Bauunternehmen

Aktie von Boskalis im Infrastruktur-Boom

15. Dezember 2005 Kursgewinne satt konnten in den vergangenen Monaten die Aktionäre des niederländischen Infrastrukturunternehmens Koninklijke Boskalis Westminster verbuchen. Das Papier hat nach einer gewissen Stagnationsphase im November des vergangenen Jahres einen eindrucksvollen Aufwärtstrend etabliert und ausgehend von einem Kursniveau von 19 Euro inzwischen satte 164 Prozent auf ein Allzeithoch von zuletzt 50,2 Euro zugelegt.

Nicht nur der Trend zeigt weiterhin nach oben, sondern das Unternehmen wartet auch mit positiven Nachrichten auf. Denn es hat am Donnerstag die Gewinnprognose für das laufende Jahr deutlich erhöht. Hatte es im August noch die Devise ausgegeben, den Gewinn im Vergleich mit dem Vorjahr um mindestens um 50 Prozent steigern zu können, so rechnet es nun mit einem Zuwachs von mindestens 80 Prozent auf mehr als 58 Millionen Euro oder 2,03 Euro je Aktie.

Aktie ist im Moment kein Schnäppchen

Das ist allerdings auch dringend nötig, denn ohne diese Entwicklung wären die bisherigen Kursgewinne nicht gerechtfertigt gewesen. Mit einem Kurs-Gewinnverhältnis von 28 auf dieser Basis hat das Papier schon eine gehörige Portion weiterer Gewinnzuwächse vorweggenommen. Die Analysten rechnen im kommenden Jahr mit einem Gewinn je Aktie von 2,75 Euro. Das entspräche einen Gewinnwachstum von 35 Prozent und würde zu einem vernünftigeren, aber keineswegs sonderlich attraktiven Kurs-Gewinnverhältnis von 18,3 führen.

Boskalis Westminster zählt sich zu den führenden Unternehmen weltweit, die sich auf die Trockenlegung von Flächen und den Bau und die Unterhaltung von Häfen und Wasserstraßen spezialisiert haben. Das Unternehmen verfügt über eine Flotte von mehr als 300 Fahrzeugen, ist in mehr als 50 Ländern in allen fünf Kontinenten aktiv und beschäftigt einschließlich der Partnerunternehmen mehr als 7.000 Leute.

Der Auftragbestand wird nach Unternehmensangaben zum Jahresende bei etwa 1,2 Milliarden Euro liegen. Das ist das doppelte dessen, was zu einem vergleichbaren Zeitpunkt im Vorjahr anstand. Noch im vergangenen Monat hat Boskalis bekannt gegeben, zusammen mit dem belgischen Unternehmen Jan de Nul Group einen Auftrag zum Bau eines Hafens in Katar im Gegenwert von 800 Millionen Dollar an Land gezogen zu haben.

Boskalis geht davon aus, den Umsatz im laufenden Jahr um mindestens 15 Prozent steigern zu können. Im vergangenen Jahr lag der Umsatz bei einer Milliarde Euro. Die eindrucksvolle Gewinnentwicklung dürfte sich durch eine verbesserte Auslastung der Kapazitäten erklären lassen.

Langfristige Kursphantasie durch innovative Konzepte

Die Phantasie der Aktie dürfte sich nicht nur durch die Entwicklung des operativen Geschäftes im Infrastrukturbereich erklären lassen, sondern auch durch die Veränderung der Geschäftsstruktur. Im Rahmen knapper öffentlicher Finanzmittel kommen immer mehr innovative Finanzkonzepte ins Spiel. Zum Beispiel so genannte Public-Private Partnerships zum Ausbau der Maas zwischen Maastricht and Roosteren, der Vertiefung des Hafens in Melbourne oder auch zur langfristigen Plege des Strandes in der Pevensey Bay in Großbritannien.

Insgesamt dürfte das Unternehmen in einem anhaltend positiven weltwirtschaftlichen Umfeld mit einer anhaltenden Nachfrage nach einer modernen und solide unterhaltenen Infrastruktur in Verbindung mit innovativen Finanzierungskonzepten gute Perspektiven haben. Kurzfristig sind sie allerdings schon weitgehend „einpreist“. In diesem Sinne scheinen Absicherungsstrategien gegen mögliche Gewinnmitnahmen nicht schlecht zu sein.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.



Text: @cri
Bildmaterial: FAZ.NET

 
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