielten.

Sorgen um weitere Überraschungen aus dem Bankensektor sind angebracht

In den von Rating-Agenturen zum amerikanischen Hypothekenmarkt erstellten Analysen war die IKB von Moody's lediglich mit einem einstelligen Millionenbetrag auf die Beobachtungsliste genommen worden. In einer Analyse von Standard & Poor's galt die Bank als in keinerlei Hinsicht betroffen, so seinerzeit eine Mitteilung der IKB.

Insofern ergibt sich an den deutschen Finanzmärkten die bange Frage, ob noch weitere Banken in die Krise verwickelt sein könnten. Der Fall IKB ist damit geeignet die Ängste weiter zu schüren, die schon nach dem überraschenden Abgang von UBS-Chef Peter Wuffli aufkamen (Wufflis Abgang dürfte für UBS-Aktie zunächst eher wenig ändern).

Nachdem der Hedge-Fonds der Schweizer Bank, Dillon Read im Mai nach Verlusten von mehr als 120 Millionen Dollar aus Hypothekengeschäften zusammenbrach, rechnen Analysten mit weiteren Verlusten aus diesem Engagement in Höhe von 150 Millionen Schweizer Franken. Bei HSBC rechnen Experten mit einem Absturz des Gewinnwachstums von 15 auf 7 Prozent im ersten Halbjahr. Die Kosten zur Deckung von Kreditausfällen dürften auf 5,65 Milliarden Dollar gestiegen und der Vorsteuergewinn um 42 Prozent gefallen sein, heißt es.

Aktienkurs dürfte vorerst nach unten gehen

Die Gewinnwarnung der IKB sei eine sehr negative Überraschung, heißt es daher auch bei deutschen Analysten. Nachdem die Bank erst vor zehn Tagen Zahlen im Rahmen der Erwartungen vorgelegt und Sorgen über eine Auswirkung der Immobilienkrise zerstreut habe, wirke eine Gewinnwarnung aufgrund der Immobilienkrise nun sehr befremdlich. „Es sollte für die Titel deutlich nach unten gehen - das sind richtig schlechte Nachrichten“, so das Fazit.

Vor allem beschädigt die Gewinnwarnung die Glaubwürdigkeit der IKB - Gift für eine Bank. Insofern ist das harsche Eingreifen der KfW nur gerechtfertigt und scheint das langfristig einzig probate Mittel, einen dauerhaften Glaubwürdigkeitsverlust zu vermeiden. Denn diese ist im Kreditgeschäft alles.

Das dürfte daher das einzige sein, was einen Absturz der Aktie ins Bodenlose angesichts deren Kurschwäche in den vergangenen Woche, eines allgemein schwachen Klimas für Finanzwerte und der Verunsicherung der Anleger verhindern kann.

Für die weitere Zukunft heißt es abwarten, welche Belastungen für das Kreditinstitut tatsächlich entstehen. Die bislang gehandelten Kurs-Gewinn-Verhältnisse von 9,2 bzw. 7,9 sind erst einmal als gegenstandslos zu betrachten und der seit Mai anhaltende Abwärtstrend, der sich durch einen deutlichen Kurssturz seit Mitte des Monats beschleunigt hat, dürfte am Montag erst einmal neue Dynamik gewinnen.

Beim Schlusskurs vom Freitag von 21,48 Euro muss auch die Unterstützung zwischen 19 und 19,50 Euro als akut gefährdet gelten. Hält diese Linie in den kommenden Tagen, so besteht Hoffnung auf eine Bodenbildung, falls keine weiteren negativen Überraschungen eintreten. Hält die Marke nicht, so könnten die Kursverluste die Notierung in Richtung der Marke von 15 Euro treiben.

Im vorbörslichen Handel des Brokers Lang & Schwarz fiel der Kurs rund eine Stunde vor Börseneröffnung um 13 Prozent auf 18,69 Euro und damit unter die Unterstützung. Im offiziellen Handel eröffnete die Notierung noch schlechter: der Kurs fiel um 16,9 Prozent auf 17,85 Euro.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.



Text: @mho
Bildmaterial: FAZ.NET

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